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Rheda-Wiedenbrück

Alternativen gesucht zur Graffiti-Wand

Rheda-Wiedenbrück (sud) - Farbschmierereien an öffentlichen und privaten Bauwerken sind ein Ärgernis. Einen Vorschlag, wie man dem „wilden Sprühen“ Einhalt gebieten kann, hat jetzt die FDP unterbreitet. Ihr Plan, im Flora-Westfalica-Park eine Graffiti-Wand zu errichten, ist aber nicht unumstritten.

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Hohe Sachschäden entstehen Jahr für Jahr durch illegale Sprühereien an öffentlichen und privaten Gebäuden. Die FDP hat einen Vorschlag zur Lösung des Problems unterbreitet. Foto:

Mit dem Bau einer Wand, an der sich Graffiti-Künstler sowie zumeist jugendliche Sprayer verewigen können, lässt sich nach Auffassung von FDP-Fraktionschef Patrick Büker „mit vergleichsweise wenig Geld viel erreichen“: Graffitikunst könnte an einem dafür eigens vorgesehenen Punkt im Stadtgebiet gebündelt werden. Dadurch ließen sich Vandalismusschäden an privaten und öffentlichen Gebäuden verringern. „Weiterhin würden ein Platz für Straßenkunst und ein soziokultureller Treffpunkt für die Sprayerszene geschaffen.“ Als möglichen Standort für die Graffiti-Wand brachte Büker das Umfeld der Skateranlage im Flora-Westfalica-Park ins Gespräch.

Grüne skeptisch, CDU dafür

Anfreunden mit dem Vorschlag der Liberalen konnte sich Lisa Elbracht (CDU). Es stehe außer Frage, dass Graffiti eine Kunstform sei, mit der sich immer mehr junge Leute heute ausdrücken. Die Idee, dass Jugendliche und junge Erwachsene an einer eigens dafür vorgesehenen Wand kreativ werden können, sei reizvoll. Ganz so optimistisch war Andreas Hahn (Bündnis 90/Die Grünen) in der jüngsten Stadtratssitzung nicht. Seine Partei sehe die Installation einer Graffiti-Wand im Flora-Park eher kritisch, gab er zu Protokoll. „Das Umfeld der Skateranlage ist dafür nicht besonders gut geeignet.“ Eine Betonmauer wirke an dieser Stelle wie ein Fremdkörper und konterkariere zudem die Planungen der Flora-Westfalica-GmbH zur Weiterentwicklung des Geländes.

Zudem befürchtete Hahn, dass durch eine Graffiti-Wand kein zusätzlicher Blickfang in dem ehemaligen Landesgartenschau-Gelände entstehen werde, sondern vielmehr ein „chaotisches Sammelsurium von Einzelaktionen“. Sein Fraktionskollege Volker Brüggenjürgen sah eine weitere Gefahr: „Wir haben vor einigen Jahren viel Geld in die Hand genommen, um den Aquatunnel graffitifrei zu bekommen.“ Wenn man nun in direkter Nachbarschaft eine Wand aufstelle, die zum Sprühen regelrecht einlade, könne das unerwünschte Nebenwirkungen haben: Es stehe zu befürchten, dass die von der FDP vorgeschlagenen Wand angelockten Sprüher sich auch an anderen Bauwerken im Park wie dem Aquatunnel austoben könnten.

Move: „Gut angelegtes Geld“

Detlev Nacke (Move) sah in der Errichtung einer Graffiti-Wand nicht zuletzt die Möglichkeit, „dass sich gerade auch junge Leute, die nicht so künstlerisch begabt sind, dort austoben können“. Wenn viele der illegal im Stadtgebiet an Häusern und anderen Bauwerken aufgebrachten Sprühereien künftig an der von der FDP vorgeschlagenen Mauer ihren Niederschlag fänden, seien die Kosten für die Installation gut angelegtes Geld. Nacke erinnerte daran, dass für die Beseitigung von unerwünschten Sprühereien jeweils mehrere hundert Euro einkalkuliert werden müssten.

Alwin Wedler (Grüne) regte in der Stadtratssitzung an, nach Alternativen zu suchen. Er fragte, ob die ohnehin geplante, etwa 50 Meter lange Lärmschutzwand im Umfeld der Spielerei nicht für Graffitikünstler freigegeben werden könne. Sein Fraktionskollege Andreas Hahn brachte ein Street-Art-Festival ins Gespräch, während dem auf mobilen Wänden nach Herzenslust gesprüht werden könnte.

Flora-Aufsichtsrat äußert sich kritisch

Der Stadtrat beauftragte die Verwaltung einstimmig, nach Alternativen zu der von der FDP beantragten Graffiti-Wand zu suchen. Dabei solle es nicht nur um andere Standorte, sondern auch um möglicherweise geeignetere Konzepte gehen. Der Beschluss wurde auch vor dem Hintergrund getroffen, dass sich der Aufsichtsrat der Flora Westfalica zuvor eher kritisch zu dem Vorstoß der FDP geäußert hatte.

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