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»Unser Dorf hat Zukunft«: Kommission legt Halt auf dem Hof Voltmann in Lintel ein

Hackschnitzel halten 6000 Puten warm

Rheda-Wiedenbrück (WB). Früher reichte Schönheit, heute muss es nachhaltig sein: Eine etwa 30-köpfige Kommission ist am Montag im Rahmen des Wettbewerbs »Unser Dorf hat Zukunft« durch das Kreisgebiet gefahren, um sich wegweisende Konzepte anzuschauen. Eine Station war der Hof Voltmann in Lintel.

Carsten Borgmeier

Ortsvorsteher Gerhard Stiens (3. von rechts) erläutert am Montagnachmittag das nachhaltige Energie-Konzept auf dem Hof Voltmann in Lintel (Rheda-Wiedenbrück). Foto: Carsten Borgmeier

Dort, in dem ländlich geprägten Stadtteil Rheda-Wiedenbrücks mit etwa 1500 Einwohnern, erfuhren die Gäste, wie mit Hackschnitzeln aus Holzabfällen nicht nur ein Putenstall mit 6000 Tieren, sondern auch zwei jeweils 280 Quadratmeter große Wohnhäuser sowie eine Lagerhalle (550 Quadratmeter) beheizt werden können.

Hinter diesem energie-autarken Konzept steht der Holztechniker Michael Voltmann (38), der mit seinem Bruder Jan (36) den 55 Hektar großen Hof an der Varenseller Straße 220 betreibt. Gemeinsam mit dem Linteler Ortsvorsteher Gerhard Stiens (67) führte Michael Voltmann die Kommission, darunter Vertreter von Bezirksregierung, Kreisverwaltung, Kreislandfrauenverband und der Pro Wirtschaft GmbH, in die moderne Biomasse-Anlage. Die leistet nach Angaben des 38-jährigen Entwicklers 165 Kilowatt und wird im Jahr mit etwa 250 bis 300 Kubikmeter Hackschnitzel »gefüttert«. Die jungen Puten, die im Alter von zehn Wochen angeliefert werden, brauchen eine konstante Raumtemperatur von 20 bis 22 Grad, um sich gut entwickeln zu können, so Michael Voltmann. Die Biomasse-Anlage sei so justiert, dass sie diese Temperaturen konstant halte, auch wenn es draußen kälter oder wärmer sei.

Die Anlage könne auch mit anderer Biomasse – wie beispielsweise Rapsstroh – betrieben werden, »aber der Raps wächst nicht so gut in der Linteler Gegend«, sagte Voltmann. So kaufe der Hof von der Stadt Rheda-Wiedenbrück Holzabfälle an, die beim Grünschnitt anfielen, berichtete Michael Voltmann.

»Wie in allen Wirtschaftsbereichen sollte auch in der Landwirtschaft der Einsatz von Energie effizient und sparsam erfolgen. Dies führt zu Kostensenkungen im Betrieb und leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz«, meinte Voltmann.

Der alle drei Jahre stattfindende Kreiswettbewerb »Unser Dorf hat Zukunft« hieß früher »Unser Dorf soll schöner werden«. Ziel soll es sein, Dorfgemeinschaften mit bis zu 3000 Einwohnern dazu zu motivieren, die Zukunft ihrer Ortschaften verantwortlich und nachhaltig mitzugestalten. Dabei geht es darum, kulturelle, soziale , wirtschaftliche, bauliche oder ökologische Strukturen zu erhalten oder sie fortzuentwickeln. Die Sieger können Geld- und Sachpreise gewinnen. Der Gesamtsieger des Kreiswettbewerbs nimmt am Landeswettbewerb teil.

Die Bewertungskommission hat sich am Montag auch den Dorfplatz in Versmold-Hesselteich, den Kirchplatz in Verl-Varensell, das Küsterhaus am Lattenbusch in St. Vit angesehen. Auch die Ems-Erlebniswelt in Schloß Holte-Stukenbrock sowie der Dorfplatz in Liemke standen auf dem Fahrplan.

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