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Rheda-Wiedenbrück

Aktivisten kritisieren „faule Ausrede“

Rheda-Wiedenbrück (sud) -Die Staatsanwaltschaft in Bielefeld hat ihre Ermittlungen aufgrund eines Videos, das heimlich in einem Rheda-Wiedenbrücker Schweinemastbetrieb gedreht worden sein soll, eingestellt. Die Entscheidung der Behörde kann längst nicht jeder nachvollziehen.

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Haltungsbedingungen sind unterschiedlich: Im Gegensatz zu diesem Symbolfoto zeigten die heimlich gemachten Aufnahmen aus einem Stall, der angeblich in St. Vit stehen soll, ganz andere Zustände.

Über die Entscheidung der Justizbehörde wundert sich nicht nur das Deutsche Tierschutzbüro, sondern auch die Gütersloher Stadträtin Camila Cirlini (Die Linke). In dem zweistündigen Filmmaterial sind Schweine mit erheblichen Verletzungen zu sehen. Die Bilder zeigen Tiere mit blutigen Augen, Ohren und Schwänzen. „So etwas passiert nicht über Nacht“, sagt Jan Peifer vom Vorstand des Deutschen Tierschutzbüros. „Der Mäster scheint seiner Fürsorgepflicht länger nicht nachgekommen zu sein.“

Unklare Faktenlage

Nach Bekanntwerden des Videos im Juli erstattete der Verein Anzeige gegen den Mastbetrieb wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen jetzt jedoch für beendet erklärt und dies mit unklarer Faktenlage begründet. Nach Auskunft von Staatsanwalt Moritz Kutkuhn geht aus dem vorliegenden Filmmaterial nicht zweifelsfrei hervor, wo und wann die Aufnahmen entstanden sind. Eine in die Kamera gehaltene Tageszeitung sei kein ausreichender Beweis. Anders sähe die Sache womöglich aus, wenn die Ersteller des Videos der Staatsanwaltschaft namentlich bekannt wären. „Dann könnten sie als Zeugen gehört werden.“

Das Deutsche Tierschutzbüro kritisiert das Vorgehen der Justiz. Den Vorwurf, das Video sei möglicherweise manipuliert worden oder in einem ganz anderen Stall entstanden, bezeichnet Peifer als absurd. „Das ist eine ganz faule Ausrede, um nicht ermitteln zu müssen.“ Der Tierschützer betont, dass in dem Film mehrere markante Punkte im Stall sowie die Ohrenmarken einiger Schweine zu sehen seien.

Beschwerde eingelegt

Gegen die Einstellung hat das Tierschutzbüro Beschwerde eingelegt. Jan Peifer: „Wir hoffen, dass nun endlich gegen die Verantwortlichen ermittelt wird, denn es kann nicht sein, dass Tierquälerei ungestraft bleibt.“

Zweifel an der Entscheidung hat auch die Gütersloher Ratsfrau Camila Cirlini: „Es ist schwer nachzuvollziehen, warum sich die Staatsanwaltschaft wegduckt und versucht, sich einem den Bürgern gegenüber verantwortungsvollen Handeln zu entziehen.“

Auch das Kreisveterinäramt hat gegen den Betrieb, der ein Zulieferer von Tönnies ist, Anzeige erstattet. Die Gütersloher Behörde hatte den Maststall nach Bekanntwerden des Videos kontrolliert und dabei ihrerseits Mängel festgestellt.

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