1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Rheda-wiedenbrueck
  6. >
  7. Klamauk mit Tiefgang

  8. >

Auftakt zur Kleinkunstreihe »Sixpack«

Klamauk mit Tiefgang

Rheda-Wiedenbrück (WB). Fulminanter Auftakt der Flora Westfalica-Kleinkunstreihe »Sixpack«: Mit der Verpflichtung des Comedy-Duos »Reis against the spülmachine« gelang Programmmacher Sebastian Jerig zum Start der Saison 2019/2020 ein Glücksgriff.

Rainer Stephan

Das Comedy-Duos »Reis against the spülmachine« begeistert. Foto: Rainer Stephan

Die beiden Musik-Komödianten aus Niedersachsen (Heimatorte sind Oldenburg und Buxtehude) boten am Freitagabend im Reethus knapp drei Stunden lang Unterhaltung vom Feinsten. Mit ihrem neuen Programm »Die fitteste Band der Welt«, in dem sie in zwei Halbzeiten bekannte Melodien vieler Genres mit eigenen witzigen Texten unterlegten, begeisterten sie das Rheda-Wiedenbrücker Auditorium. Stehende Ovationen, lautstarke Beifallsbekundungen und Rufe nach einer »Nachspielzeit« von Seiten der 300 Zuschauer waren der verdiente Lohn für den zeitweise ekstatischen Einsatz von Onkel Hanke und Philip Kasburg auf ihren beiden (Akustik-)Gitarren.

Joggingrunde durch die Flora nach Rheda

Dass die zwei 38 und 32 Jahre alten, im Sportdress gekleideten Bühnenkünstler körperlich fit sind und über eine überragende Kondition verfügen, bewiesen sie aber nicht nur bei ihrem Auftritt im Reethus. Auch am nächsten Tag, morgens um 8.30 Uhr, lieferten sie einen Nachweis ihrer Sportlichkeit: Nach einer Nacht im »Ratskeller« und einer Aufwärmphase am Betenden Landmann starteten sie mit Marketing-Managerin und Hanke-Ehefrau Laura zu einer Joggingrunde durch die Flora nach Rheda und zurück. »Das machen wir immer so nach unseren Auftritten. Sonst kriegen wir von den Veranstaltungsorten viel zu wenig mit«, meinte Hanke beim Start der Laufrunde.

Und das Musik-Programm des Abends? Ein unterhaltsamer Mix aus Rap, Hard-Rock, Rock’n Roll, Pop, Schlager, Film-, Kinder- und Volkslied-Melodien mit eigenen Texten. So wird in einem Tee-Potpourri aus dem Beatles-Titel »Yesterday« ein Früchtetee, aus dem Achim Reichel-Refrain »Aloha He« ein Ayurveda-Tee und aus Andrea Bocellis »Time to say good bye« ein »Time to say good Chai«. Weitere Liedaneinanderreihungen haben andere Lebensmittel wie Nudeln oder Früchte zum Thema.

Nicht in jedem Falle hintersinnig, aber immer spaßig

Nicht in jedem Falle hintersinnig, aber immer spaßig sind die Texte von Hanke und Philip, im Hauptberuf Gesamtschulpädagoge und Gitarrenlehrer. Doch die beiden können auch kritische Botschaften unterhaltsam unter ihre Zuhörerschaft streuen. Dass sie zwischendurch immer wieder mal in Trinklieder zum Mitgrölen verfallen, ist ihrem künstlerischen Werdegang geschuldet und damit entschuldbar. Hanke: »Wir sind einst als Musiker und Komödianten in Kneipen und Clubs gestartet und fangen erst jetzt an, auch größere Hallen zu bespielen.«

Dass sie dies mit Erfolg tun, war eine der positiven Erfahrungen des Rheda-Wiedenbrücker Gastspiels. Als das Publikum nach einer »Maracuja«-Parodie auf den Brings-Hit »Halleluja« begeistert klatscht, meinte der immer im Dialog mit den Zuhörern stehende Hanke augenzwinkernd: »Mit diesem Applaus müssen wir erstmal fertig werden.«

Anti-Rassismus-Song »Schrei nach Liebe« zum Finale

Bei allem Klamauk, einem musikalischen Intermezzo auf der Bierflöte und einem Filmmusik-Medley wurde es zum Schluss noch einmal ernst: Vor dem Hintergrund des zunehmenden Populismus in der Welt und dem Erstarken der AfD hierzulande spielten die beiden Künstler – diesmal in der Original-Version und mit einer eindeutigen politischen Ansage gegen Rechts vorweg – den Anti-Rassismus-Song »Schrei nach Liebe« der Punk-Band »Die Ärzte«. Da stellt sich nur noch die Frage, wie sich angesichts dieser Botschaft und eines donnernden Applauses dafür die AfD-Anhänger gefühlt haben müssen, die es auch im Rheda-Wiedenbrücker Publikum gegeben haben dürfte.

Startseite