1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Rheda-wiedenbrueck
  6. >
  7. Abschied nach fast 45 Dienstjahren

  8. >

Rheda-Wiedenbrück

Abschied nach fast 45 Dienstjahren

Rheda-Wiedenbrück (sud) - In seinem Büro stapeln sich Polizeimützen und Dienstgradabzeichen aus aller Herren Länder - Urlaubsmitbringsel, die Andreas Terhechte innerhalb von Jahrzehnten zusammengetragen hat. Ende dieser Woche hat der Erste Polizeihauptkommissar seinen letzten Arbeitstag.

Anonymous User

„45 Jahre minus einen Monat – das sollte reichen“, sagt der scheidende Leiter der Polizeiwache in Rheda-Wiedenbrück. Eigentlich wäre Terhechte bereits vor zwei Monaten in den wohlverdienten Ruhestand gegangen. Aber die Corona-Pandemie hat ihm eine unerwartete Verlängerung beschwert. Um die hatte der 62-jährige Bokeler bei seinen Vorgesetzten selbst gebeten, denn: „In dieser besonderen Situation wollte ich die Kollegen nicht alleinlassen, zumal mein Stellvertreter krankheitsbedingt längere Zeit ausgefallen war“, sagt Terhechte.

Verbrecherjagd hat ein Ende

Am Freitag ist aber endgültig Schluss mit der Verbrecherjagd und der Ahndung von Verkehrsdelikten. Zuvor wird der langjährige Leiter der Wache an der Hauptstraße im Rahmen einer kleinen Feierstunde mit geladenen Gästen feierlich verabschiedet. Zu der Zusammenkunft am Donnerstag in der Stadthalle hat sich auch Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) als oberster Gütersloher Polizeichef angekündigt. Das freut Terhechte ganz besonders. Denn Adenauer habe nicht nur stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Polizei gezeigt, sondern auch Humor bewiesen: Etwa, als er Terhechte während einer Veranstaltung kurzerhand zum „General Admiral Gommissar“ (kurz „Gag“) befördert habe. „Ein Kollege von mir hatte die Idee, und der Landrat hat den Spaß spontan mitgemacht“, erinnert sich Andreas Terhechte.

Zur Person

„Es war nie mein Ansinnen, vor meinen Kollegen den Chef herauszukehren“, sagt Andreas Terhechte über sein Verständnis von Führung. „Mir war es stets wichtig, dass wir uns als Team sehen und entsprechend agieren. Und das hat richtig gut geklappt.“

Terhechtes Laufbahn begann 1975 mit dem Besuch der Polizeischule in Stukenbrock. Nach einer kurzen Stippvisite in Köln wurde Terhechte im Oktober 1978 nach Gütersloh – und damit in die Heimat zu Frau und Kindern – versetzt. Zwischen 1982 und 1985 absolvierte er das für den gehobenen Polizeidienst erforderliche Studium. Kurz darauf wurde er Wachdienstführer in Gütersloh.

1990 wechselte er als Dienstgruppenleiter nach Rheda-Wiedenbrück. 2001 übernahm er die Leitung des Verkehrskommissariats, bevor er 2007 zum Leiter der Wache an der Hauptstraße ernannt wurde. In dieser Funktion ist Andreas Terhechte bis heute tätig – und damit Vorgesetzter von 52 Polizisten im Wach- und 22 im Bezirks- und Schwerpunktdienst.

Zum Zuständigkeitsbereichs der Wache an der Hauptstraße gehören außer der Doppelstadt an der Ems auch Rietberg, Herzebrock-Clarholz und Langenberg.

Großvater als Vorbild

„Mein Opa war stolz wie Bolle.“ Das Verhältnis zwischen Andreas Terhechte und seinem Opa Johann war besonders eng. Denn auch der Großvater stand in Diensten der Polizei. „Er hat als Bezirksdienstbeamter in Lintel gearbeitet“, berichtet der scheidende Leiter der Polizeiwache Rheda-Wiedenbrück. Dass sein Enkel dieselbe berufliche Laufbahn einschlagen will wie er selbst, habe ihn sehr gefreut.

„Als mein Opa bei der Polizei war, waren die Zeiten noch anders“, weiß Andreas Terhechte aus Erzählungen. „Anfangs ist er noch mit Hund und Fahrrad Streife gefahren – sogar auf dem Abschnitt der Autobahn 2, der auf Linteler Gebiet verläuft“, erinnert sich Terhechte. „Das wäre bei dem heutigen Verkehrsaufkommen natürlich völlig undenkbar.“ Erst in späteren Jahren bekam der Großvater ein motorisiertes Dienstfahrzeug gestellt. Den schmucken VW-Käfer hielt Johann Terhechte in Ehren, auch wenn dieser nicht mal über ein Funkgerät mit Gegensprechfunktion verfügte. Als er 1994 90-jährig starb, stand sein Enkel bereits im Rang eines Hauptkommissars.

„Ich hatte keinen Plan B“

Für Terhechte kam nie etwas anderes als der Polizeiberuf infrage. „Ich hatte keinen Plan B“, sagt er. „Denn ich fand es immer schon klasse, anderen Menschen helfen zu können und Dinge zu regeln.“ Das Bewerbungsgespräch für die Aufnahme bei der Polizei fand seinerzeit im Café Burmann in Wiedenbrück statt.

Zeit für Krimis und Familie

Jetzt im Ruhestand will der Bokeler, der nicht nur zwei Söhne und eine Tochter, sondern inzwischen auch zwei Enkel hat, mehr Zeit mit der Familie verbringen. Und auch, wenn er die Polizeiuniform an den Nagel hängt, wird er die Arbeit seiner „Kollegen“ übers Fernsehen weiterhin verfolgen. Denn Terhechte ist eingefleischter Krimifan. Serien wie „Tatort“ und „Polizeiruf“ sieht er jedoch mit einer anderen Brille als der Normalzuschauer: Denn Fehler in der Arbeit der TV-Ermittler entgehen ihm nicht. „Die machen oft alles falsch, was nur daneben gehen kann, und lösen trotzdem jeden Fall“, muss Terhechte indes neidlos anerkennen. Für ihn steht nach 45 Jahren Berufserfahrung überdies fest, „dass die Realität meistens nicht annähernd so spannend ist wie Film“.

Startseite
ANZEIGE