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Rheda

ICE brettert in Rheda über Steine und Absperrbaken

Rheda

Am Freitagabend ist ein ICE über Steine und eine Absperrbake gebrettert, die Jugendliche in Rheda auf die Gleise gelegt hatten.

Am Freitagabend ist ein ICE über Steine und eine Absperrbake gebrettert, die Jugendliche in Rheda auf die Gleise gelegt hatten.

Rheda-Wiedenbrück (gl) - Am Freitagabend hat ein ICE um 21.45 Uhr auf Höhe der Eisenbahnbrücke Am Frankenbrink in Rheda auf die Gleise gelegte Schottersteine sowie eine Absperrbake aus Kunststoff überfahren. Bei einem außerplanmäßigen Halt im Bahnhof Oelde wurden kurz darauf Schäden an den Laufflächen der vorderen Drehgestelle festgestellt. Der Zug konnte seine Fahrt nach Köln zwar fortsetzen, jedoch nur mit einer verminderten Geschwindigkeit von 120 km/h.

Zwei 14-Jährige erwischt

Nachdem die alarmierten Bundespolizisten weitere aufgelegte Schottersteine von den Gleisen entfernten und die Beweisaufnahme abgeschlossen hatten, stellten sie in unmittelbarer Nähe zum Tatort zwei unverschlossene Fahrräder fest. Die Einsatzkräfte behielten sie aus sicherer Entfernung im Blick und sichteten nur wenige Minuten später zwei Jugendliche.

Als diese die herannahende Streife bemerkten, flüchteten sie mit den Fahrrädern in ein nahegelegenes Waldgebiet, wo sie gestellt wurden. Die beiden 14-Jährigen aus Rheda-Wiedenbrück räumten ein, Gegenstände auf die Gleise gelegt zu haben. Die Bundespolizisten leiteten ein Ermittlungsverfahren wegen des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ein und informierten die Erziehungsberechtigten. 

Gefahr für Leib und Leben

Im Zusammenhang mit diesem Vorfall warnt die Bundespolizei eindringlich: Züge passieren diesen Streckenabschnitt mit einer Geschwindigkeit von bis zu 200 km/h, können nicht ausweichen und haben einen sehr langen Bremsweg. Ein elektrisch betriebener Zug ist bei einem solch hohen Tempo für das menschliche Ohr erst wahrnehmbar, wenn er bereits vorbeifährt.

Neben den Schäden an dem ICE entstanden durch die Streckensperrung von 21.46 bis 22.28 Uhr Verspätungszeiten bei acht Zügen von insgesamt 182 Minuten, heißt es in einer Pressemeldung.

Kein Dummejungenstreich mehr

Solche Aktionen, wie sie die beiden 14-Jährigen am Samstagabend in Rheda unternommen haben, gehören für die Deutsche Bahn (DB) nicht mehr in die Kategorie der Dummejungenstreiche. Immer wieder entdeckt die Bundespolizei auf den Strecken Steine und dergleichen mehr – aber auch Fahrräder und Betonplatten, Betondeckel. Sachschäden an Zügen sind die eine Sache. Schwerer wiegt, dass derjenige, welcher so einen Unfug ausheckt, sich selbst und andere in Lebensgefahr bringt. 

Unfassbar schnell

Denn Züge, gerade ein ICE, nähern sich unfassbar schnell – und häufig sehr leise. Wenn dann noch der Wind ungünstig steht, rauscht das Verkehrsmittel an jemanden vorbei, ohne dass sie oder er es hat kommen hören. Liegt Schnee, absorbiert dieser noch zusätzlich Geräusche. Gleichzeitig macht die Bahn darauf aufmerksam, dass sich ein solcher Koloss kaum rechtzeitig zum Stehen bringen lässt, und schon gar nicht für Ausweichmanöver gemacht ist. Bei einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern komme er erst nach einem Kilometer zum Stehen, heißt es vonseiten der DB. 

Spärliche Beschilderung

Obwohl dort, wo die beiden Rheda-Wiedenbrücker Steine und Absperrbake auf die Gleise legten, eine abgetakelte Betonsteintreppe auf die Eisenbahnbrücke führt und die Beschilderung nur spärlich ist, ist es verboten, die Gleisanlagen zu betreten. Der DB-Konzern appelliert an Eltern, Verkehrserziehung zu betreiben und ihre Sprösslinge ausdrücklich auf die Gefahren hinzuweisen. 

Große Faszination

„Bahnanlagen üben auf junge Menschen oft eine große Faszination aus und wecken die Neugierde“, sagt Hans-Hilmar Rischke, Sicherheitschef der DB. „Jeder Unfall ist einer zu viel, da er zu schwersten Verletzungen bis hin zum Tod führen kann. Auch wenn selbst vermeintlich harmlose Anliegen wie Fotos am Gleis oder die Abkürzung über die Schienen verlockend sowie berechenbar erschienen – „hier droht ernste Gefahr“.

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