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Rheda

Mobile Luftfiltergeräte kommen nicht

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Wiedenbrück (kvs) - Die Stadt Rheda-Wiedenbrück wird keine mobilen Filtergeräte für ihre Schulen anschaffen. Die Geräte seien im Betrieb zu laut, heißt es.

Alle 20 Minuten die Fenster aufzureißen, sei das wirkungsvollste Mittel, um die Virenlast in Räumen zu senken, sagen (v. l.) Christian Linzel, Leiter der technischen Abteilung des städtischen Immobilienmanagements, Dr. Ina Epkenhans-Behr, Fachbereichsleiterin Jugend, Bildung und Sport, und Bürgermeister Theo Mettenborg. Ergänzend dazu setzt die Verwaltung auf CO2-Ampeln. Foto:

 „Das ist kein Fake.“ Bürgermeister Theo Mettenborg muss schon fast brüllen, um gegen das Luftfiltergerät in der Mitte des Raums anzukommen. Das kühlschrankgroße Ungetüm eines namhaften Herstellers, eingestellt auf die Erfordernisse eines durchschnittlichen Klassenraums, verursacht ein derartiges Spektakel, dass es jeden Moment abzuheben scheint. Mehr denn je wird vor dem Hintergrund der Pandemie und steigender Infektionszahlen über die Ausstattung von Schulen mit Luftfiltern diskutiert, die – je nach Kategorie der Räume – mit Mitteln von Land und Bund gefördert werden. 

Keine Frage des Gelds

Angesichts dessen und dem lauter werdenden Ruf aus der Lokalpolitik, auch die Rheda-Wiedenbrücker Bildungsstätten aufzurüsten, haben sich in den vergangenen Wochen Verantwortliche im Rathaus intensiv mit dem Thema beschäftigt. Um es kurz zu machen: Luftfilter, wie sie im Augenblick auf dem Markt verfügbar sind, sind in den Augen der Verwaltung kein geeignetes Mittel, um Heranwachsende und Lehrer vor dem Coronavirus zu schützen. Zu viele Gründe sprechen dagegen. Und dabei ist es nicht einmal eine Frage des Geldes, wie Mettenborg betont. Vielmehr herrscht offenbar große Einigkeit darüber, dass ein normaler Unterricht beispielsweise ob der Geräuschkulisse unmöglich würde. Es bleibt also beim Stoß- und Querlüften. Den Vorführeffekt liefert am Mittwoch während eines Pressegesprächs ein Gerät ab, dass in den vergangenen Monaten am Einsteingymnasium in Rheda zum Einsatz gekommen war. 

Ausgehend von einem durchschnittlichen Klassenzimmer mit einem Volumen von 200 Kubikmetern müsste das Gerät 90 Prozent seiner maximalen Leistung abliefern. Auf dieser Stufe bedeutet das eine Lärmemission von 60 Dezibel. Wollte man es leiser haben, müssten weitere Apparate aufgestellt werden. Kostenpunkt je Stück: 4000 Euro. Um auf ein erträgliches Maß zu kommen, wären drei davon erforderlich. Das würde 12 000 Euro für jeden der rund 500 infrage kommenden Räume ausmachen, wobei das Gros davon nicht förderfähig wäre. 

Denn: Das Umweltbundesamt empfiehlt mobile Luftfiltergeräte lediglich bei Räumen, in denen es nur eine eingeschränkte Lüftungsmöglichkeit gibt, beispielsweise, weil die Fenster nur kippbar sind. „Die Bildungsstätten in Rheda-Wiedenbrück erfüllen aber alle einen höheren Standard“, sagt Dr. Ina Epkenhans-Behr, Fachbereichsleiterin Jugend, Bildung und Sport im Rathaus. Außerdem entbinde der Einsatz der Technik grundsätzlich nicht von der Verpflichtung des Landes zum Tragen einer Maske, dem zwingend vorgegebenen Lüften oder zur Einhaltung von Abständen.

Einladung zum Praxiserlebnis

Bis auf eine einzige Ausnahme könne in allen Fach- und Klassenzimmern Rheda-Wiedenbrücks die Auflage des Schulministeriums zum regelmäßigen Lüften erfüllt werden, sagt Bürgermeister Theo Mettenborg. Wenngleich keine Luftfilter zum Einsatz kommen – zumindest nicht solche, die aktuell verfügbar sind – seien alle Unterrichtsräume während der Ferien zumindest mit CO2-Ampeln ausgestattet worden. Sie warnen rechtzeitig vor einer steigenden Belastung. „Nach wie vor ist das zwingend vorgegebene Stoß- und Querlüften alle 20 Minuten die sicherste Maßnahme gegen die infektiösen Aerosolpartikel in der Raumluft“, hält Dr. Ina Epkenhans-Behr, Fachbereichsleiterin Jugend, Bildung und Sport, fest. Man sei der Auffassung, „dass nach heutigem Wissensstand der Nutzen durch den Einsatz der mobilen Filtergeräte in keinem vertretbaren Verhältnis zu dem damit verbundenen Lärm während des Unterrichts steht“. Mettenborg versichert in einem Schreiben an Eltern, dass alle Maßnahmen regelmäßig überprüft und neu bewertet werden. Er bietet ihnen an: „Bitte nutzen Sie mein Angebot zum persönlichen Gespräch und auch die Möglichkeit, sich eine Luftfilteranlage in Betrieb anzuhören.“  

Lärm überschreitet Grenze bei Weitem

Während in anderen ostwestfälischen Kommunen unlängst die Ausstattung von Klassenräumen mit mobilen Luftfiltern angekündigt worden ist, sind Bürgermeister Theo Mettenborg zufolge auch im Rathaus Rheda etliche Gespräche mit Vertretern von Eltern sowie Bildungsstätten sowie einzelnen Schülern geführt worden. Zuletzt hatten am Dienstagabend Stadträte die Gelegenheit, bei einer Praxisvorführung einen akustischen Eindruck von jener Technik zu gewinnen, die von Herstellern als effektives Mittel zur Eindämmung der Corona-Pandemie angepriesen wird. Die Stadtverwaltung hat eigenen Angaben zufolge die am Markt verfügbaren mobilen Luftfiltergeräte „umfassend bewertet und geprüft“. Bei voller Leistung entstehe bei allen Geräten eine hohe Geräuschbelastung, hieß es am Mittwoch während des Pressegesprächs im Rathaus Rheda. „So verursacht der laut Bundesumweltamt für die Luftreinigung empfohlene fünf- bis sechsfache Luftdurchsatz bei allen uns bekannten Geräten einen Lärm, der deutlich über der nach Arbeitsschutz geltenden Grenze von maximal 35 Dezibel im Unterricht liegt,“ berichtete Christian Linzel, Leiter der technischen Abteilung des städtischen Immobilienmanagements.

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