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Rheda-Wiedenbrück

Frohe Botschaft kommt vor Heiligabend

Rheda-Wiedenbrück (dali) - Eine frohe Botschaft haben die Bewohner des St.-Elisabeth-Seniorenheims vor Heiligabend erhalten. „Wir sind coronafrei“, übermittelte Leiter Sebastian Hinzmann die Nachricht vom nicht mehr infektiösen Testergebnis der letzten Bewohnerin, bei der das Virus nachweisbar war.

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„Das ist eine große Erleichterung für alle Bewohner, ihre Angehörigen und für unsere Pflegekräfte“, frohlockte Sebastian Hinzmann und mochte nicht darüber nachdenken, dass die Quarantäne beinahe über die Festtage bestehen geblieben wäre. Fünf Wochen lang hing Covid-19 wie ein Damoklesschwert über der Senioreneinrichtung in Rheda, in der insgesamt 108 Männer und Frauen leben. Nach einem Corona-Ausbruch wurden insgesamt 20 Bewohner und 17 Mitarbeiter positiv getestet. Zwei Erkrankte verstarben, drei weitere mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Schreck sitzt tief

Trotzdem habe man noch Glück gehabt, dass das Virus nur in einer von drei Wohneinheiten aufgetreten sei, erklärt Hinzmann: „Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn es sich im ganzen Haus verbreitet hätte.“ Der Schreck saß deshalb tief bei den Mitarbeitern, die sich unter erschwerten Bedingungen und in schweißtreibender Schutzausrüstung um die Menschen kümmern müssen. Die Bewohner selbst seien in vielen Dingen deutlich robuster, als man denke, hat der 38-Jährige festgestellt. „Viele haben noch den Krieg erlebt und sagen: Wir haben schon ganz andere Dinge überstanden, das schaffen wir auch noch.“

Feine Speisen und edle Tropfen

Die frohe Kunde wird jetzt gebührend gefeiert. So werden an Heiligabend zwei Köche vom Abraham ein Drei-Gänge-Menü für die Senioren zaubern. Die zu den feinen Speisen passenden Getränke wurden bei der Weinhandlung Ost bestellt. „Viele Bewohner bekommen weniger Besuche als sonst“, sagt Hinzmann. „Deshalb haben wir gedacht, dass wir ihnen nach einem nicht so schönen Jahr eine kleine Freude bereiten wollen.“ Finanziert wird der Festschmaus übrigens zu 90 Prozent aus einem weihnachtlichen Fonds des Erzbistums Paderborn. „Wir wollten, dass uns heimische Unternehmen beliefern“, ergänzt Hinzmann. „So unterstützen wir sie in dieser schwierigen Zeit und beide Seiten haben etwas davon.“

Den 16. November diesen Jahres, ein Montag, wird Sebastian Hinzmann so schnell nicht vergessen. An dem Tag begann der Corona-Ausbruch in dem St.-Elisabeth-Seniorenheim in Rheda. Über das Wie und Warum herrscht immer noch Rätselraten, insbesondere darüber, warum nur eine von drei Wohneinheiten betroffen war.

Gute Kooperation mit Gesundheitsamt

„Ein Bewohner hatte Symptome gezeigt. Ein Schnelltest zeigte aber ein negatives Ergebnis“, erinnert sich Hinzmann. Im Laufe des Tages verschlechterte sich der Zustand des ersten Coronapatienten in der Senioreneinrichtung dramatisch. „Abends musste er dann ins Krankenhaus eingeliefert werden.“ Als am nächsten Tag weitere Schnelltests durchgeführt wurden, fielen von fünf Proben vier positiv auf das Coronavirus aus. Eine erste Reihentestung ergab, dass sich 19 Bewohner und 13 Mitarbeiter angesteckt hatten. Aber: Alle Infizierten stammten aus nur einem Wohnbereich.

„Habe ich das Virus erst einmal im Haus drin, hat es dort sehr lange Nachwirkungen“, erklärt Hinzmann. Der 38-jährige Heimleiter lobt in diesem Zusammenhang die Kooperation mit dem Kreisgesundheitsamt. Mit dem dort zusamengestellten Corona-Spezialteam habe es praktisch eine Standleitung gegeben, so Hinzmann: „Oft haben wir gefühlt alle fünf Minuten miteinander telefoniert.“

„Man überlegt sich jeden Kontakt dreimal“

Aber auch vor der Leistung seiner Angestellten zieht der neue Heimleiter, der erst im August seine Stelle angetreten hat, seinen Hut. „Sie hatten eine doppelte Belastung mit weniger Arbeitskräften zu bewältigen.“ Das Personal konnte er nicht einfach nach Bedarf zwischen den Wohnbereichen verschieben, weil die Hygienebestimmungen eine strenge Trennung vorsahen. „Persönlich war für mich das Schwierigste, dass ich den Mitarbeitern nicht wirklich helfen konnte“, gibt der 38-Jährige zu. Der Corona-Ausbruch habe auch Auswirkungen auf sein Privatleben gehabt. „Man überlegt sich jeden Kontakt dreimal“, ergänzt Hinzmann. „Im Privaten ist es ein komisches Gefühl, wenn man keine Maske trägt. Dann fehlt einfach irgendwie etwas.“

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