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Rheda

Einsatz mit Pinsel und Spezialsauger im Domhof Rheda

Rheda

Das Fachwerkgebäude aus dem frühen 17. Jahrhundert wurde einer umfassenden Schönheitskur unterzogen.

Befreiten die Decke im Saal des denkmalgeschützten Rhedaer Domhofs mit Pinsel und Spezialsauger von Staub und Spinnweben: Restaurator Rudolf Geburzny und Praktikantin Smilla Lehmann. Jetzt erstrahlt die farbenfroh verzierte Decke wieder in neuem Glanz.

Rheda-Wiedenbrück (gl) - Eberhard Huck war kein armer Mann. Er stand im Rheda des frühen 17. Jahrhunderts als Richter und Rentmeister in fürstlichen Diensten. Als Zeichen seines Wohlstands ließ er im Jahr 1616 nahe der Ems ein stattliches Wohn- und Wirtschaftsgebäude errichten. Dabei handelt es sich um den heutigen Domhof. Jetzt ist unter anderem die Decke im Saal saniert worden.

Beliebter Veranstaltungsort befindet sich in kommunalem Besitz

Das in städtischem Besitz befindliche Haus ist ein beliebter Veranstaltungsort. Unter seinem Dach haben der Heimatverein Rheda mit Archiv und Bibliothek, der Domhof-Förderverein und die Altstadtinitiative ihr Zuhause. Mehr als drei Jahrzehnte nach seiner letzten umfassenden Renovierung war der denkmalgeschützte Domhof in die Jahre gekommen. „Das Haus befand sich zuletzt in einem schlechten Zustand“, sagt Klaus Landwehr, Denkmalpfleger in städtischen Diensten.

Es wurde also dringend Zeit für eine Schönheitskur. „Ein Außenständer musste ausgebessert werden. Die Giebelverbreitung war abgängig. Drei von vier Außenseiten waren renovierungsbedürftig, und auch die Elektroinstallationen entsprachen nicht mehr dem aktuellen Sicherheitsstandard.“

Die Stadt rechnete im Vorfeld der Maßnahme mit Kosten in Höhe von 200 000 Euro. „Daraufhin haben wir einen Förderantrag an die zuständige Denkmalbehörde gestellt“, berichtet Ingrid Blienert vom Immobilienmanagement im Rhedaer Rathaus. Maximal 41 000 Euro seien dort in Aussicht gestellt worden. Auf den Rest der Summe blieb die Stadt sitzen.

Bemalter Decke gilt das besondere Augenmerk der Restauratoren

Ein besonderes Augenmerk legten die Restauratoren während der inzwischen abgeschlossenen Maßnahme auf die Decke im großen Saal. Der einst von einem offenen Kamin beheizte 56 Quadratmeter große Raum ist einer von vier Trauorten in der Stadt Rheda-Wiedenbrück.

Abgeschlossen ist die Sanierung des Domhofs, in deren Rahmen auch die Fassaden ausgebessert wurden.Der Sohn des Erbauers ließ die Decke des Saals im Jahr 1663 mit ölhaltigen Temperafarben kunstvoll bemalen. Durch das spätere Abhängen – wohl aus Gründen einer besseren Beheizung des Raumes – blieb sie danach für lange Zeit verborgen. Zum Vorschein kam sie erst mit der Renovierung des Hauses im Jahr 1988.

„Wohl deswegen hat die Decke so lange überlebt, befinden sich die Malereien noch in einem so guten Zustand“, sagt Rudolf Geburzny. Der gelernte Restaurator von der Geseker Firma Wibbecke Denkmalpflege hat die Decke – also Oberflächen und Balkenritzen – in zweitägiger Arbeit rein mechanisch mit Pinsel und Spezialsauger von Staub und Spinnweben gereinigt und auch auf Schäden durch den Holzwurm untersucht.

Prozedur muss alle acht Jahre wiederholt werden

Diese Prozedur ist etwa alle sieben bis acht Jahre notwendig, um den Zustand der Decke zu erhalten. Und die hat es nach den Worten von Geburzny allemal verdient. „Eine bemalte Tafeldecke dieser Art ist weit und breit einzigartig. Sie findet sich in Ostwestfalen-Lippe und wohl auch darüber hinaus kein zweites Mal“, sagt er.

Auf den dicken tragenden Eichenbalken und deren Zwischenräumen sind viele unterschiedliche Motive zu sehen, kleinformatige Ornamente ebenso wie Bilder von Tieren und Pflanzen. Was besonders ins Auge sticht und möglicherweise einen regionalen Bezug haben könnte: eine großformatige (Lippische?) Rose und das Bild von einem Pfauenvogel, der einer Legende nach in der Paderborner Geschichte eine wichtige Rolle spielt. Auch zwei Totenschädel mit gekreuzten Knochen sind gut erkennbar. Rudolf Geburzny: „Das ist ein Memento Mori. Es will uns sagen ‚Bedenke, dass du sterblich bist‘.“

Um den guten Zustand der Decke zu erhalten, setzt die Stadt künftig auch auf den Einsatz moderner Technik aus dem 21. Jahrhundert: Klimageräte sollen den Feuchtigkeitsgehalt und die Wärme im Raum regulieren, neue Beleuchtungskörper sollen Schäden verhindern und die Malereien stattdessen optisch noch besser zur Geltung bringen, informiert die Stadtverwaltung über ihre weiteren Pläne in Sachen Domhof.

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