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Rheda-Wiedenbrück

Ermittlungen gegen Schweinemastbetrieb

Rheda-Wiedenbrück (dpa) - Vor Kurzem hat das Deutsche Tierschutzbüro Bildmaterial aus einem Tönnies-Zulieferbetrieb in Rheda-Wiedenbrück veröffentlicht. Die Aufnahmen zeigten katastrophale Zustände in einer Schweinemast, in der 1000 Tiere gehalten werden. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

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Viele der Schweine litten an Verletzungen, die ganz offensichtlich nicht behandelt wurden. "Unzählige Schwänze und Ohren waren blutig gebissen, hier hätte der Mäster einschreiten müssen, dies tat er aber nicht", kritisiert Denise Weber, Pressesprecherin vom Deutschen Tierschutzbüro.

Schockierende Bilder

In einer Szene auf dem Video sieht man ein hervorstehendes, blutiges und stark geschwollenes Auge, das Schwein ist vermutlich auf diesem Auge erblindet. In einer anderen Szene sieht man einen unbehandelten, tennisballgroßen Abszess an einem Ohr. "Solche gravierenden Verletzungen und Entzündungen passieren nicht über Nacht, hier scheint der Mäster seiner Fürsorge und Verantwortung nicht nachgekommen zu sein", sagt Weber. Das habe sich auch an den hygienischen Zuständen gezeigt, in einigen Bereichen der Mastanlage drückte die Gülle durch die Spaltenböden nach oben.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch der pensionierte Universitätsprofessor Dr. Siegfried Ueberschär in einem Kurz-Gutachten. Er sieht dringend Handlungsbedarf und den Tatvorwurf der Tierquälerei erfüllt.

Behörden liegt Rohmaterial vor

"Entgegen der Behauptungen des Schweinemästers stammen alle Aufnahmen aus dem Betrieb und sie sind auch nicht in der sogenannten Krankenbucht entstanden", sagt Denise Weber. Sie verweist dabei auf das ungeschnittene Rohmaterial mit Ortsangabe durch ein GPS-Gerät und den Datumsbeleg durch eine im Film zu sehende Tageszeitung. Das komplette Material liege dem Veterinäramt Gütersloh und der Staatsanwaltschaft Bielefeld vor.

Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat nach Angaben des Tierschutzbüros inzwischen Ermittlungen gegen den Betreiber wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz aufgenommen (Aktenzeichen: 756 Js 1187/20). Der Betreiber müsse laut Tierschutzgesetz mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe von bis zu 25.000 Euro rechnen, heißt es in einer Mitteilung der Organisation.

Auch das Veterinäramt wurde nach Darstellung der Tierschützer aktiv. Auskünfte erteilte der Kreis am Dienstag mit Verweis auf die Staatsanwaltschaft nicht. Dort war jedoch keine Stellungnahme zu erhalten, weil der zuständige Sachbearbeiter nicht im Dienst war.

Tönnies: Bislang keine Auffälligkeiten

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatten Vertreter der Firma Tönnies den Betrieb in Augenschein genommen. Dazu teilte Dr. Wilhelm Jäger, Leiter der Stabstelle Landwirtschaft bei Tönnies, seinerzeit mit: „Es gab Erkrankungen bei den Ferkeln mit Ohrnekrosen. Der betreuende Tierarzt hatte bereits entsprechende Maßnahmen zur Behandlung eingeleitet. Das Tier auf den veröffentlichten Fotos war auf einer dafür vorgesehenen Krankenbucht getrennt. Es ist inzwischen durch den Tierarzt notgetötet worden.“ Die bisher von dem Familienbetrieb angelieferten Tiere hätten keine Auffälligkeiten gezeigt.

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