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Rheda

Abschied: Ein letzter Gruß an die Queen aus Wiedenbrück

Rheda

Zum Tod der britischen Monarchin setzen die Wiedenbrücker St.-Sebastian-Bürgerschützen eine alte Tradition fort.

Mit der Kanone der Alten Wiedenbrücker Stadtwache gaben die Schützen drei Salutschüsse zu Ehren der verstorbenen britischen Regentin Queen Elizabeth II. ab. Dahinter formierten sich (v. l.) Willi Pierenkemper, Andreas Grundmann, Manuel Stricker, das amtierende Königspaar Willi und Hildegard Baumhus sowie Jörg Geigalat. Darüber hinaus nahmen weitere Mitglieder des Schützenvereins an der Zeremonie teil, darunter Alexander Hüske als Hauptmann der ersten Kompanie.

Rheda-Wiedenbrück (gl) - Ein letzter Gruß aus Wiedenbrück: Mit Salutschüssen aus der historischen Kanone der Alten Stadtwache haben Mitglieder des Bürgerschützenvereins St. Sebastian Wiedenbrück der verstorbenen britischen Monarchin Queen Elizabeth II. gedacht. Die Grünröcke und das britische Königshaus verbindet eine langjährige Freundschaft. Der Kontakt kam einst über eine damals in Gütersloh stationierte Kompanie des britischen Militärs zustande.

Salutschüsse sollen Anteilnahme unterstreichen

„Mit den Salutschüssen wollten wir unsere Verbundenheit und Anteilnahme gegenüber dem britischen Königshaus in diesen schweren Stunden zum Ausdruck bringen“, sagt Alexander Hüske im Gespräch mit unserer Zeitung. „In guten wie in schlechten Zeiten eng zusammenzustehen, das bedeutet aus Sicht von uns Schützen wahre Freundschaft“, unterstreicht der Hauptmann der ersten Kompanie des traditionsreichen Wiedenbrücker Schützenvereins von 1492.

Die Verbundenheit zur englischen Krone und zum 26. königlichen Artillerie-Regiment währt bereits seit mehr als 20 Jahren. Den Kontakt zu den damals noch in der Kreisstadt Gütersloh stationierten Soldaten knüpften seinerzeit Andreas Grundmann von der ersten Kompanie der Wiedenbrücker Schützen und sein Sohn Kai. Auch heute noch sind die beiden so etwas wie Verbindungsoffiziere zu den Freunden vom britischen Heer. Als Zeichen des engen Miteinanders führten die britischen Soldaten kurz vor ihrem Abzug aus Gütersloh vor einigen Jahren in der Wiedenbrücker Innenstadt eine prachtvolle Militärparade durch. Dafür sind die Schützen noch heute dankbar, denn: „Die Ehre, Ausrichtungsort der Parade Freedom of the City zu sein, wird nicht vielen Städten zuteil“, sagt Alexander Hüske. 

Am Tag, als Queen Elizabeth II. 96-jährig verstarb, wurden die Wiedenbrücker Bürgerschützen zeitnah von dem befreundeten Artillerie-Regiment darüber informiert – verbunden mit der Bitte, zu Ehren der Monarchin Salutschüsse abzugeben. Genau das hatten die Sebastianer bereits zum 70. Thronjubiläum der Queen im Juni und auch nach dem Ableben von Prinz Philip, dem Ehemann der nun verblichenen Regentin, im April vergangenen Jahres getan. 

Videomitschnitte werden im Internet zahlreich geklickt

Videoaufzeichnungen von den Salutschüssen, die stets in feierlichem Rahmen abgefeuert wurden, hatten die Schützen damals nicht nur an die befreundeten Soldaten geschickt, sondern über diese auch an das britische Königshaus übermitteln lassen. Ausschnitte daraus schafften es sogar bis ins britische Fernsehen.

In den sozialen Medien im Internet erfreuen sich die Filmaufnahmen der Wiedenbrücker großer Beliebtheit. Das Königshaus revanchierte sich in beiden Fällen mit prunkvollen Dankesschreiben. Zuletzt erhielten die Schützen vor einigen Monaten Post von der Queen, die sich für die Glückwünsche zu ihrem Thronjubiläum bedankte.

Kontakt zur britischen Krone soll weiter gepflegt werden

Als die Bürgerschützen Ende vergangener Woche aus England die Nachricht mit dem Codewort „London Bridge is down“ erhielten, fackelten sie nicht lange. „Wir wussten genau, was zu tun ist“, berichtet Hauptmann Alexander Hüske. Unter „Operation London Bridge“ wird der Ablaufplan bezeichnet, der das weitere Vorgehen nach dem Tod der britischen Monarchin regelt.

Während im Vereinigten Königreich die Trauerbeflaggung vollzogen und die Vorbereitungen für das noch anstehende Staatsbegräbnis eingeleitet wurden, planten die Wiedenbrücker Schützen einen Festakt zur Abgabe von Salutschüssen zu Ehren der verstorbenen Queen. Dazu trafen sich Mitglieder des Vorstands, des Spielmannszugs, das amtierende Königspaar Willi und Hildegard Baumhus sowie Angehörige der ersten Kompanie, die die Partnerschaft mit den britischen Soldaten federführend betreut, auf dem Anwesen von Hauptmann Hüske.

Dort wurde nicht nur die britische Fahne gehisst, sondern auch ein Porträtbild der langjährigen britischen Monarchin aufgestellt. Dahinter formierten sich die Schützen um die Kanone der Alten Wiedenbrücker Stadtwache. Drei Schüsse feuerten die Grünröcke ab. Untermalt wurde die Zeremonie mit Trompetenklängen des Spielmannszugs.

„Das war ein bewegender Moment für uns“

„Das war für uns alle ein bewegender Moment“, erinnert sich Alexander Hüske. „Denn auch wenn die Queen während ihrer 70-jährigen Amtszeit nie nach Rheda-Wiedenbrück gekommen ist, fühlen wir uns eng mit ihr und ihrer Familie verbunden.“

Ein Video von der Salutschuss-Abgabe haben die Schützen auch diesmal wieder erstellt – und bereits in den sozialen Netzwerken hochgeladen. Für ihr auf diese Weise dokumentiertes Gedenken an die verstorbene Queen erhalten sie nach Auskunft Hüskes online reichlich Zustimmung. „Vielen Menschen geht es offenbar ganz ähnlich wie uns: Sie sind vom Tod der britischen Königin tief getroffen.“

Über das 26. königliche Artillerie-Regiment wurde das Video wie bei den zurückliegenden Anlässen an das Königshaus weitergeleitet. Von dort dürfte in den kommenden Wochen und Monaten wieder ein Dankesschreiben in Wiedenbrück eintreffen. Allerdings mit einem Unterschied: Es wird nicht von Queen Elizabeth, sondern von Thronfolger Charles III. unterzeichnet sein. Aber für Alexander Hüske und die erste Kompanie steht fest: „Unsere Freundschaft zur britischen Krone wird weitergehen – auch über den Tod der Königin hinaus.“

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