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200 Flüchtlinge kommen am Dienstag nach Wiedenbrück – Bürgermeister berichtet über die Vorbereitungen

»Das ist keine Krise, wir begrüßen Gäste«

Rheda-Wiedenbrück (WB). Für Dienstagabend sind 200 Flüchtlinge angekündigt. Woher, in welcher Aufteilung? Das ist unbekannt. Fest steht nur: Es sind Kriegsflüchtlinge aus Krisenländern, die auf teils lebensgefährliche Weise Europa erreicht haben. »Warm, satt, trocken und sicher«, so benennen die Verantwortlichen des DRK die wichtigsten Aufgaben für den Aufnahmetag.

Unterkunft für bis zu 200 Menschen gibt ab Dienstag die Turnhalle an der Osterrath-Realschule in Wiedenbrück. Die Halle selbst wird zum Massenschlafsaal, im Geräteraum soll ein Aufenthalts- und Speisenbereich Platz finden. Foto: Stefan Lind

Die Kinder, Frauen und Männer kommen in der Turnhalle der Osterrath-Realschule unter. Dies sei momentan die einzig praktikable Lösung, wie Bürgermeister Theo Mettenborg am Samstag versicherte. Er wie auch die Vertreter der Kreispolizeibehörde machten bei einem Pressetermin vor Ort deutlich: »Uns sind Berge von Steinen vom Herzen gepoltert als wir die Zusage des DRK bekommen haben.« Die bekannt unermüdliche Hilfsbereitschaft, die qualifizierte Ausbildung und die mittlerweile bei anderen Notaufnahmelagern im Kreis gesammelten Erfahrungen machten das Rote Kreuz zu einem verlässlichen Partner in der Bewältigung einer Aufgabe, von der die Stadt vor einer Woche noch gar nichts wusste.

Mettenborg: »Am Dientagmittag rief mich die Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl persönlich an und gab das Amtshilfeersuchen des Landes weiter. Ab sofort seien auch mittlere Kommunen in der Pflicht.« Noch am gleichen Nachmittag tagte ein erster Krisenstab, wobei dem Bürgermeister und seinen Amtsleitern wichtig ist: »Wir haben hier keine Krise, sondern wir begrüßen Gäste in unserer Stadt.«

Weitere Einrichtungen in Lemgo, Bad Oeynhausen und Bünde

Am Abend war die Runde schon um DRK-Kreisgeschäftsführer Günter Göpfert, Vertreter von Polizei und Feuerwehr erweitert, am nächsten Morgen tagte man in einer Runde aller in den kommenden Wochen Beteiligten. Vier Kommunen wurden in Kenntnis gesetzt, Lemgo, Bad Oeynhausen und Bünde gehören wie Rheda-Wiedenbrück zu denen, die gehalten sind, umgehend Plätze einzurichten.

Aufgrund ihrer Bauweise und der Auslegung auf einen Einsatz bei Notfällen habe man die Sporthalle in Wiedenbrück ausgewählt und bei der Schulleitung großes Verständnis gefunden, sagte der Bürgermeister. Für Vereine (»Es kann auch sein, dass dann mal ein Ligaspiel ausfallen muss«) und Sportunterricht arbeite man derzeit an Ersatzlösungen. Und das wohl für einen längeren Zeitraum. »Eigentlich sollen wir bis 30. September die Auffangeinrichtung betreiben, aber wir gehen schon davon aus, dass es bis zum 31. Dezember gehen wird.«

Betreuung und Versorgung erfordert enorme Logistik

Die Flüchtlinge, die direkt aus den Grenzregionen gebracht werden und von denen niemand Alter oder Gesundheitszustand weiß, werden bei der Ankunft einem ersten medizinischen Check unterzogen. Dafür hat das DRK einen Arzt, dafür haben sich auch niedergelassene Ärzte schon als freiwillige Helfer gemeldet, so dass am Dienstag gleich fünf vor Ort sein werden.

Die Betreuung und Versorgung von bis zu 200 Menschen erfordert eine enorme Logistik und damit enorm viele Helfer. Die Ehrenamtler sind ebenso dabei wie 48 Hauptamtler kreisweit, die das DRK eigens eingestellt hat. Das DRK ist mit zwei Schichten vor Ort, acht Helfer werden ergänzt um zwei Caterer und drei Personen aus dem Sicherheitsdienst.Gesucht werden noch Dolmetscher, nicht nur für arabische Sprachen, sondern auch für englisch und französisch.

Bettenaufbau im Akkord: Etwa 30 bis 40 Sekunden brauchen Alexander Steinberg, Kai Zimmermeier und Holger Geistmeier pro Schlafstelle Foto:

Auch die Polizei wird rund um die Uhr präsent sein, »um den Flüchtlingen ein hohes Sicherheitsgefühl zu geben«, so die Vertreter der Polizeibehörde. Die Stadtverwaltung wird aus den Fachabteilungen heraus ebenfalls in der Sporthalle sein. Wie das Neben- und Miteinander von Schulbetrieb und Flüchtlingen abläuft, das weiß noch niemand voraus zu sehen. Sollte es Komplikationen geben, werden man sofort reagieren, so Mettenborg. Für ihn ist wichtig: »Keiner muss sich Sorgen machen. Wir werden das Nebenein­anderleben schaffen.«

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