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Vierwöchiger Stillstand nach Corona-Ausbruch bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück

Landwirtschaftsverband: Schlachtstopp kostete Bauern 150 Millionen

Rheda/Bielefeld (WB). Der vierwöchige Stillstand im Schlachthof Tönnies in Rheda hat bei den Schweinehaltern in Deutschland nach Angaben des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes OWL für einen Schaden von mindestens 150 Millionen Euro gesorgt.

Paul Edgar Fels

Symbolbild. Foto: David Inderlied/dpa

„Die finanzielle Einbußen waren erheblich“, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Antonius Tillmann, am Donnerstag in Bielefeld. Die Schweine würden normalerweise bei einem Gewicht zwischen 85 und 103 Kilogramm geschlachtet. Durch die ungewollte Wartezeit seien die Tiere schwerer geworden und hätten daher beim Handel weniger Gewinn abgeworfen. Der Grund dafür: Der Handel setzt auf normierte Größen bei Schnitzel und Kotlett. Das heißt: Ist das Schwein zu dick, sinkt der Verkaufserlös.

Tillmann nennt ein Beispiel: Für ein Ferkel habe er 100 Euro bezahlt; der Verkauf des Schweins schlug bisher mit 200 Euro zu Buche – ein Plus von 100 Euro. Nun aber erhalte er nur 150 Euro. Von diesem Betrag müssten 60 Euro an zusätzlichen Futtertkosten abgezogen werden – macht 90 Euro. „Ich habe also pro Schwein zehn Euro Verlust gemacht“, sagt Tillmann. Insgesamt würden in Deutschland 58 Millionen Schweine geschlachtet. „Bei rund 15 Millionen Schweinen war die Situation jetzt schwierig.“ Allein dies bedeute einen Verlust von 150 Millionen Euro. Allerdings wolle er die Situation nicht überbewerten. „Der Markt geht rauf und runter.“

Viel mehr Sorgen machen sich die Landwirte über den sich abzeichnenden Strukturwandel in der Tierhaltung. Mehr Platz im Stall sei nur möglich, wenn die Züchter pro Tier mehr Geld bekämen. Das Dilemma aber ist: Dafür ist der Verbraucher kaum bereit. Dann gibt es die Klimadebatte. Viele Verbraucher wollen etwa durch Fleischverzicht den CO

-Ausstoß begrenzen. Tillmann gibt zu bedenken: „Ein Flug nach Mallorca verursacht sechs mal mehr CO

als die Einsparung durch Fleischverzicht.“ Die heimischen Bauern stehen vor einer Zeitenwende. Allein aber könnten sie die Last nicht tragen.

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