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Gewerkschaft will mit Fleischindustrie nicht mehr weiterverhandeln – Proteste am Tönnies-Stammsitz

NGG: Tarifrunde vorerst gescheitert

Rheda-Wiedenbrück

Die Tarifkommission der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat im Streit um einen Flächentarifvertrag in der Fleischindustrie entschieden, die Verhandlungen vorerst zu beenden. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen, teilte die NGG am Rande von Protesten für höhere Löhne am Freitag bei Marktführer Tönnies in Rheda-Wiedenbrück mit.

wn

Vertreter der Gewerkschaft NGG demonstrieren mit Plakaten vor dem Tönnies-Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück Foto: Friso Gentsch/dpa

„Tönnies, Wiesenhof, Vion, Westfleisch und Co. wollen weiter machen wie bisher – mit Billiglöhnen und massivem Druck auf die Menschen, die in ihren Schlachthöfen und Wurstfabriken arbeiten. Die Verhandlungen sind vorbei, aber die Beschäftigten noch wütender als zuvor“, sagte NGG-Vize Freddy Adjan.

Hintergrund des Streits sind unterbrochene Tarifverhandlungen in der Branche. Ende März waren die Gespräche für rund 160.000 Beschäftigte ohne neuen Verhandlungstermin vorerst gestoppt worden. Während die Gewerkschaft einen dreistufigen Mindestlohntarifvertrag mit einem Einstieg bei 12,50 Euro je Stunde fordert, hatten die Arbeitgeber in der dritten Verhandlungsrunde ab sofort 10,50 Euro angeboten und eine stufenweise Erhöhung bis zum 1. Dezember 2023 auf 12 Euro.

Tönnies will „zurück an den Verhandlungstisch“

In einem weiteren Tarifvertrag sollen nach Angaben der Gewerkschaft Mindestarbeitsbedingungen wie Arbeitszeit, Arbeitszeitkonten, Zuschläge und Urlaub geregelt werden.

Tönnies-Sprecher André Vielstädte erklärte, der Konzern wolle weiterhin „einen flächendeckenden Branchentarifvertrag. Wir wollen zurück an den Verhandlungstisch.“ Die Arbeitgeber böten einen Abschluss mit Lohnsteigerungen von mehr als 10 Prozent und Perspektiven auf Erhöhungen.

Am Standort in Rheda-Wiedenbrück beteiligten sich nur wenige der Tönnies-Mitarbeiter ab 12 Uhr an dem Protest. Die Gewerkschaft hatte sich vor der Einfahrt zur Firmenzentrale positioniert. Um 14 Uhr war Schichtwechsel in Deutschlands größtem Schlachtbetrieb, in dem viele Menschen aus Osteuropa arbeiten. Ähnlich schwach war die Beteiligung an den Protesten vor dem Tönnies-Schlachthof in Weißenfels in Sachsen-Anhalt. Dort hätten sich 40 der mehr als 2000 Mitarbeiter beteiligt, sagte ein NGG-Sprecher. Viele der ausländischen Mitarbeiter fürchteten um ihren Job, wenn sie gegen ihren Arbeitgeber protestierten

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