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Rheda

Kreuz ist Zeugnis früherer Grabkultur

Rheda

Wiedenbrück (gl) - Ein Grabkreuz der Richtung „Wiedenbrücker Schule“ hat zurück in die Emsstadt gefunden. Die Arbeit hat Künstler Hubert Hartmann efertigt.

Schenkung für das Wiedenbrücker-Schule-Museum: Das Foto zeigt (v. l.) Konrad Bastian, Josef Knoop, Museumsleiterin Christiane Hoffmann, Meinolf Knoop, Heinrich Knoop und Maria Bastian geborene Knoop.

Christiane Hoffmann, Leiterin des Wiedenbrücker-Schule-Museums, wertet sie als ein wichtiges Zeugnis der Erinnerungskultur, das es in dieser Form heute kaum noch vorhanden sei. 1968 nach dem Tod ihres Ehemanns Friedrich Knoop (1901 bis 1968) bestellte dessen Witwe Hedwig (1905 bis 1991) das besagte Grabkreuz bei Hubert Hartmann. Es war wie ein klassisches Kruzifix gestaltet und erhielt als Wetterschutz ein Kupferdach über den hölzernen Kreuzteilen, berichtet die Museumsleiterin.

Holz wird durch Stein verdrängt

Diese Form, die an einen Kinderdrachen erinnere, sei in den 1960er-Jahren ein übliches Gedenkbild gewesen und habe zum Beispiel auch im Wegekreuz am Stadtholz – dort von Anton Mormann ausgeführt und von Otto Nausester auf den Notgeldscheinen 1921 verewigt – Verwendung gefunden. Wenngleich es sich um Eichenholz handelte, seien diese Grabdenkmäler später immer mehr durch Grabsteine verdrängt worden. Da die Figuren, die den leidenden oder den wieder auferstandenen Christus zeigten, ebenfalls aus Holz gewesen seien, habe der Zahn der Zeit an diesen Kulturdenkmälern genagt. Daher sei es nicht verwunderlich, dass diese Zeitzeugnisse in der Begräbniskultur im heimischen Raum und darüber hinaus verschwunden sind, stellt die Museumsleiterin fest und ist umso mehr darüber erfreut, dass die „sehr gut erhaltene“ und von Hubert Hartmann gestaltete Arbeit nun den Weg in das Museum an der Hoetger-Gasse fand. 

Wie sie berichtet, mussten die Kinder der Eheleute Friedrich und Hedwig Knoop das Grabmal ihrer Eltern in Paderborn absehbar auflösen. Die Tochter Maria Bastian, geborene Knoop und ihr Mann Konrad stellten den Kontakt zum Wiedenbrücker-Schule- Museum her und freuten sich, dass es das Kreuz annehmen würde. Auch ihre Brüder Josef, Heinrich und Meinolf sowie der Enkel Götz begrüßten die Idee, so dass sich alle Kinder der Familie vor Ort einfanden, um das Stück dem Haus zu schenken. „Wir konnten schon einige Beispiele der Grabkultur der ,Wiedenbrücker Schule‘ sichern und dieses Grabkreuz steht stellvertretend für viele, die bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg aufgestellt wurden. Das Leiden und die Wiederauferstehung als Hoffnungszeichen sind für die Menschen wichtig gewesen und Holz war im Gegensatz zum Naturstein, das deutlich erschwinglichere Material“, erläutert Kunsthistorikerin Hoffmann.

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