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Rheda-Wiedenbrück

Corona-Entwarnung im Fleischwerk Tönnies

Rheda-Wiedenbrück (sud) - Entwarnung für Rheda-Wiedenbrück und den gesamten Kreis Gütersloh: Am Stammsitz von Deutschlands größtem Fleischkonzern Tönnies gibt es aktuell keine bestätigte Corona-Infektion. Alle 784 bislang ausgewerteten Mitarbeiterproben sind negativ ausgefallen.

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Damit rückt das Szenario eines zweiten, lokal begrenzten Lockdowns in weite Ferne. Die Gefahr, dass sich in Rheda-Wiedenbrück ebenso wie am Westfleisch-Standort in Coesfeld ein neuer Corona-Schwerpunkt bildet, scheint gebannt. Das hätte schlimmstenfalls zu erneuten weitreichenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens in der Doppelstadt an der Ems geführt.

784 Proben bislang ausgewertet

Insgesamt wurden am Montag und Dienstag 2096 Mitarbeiter der Unternehmensgruppe Tönnies am Standort in Rheda auf Corona getestet. Weil die Kapazitäten der vom Kreis Gütersloh beauftragten Labore jedoch begrenzt sind, konnten bis Mittwochnachmittag erst 784 Proben ausgewertet werden.

Die Corona-Tests im Tönnies-Stammwerk in Rheda sowie den dort ansässigen Tochterfirmen mit insgesamt 7694 Beschäftigten sollen spätestens Anfang kommender Woche abgeschlossen sein. Das erklärte der Leiter der Tönnies-Stabstelle Pandemie, Dr. Gereon Schulze Althoff, am Mittwoch gegenüber Medienvertretern. Mit weiteren Ergebnissen rechne man im Verlauf der nächsten Tage. Dabei sei nicht auszuschließen, dass bei einigen Mitarbeitern doch das Coronavirus nachgewiesen werde, sagte Schulze Althoff. Zugleich betonte er aber auch: „Die bislang vorliegenden Befunde bestätigen, dass wir keine Covid-19-Großlage wie in anderen Landkreisen haben.“ Der Negativbefund bei Tönnies in Rheda belege zudem, dass die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland nicht im Zusammenhang mit der Fleischbranche oder dem System der Werkvertragsarbeit stehe.

Tönnies wundert sich über Minister-Kritik

Konzernchef Clemens Tönnies betonte in diesem Zusammenhang, dass das Schlacht- und Zerlegegewerbe durch Äußerungen unter anderem von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) zu unrecht unter Generalverdacht gestellt werde. „Die politischen Stellungnahmen der vergangenen Tage sind für mich verwunderlich, schließlich halten wir uns an Recht und Gesetz“, sagte Tönnies. Minister Laumann hatte die Fleischbranche scharf angegriffen, von „erheblichen Mängeln“ und einem „Sumpf“, den es auszutrocknen gelte, gesprochen.

Parallel zu den Corona-Reihentests bei Tönnies ist in der Doppelstadt an der Ems am Montag die Kontrolle der Werkvertragsarbeiterunterkünfte durch die Bezirksregierung Detmold gestartet. Etwa 280 Unterkünfte seien überprüft worden, bestätigte am Mittwoch Bürgermeister Theo Mettenborg gegenüber dieser Zeitung.

277 Unterkünfte kontrolliert

Die Stadtverwaltung hat der Bezirksregierung bei der Wohnraumkontrolle Amtshilfe geleistet. Am Montag sei die Detmolder Behörde mit acht Mitarbeitern vor Ort gewesen, um insbesondere die Einhalt der Hygiene- und Abstandsbestimmungen in den Unterkünften für die zumeist osteuropäischen Werkvertragsarbeiter zu überprüfen, sagte Mettenborg. „Am Dienstag wurde die Beamtenzahl auf elf aufgestockt.“ Im Rahmen der Amtshilfe hätten sie zehn Mitarbeiter aus den städtischen Fachbereichen Sicherheit, Ordnung und Soziales unterstützt. Bei den 277 aufgesuchten Wohnobjekten – darunter Wohnungen, Ein-, Mehrfamilien- und Hochhäuser – seien keine wesentlichen Beanstandungen festgestellt worden, sagte Mettenborg. Nach dem am Mittwoch vorgelegten Corona-Testergebnissen bei Tönnies sei ein zweiter, lokal begrenzter Lockdown – also das weitgehende Zurückfahren des öffentlichen Lebens – in der Emskommune unwahrscheinlich, sagte der Rathauschef.

Zweiter Lockdown unwahrscheinlich

In der Tat: Rheda-Wiedenbrück liegt ebenso wie der Rest des Kreises Gütersloh unter dem von Land und Bund als bedenklich angesehenen Ausbruchsgeschehen von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern. Welche Schutzmaßnahmen in einem solchen nun für Rheda-Wiedenbrück eher hypothetischen Fall erforderlich wären, müsse angesichts der konkreten Situation vor Ort entschieden werden, teilte das Landesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales auf Nachfrage mit. „Denkbar sind objektbezogene oder flächige Untersuchungen, Betriebsschließungen, lokale Verhaltensregeln oder in letzter Konsequenz Schließungen von Infrastruktur.“

In Rheda-Wiedenbrück stehen die Zeichen indes auf Entwarnung. Wobei: Die Analyse der Corona-Reihentests bei Tönnies ist noch nicht beendet. Elf Mitarbeiter des Kreisrettungsdiensts sowie 14 ehrenamtliche Helfer von Deutschem Roten Kreuz und Maltesern sind nach Auskunft der Kreisverwaltung mit der Abstrichentnahme unter ärztlicher Aufsicht betraut. „Die Proben werden anschließend in das amtlich tätige Chemische und Veterinäruntersuchungsamt nach Detmold und ein weiteres vom Kreis beauftragtes Labor verbracht und dort untersucht“, teilte die Behörde mit.

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