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Rheda-Wiedenbrück

Auf unkonventionellen Wegen ans Ziel

Rheda-Wiedenbrück (sud) - Laura Heuschneider geht bei der Gestaltung von Plätzen und Parks gern unkonventionelle Wege. „Grünkohl ist ein total schöner Frühlingsblüher“, sagt die Landschaftsarchitektin. Für ihren Mut, Neues zu wagen, ist sie jetzt mit einer besonderen Auszeichnung bedacht worden.

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Die selbstständige Landschaftsplanerin aus Wiedenbrück ist eine von 20 Vertreterinnen ihres Berufsstands, denen das Museum der Baukultur Nordrhein-Westfalen seit Mittwoch eine Ausstellung widmet. In Düsseldorf ist noch bis zum 2. Oktober eine Auswahl von Arbeiten bedeutender Architektinnen der Gegenwart zu sehen – darunter auch von Laura Heuschneider. „Ich bin stolz, dabei zu sein“, sagt die Wiedenbrückerin. Denn die Ausstellungsorganisatoren seien von selbst auf sie und ihre Arbeiten aufmerksam geworden. „Man konnte sich nicht bewerben.“ Insofern sei es eine besondere Anerkennung, dass ihr wenige Jahre nach der Gründung eines eigenen Büros eine solche Ehre zuteil werde.

Frauen in einstiger Männerdomäne

Frauen sind im Architekturberuf bis heute unterrepräsentiert. Und das, obschon die ersten von ihnen bereits vor mehr als 100 Jahren in der einstigen Männerdomäne Fuß fassten und sich behaupteten. Auch wenn es heute zunehmend mehr Architektinnen in leitenden Positionen etwa als Baudezernentinnen und Hochschullehrerinnen gibt: Mit gerade mal 31 Prozent des aktiven Berufsstands sind Frauen in der Branche immer noch eher die Ausnahme. Genau hier setzt die Ausstellung im Haus der Architekten in Düsseldorf an: 20 Frauen, die als Stadtplanerinnen, Landschaftsgestalterinnen oder Erbauerinnen prestigeträchtiger Hochhäuser ihren Mann stehen, sollen in den Fokus gerückt werden. Flankiert wird die Ausstellung von Führungen und Fachvorträgen, zu denen sich jeder anmelden kann.

Aber warum gibt es vergleichsweise wenige Architektinnen? „Es ist nicht immer einfach, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen“, sagt Laura Heuschneider. Gerade in der Selbstständigkeit erfordere das ein Höchstmaß an vorausschauendem Denken. „Aber dann geht es.“ In ihrem Büro an der Heinrich-Püts-Straße in Wiedenbrück, das sie gemeinsam mit Elmar Pröbsting betreibt, habe man von Anfang an darauf geachtet, „alle Abläufe so zu takten, dass wir unsere Aufgaben in den regulären Arbeitszeiten schaffen“. Das sei in der Branche nicht üblich, denn gerade bei langfristig angelegten Projekten trage vor allem das Ende die Last. „Auf den letzten Metern versucht man oft noch einmal, alles herauszuholen“, erläutert Laura Heuschneider.

Kreativität zahlt sich aus

Die Wiedenbrückerin ist aber nur indirekt für die gute Organisationsstruktur ihres Unternehmens ausgezeichnet worden. „Natürlich bedingt eins das andere“, sagt sie. „Im Mittelpunkt der Juryentscheidung standen jedoch unsere Arbeiten.“ Und deshalb nehme sie die Ehrung stellvertretend für das aus sechs Frauen und zwei Männern bestehende Kreativteam entgegen. Denn kein Entwurf sei das Werk eines Einzelnen. „Wir sind davon überzeugt, dass wir gemeinsam bessere Ergebnisse erzielen“, sagt Laura Heuschneider. Deshalb denke und plane man stets als Kollektiv. „Unterschiedliche Herangehensweisen sind in unserer Branche durch nichts zu ersetzen.“

Plätze sollen Geschichten erzählen

Plätze sollen Geschichten erzählen, einen eigenen Charakter bekommen und um Himmels Willen nicht austauschbar und damit beliebig sein: Das ist der erklärte Ansatz von Laura Heuschneider und ihrem Team, wenn es um die Gestaltung öffentlicher Grünflächen, zentraler Innenstadtbereiche oder auch Beiträgen für Landes- oder Bundesgartenschauen geht. „Die Menschen, die die von uns gestalteten Flächen aufsuchen, sollen sich bestenfalls selbst vergessen und einfach nur den Moment genießen“, sagt sie. „Wenn die Leute dann vielleicht noch ein Foto schießen, um sich an den schönen Augenblick in einem von uns gestalteten Areal zu erinnern, ist das der größte Lohn, den man sich als Landschaftsarchitektin vorstellen kann“, sagt die Mutter dreier Kinder im Alter von 13 bis 18 Jahren.

Fußabdruck im Flora-Park hinterlassen

Seinen Fußabdruck hinterlassen hat das Büro übrigens auch im Flora-Westfalica-Park: Die Umgestaltung des Bereichs Mittelhegge und die neue Skateranlage tragen die Handschrift von Laura Heuschneider und ihrem Team. „Hier war unser Anspruch, dass sich die neuen Bereiche in die gewachsene Parkstruktur einfügen und nicht als Fremdkörper wahrgenommen werden“, sagt die Landschaftsarchitektin. Fest steht für sie nach der jüngsten Auszeichnung allemal: Es soll weiterhin kreativ weitergehen.

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