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Rheda-Wiedenbrück

Hofreiter fordert Ende der Subventionen

Rheda-Wiedenbrück (sbr) - Rückenwind für die heiße Phase des Kommunalwahlkampfs hatten sich die Rheda-Wiedenbrücker Bündnisgrünen von ihrem prominenten Gast versprochen. Aber darauf, dass es so windig wird, hätte die dem luftigen Element ansonsten wohlgesonnene Umweltpartei gerne verzichtet.

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Aufgrund der Witterungslage mussten die Grünen kurzfristig umdisponieren – mit dem Resultat, dass die Gesprächsrunde mit Anton Hofreiter nicht unter freiem Himmel im Florapark, sondern im historischen Wiedenbrücker Rathaus stattfand. Der Rahmen fiel somit zwar kleiner aus als geplant, für den Informationsgehalt galt das aber nicht.

Rückenwind im Kommunalwahlkampf

Den erhofften Rückenwind dürfte die kommunale Basis allemal gespürt haben. Die Akteure vor Ort fühlten sich von dem hochrangigen Politiker, der unter Parteifreunden einfach nur Toni heißt und seit 2013 der grünen Bundestagsfraktion vorsteht, in ihren Zielsetzungen bestärkt.

Dass sich Hofreiter nicht als Lautsprecher versteht, der munter markige Sprüche und Plattitüden zum Besten gibt, wurde rasch bestätigt. Trotzdem stießen die Forderungen der Ortsgrünen, die sie kürzlich öffentlich formuliert hatten, auf Zustimmung des Gasts aus Bayern.

Agrarwende muss kommen

An seinem Bestreben für eine Agrarwende ließ der studierte Biologe keinen Zweifel. „Wir brauchen ein neues System“, bekräftigte er und ging ins Detail: Es gelte, Landwirten eine Perspektive jenseits des ständigen Wachstums zu bieten, indem die Politik etwa Beiträge zum Umwelt- und Tierschutz honoriere. „Öffentliches Geld für öffentliche Leistung“, brachte Hofreiter die grüne Position auf den Punkt. Das Subventionierungssystem für Landwirte gehöre abgeschafft.

Ferner nannte der Spitzenpolitiker für das von seiner Partei geforderte Ende der Massentierhaltung 20 Jahre als realistischen Zeitrahmen. Schließlich müsse umgekehrt werden, was sich über vier Dekaden in die falsche Richtung bewegt habe.

Dezentrale Strukturen schaffen

Wenngleich er weitgehend vermied, die Firma Tönnies explizit zu nennen, verglich Hofreiter das aktuell propagierte System mit der Autoindustrie – nur dass man es nicht mit Metallteilen, sondern mit Lebewesen zu tun habe. Um sowohl das Tierwohl durch eine beträchtliche Verringerung der Transportzeit zu steigern als auch die Position der Landwirte gegenüber den Schlachtbetrieben und Lebensmittelkonzernen zu stärken, sprach sich der Bundestagsabgeordnete für dezentralere Strukturen aus.

Im selben Atemzug machte er darauf aufmerksam, dass die Massentierhaltung multiresistente Bakterien ebenso begünstigen könne wie die Reproduktion von Viren wie Covid-19.

„Überall steckt ein Skandal“

„Von der Futtermittelproduktion bis zur Schlachtung: Egal, wo man in der Kette hinschaut, überall steckt ein Skandal“, machte Anton Hofreiter seine Position deutlich. In diesen Komplex gehört freilich auch die allen voran von den Grünen seit dem Corona-Ausbruch bei Tönnies vehement kritisierte Werkvertragsarbeit.

Volker Brüggenjürgen, Grünen-Fraktionschef im Rheda-Wiedenbrücker Stadtrat und Moderator der Gesprächsrunde, bat den prominenten Parteifreund, im Bundestag alles dafür zu tun, das vorhandene System zum Wohle der zumeist aus Südosteuropa stammenden Arbeitskräfte aufzubrechen. Anton Hofreiter bekräftigte, dass die Wohnsituation zwingend vom Arbeitsvertrag entkoppelt werden müsse.

Lobbyisten entscheiden mit

Im Hinblick auf den von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) eingebrachten Gesetzentwurf, der ein Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in der Fleischbranche vorsieht, meinte Hofreiter: „Es ist ein Riesenproblem, dass die Leute, die von der CDU im Ausschuss sitzen, selbst die Lobby sind. Aber ich glaube nicht, dass die Regierung es sich leisten kann, den Entwurf allzu sehr anzutasten.“

Schon zu Beginn der Gesprächsrunde hatte der Bundespolitiker auf die Bedeutung einer starken Europäischen Union (EU) verwiesen. In einer Zeit, in der es immer weniger echte Demokratien zu geben scheine, müsse man auch vor dem Hintergrund versuchter Einflussnahme von außen in die Staatengemeinschaft investieren, damit sie zusammenrücke und sich nicht weiter spalte. Darin sieht Hofreiter einen Auftrag der nächsten Bundesregierung. Zumal – damit schließt sich der Kreis – die EU-Ebene von zentraler Bedeutung für die Frage sei, wohin sich die Landwirtschaft entwickelt.

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