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Nach Corona-Ausbruch: Forderung nach flächendeckenden Tests

Kreis Gütersloh droht der Lockdown

Rheda-Wiedenbrück (WB). Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies in Rheda-Wiedenbrück drohen den Menschen in der Region massive Einschränkungen. Auch ein Lockdown für den Kreis Gütersloh ist wieder denkbar. „Es geht in diese Richtung“, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Montagabend. Später schränkte er ein, die Maßnahmen müssten verhältnismäßig sein. Die Landesregierung werde am Dienstag weiter beraten.

Oliver Horst

Virustest mit mobilen Teams: Ein Helfer vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) nimmt bei einem Mann einen Abstrich vor. Foto: dpa

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte zuvor erklärt, „weitere Schritte“ zu prüfen, um die Ausbreitung zu verhindern. Unter anderem seien wieder verschärfte Kontaktbeschränkungen denkbar. Laumann sagte indes, Restaurants müssten wohl nicht geschlossen werden. Derweil forderte Thomas Kutschaty, Chef der SPD-Landtagsfraktion strengere Beschränkungen für die Region. So sollten etwa Veranstaltungen abgesagt, Schwimmbäder geschlossen werden.

Doppelerfassungen ausschließen

Die Zahl der positiven Befunde bei Mitarbeitern des Fleischkonzerns ist derweil weiter gestiegen. Der Kreis meldete nach Abschluss der Massentests mit 6650 Proben nun 1553 bestätigte Corona-Fälle. Das entspricht einer Quote von 23 Prozent.

Bei Hausbesuchen der für 14 Tage in Quarantäne geschickten Tönnies-Beschäftigten im Kreis wurden durch 40 mobile Einsatzteams Abstriche auch bei Angehörigen vorgenommen. Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) sprach von weiteren Positivfällen, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Es müssten zunächst Doppelerfassungen ausgeschlossen werden. In der Allgemeinbevölkerung gebe es weiterhin keine erkennbare Häufung von Fällen. Unter 990 akut Infizierten im Kreis seien nur 19 ohne Bezug zu Tönnies.

Derweil wird die Forderung nach flächendeckenden Corona-Tests für Bürger laut. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte einen „kurzen Lockdown mit einem massiven Testaufgebot“, um das Infektionsgeschehen in der Region durch „Stichproben genau einschätzen zu können“.

Testzentrum soll öffnen

Der Kreis Gütersloh und die Kassenärztliche Vereinigung planen für heute die Eröffnung eines Testzentrums als zentrale Anlaufstelle für Bürger, die sich testen lassen wollen. Laschet und Adenauer hatten am Sonntag die Möglichkeit freiwilliger Tests angekündigt. Konzernchef Clemens Tönnies hatte daraufhin eine Übernahme der Kosten durch das Unternehmen zugesagt. Kreissprecher Jan Focken berichtete von Menschen, die am Montag zum Tönnies-Werk in Rheda gekommen seien, um sich testen zu lassen – dort ist dies aber nicht möglich.

Lauterbach warnte derweil vor freiem Reiseverkehr für Bürger aus der Region, weil diese das Virus potentiell verteilen könnten. Es mehren sich auch Fälle, in denen Gastgeber Reisen von Menschen aus dem Kreis Gütersloh stornieren.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) brachte eine Haftung des Tönnies-Konzerns für die Kosten des Corona-Ausbruchs ins Gespräch. Eine zivilrechtliche Haftungsmöglichkeit müsse geprüft werden.

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