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Rheda

Niemals Geld oder Daten herausrücken

Rheda

Wiedenbrück (kvs) - Seit einiger Zeit kommt es in Rheda-Wiedenbrück vermehrt zu Schockanrufen. In den meisten Fällen klingelt bei älteren Menschen das Telefon, denen weisgemacht werden soll, dass ein Angehöriger einen Unfall erlitten habe und nun dringend Geld benötigt werde.

Vor allem älteren Menschen soll weisgemacht werden, dass ein naher Angehöriger einen Unfall erlitten habe und nun dringend ein erheblicher Geldbetrag benötigt werde, um die lebensnotwendige medizinische Behandlung einleiten zu können. Foto:

Das Geld werde gebraucht, um die lebensnotwendige medizinische Behandlung des Schwerverletzten einleiten zu können. „Dabei handelt es sich um eine Betrugsmasche“, heißt es unmissverständlich vonseiten der Polizei. Es werde gezielt mit der Sorge von Angehörigen gespielt. Bislang sind bei der Behörde in Gütersloh noch keine Fälle bekannt, bei denen es zu einer Geldübergabe gekommen ist, teilte eine Sprecherin am Mittwoch mit. Die Warnung ergänzen die Beamten um eine Empfehlung: „Informieren sie Angehörige, Freunde und Nachbarn über diese Masche. Machen Sie keine Angaben über verfügbare Geldbeträge am Telefon und beenden Sie diese Gespräche sofort.“ 

Krankenhaus betroffen

Gleichzeitig machte am Dienstag in Sozialen Netzwerken eine Meldung die Runde, wonach sich Anrufer als Mitarbeiter des örtlichen Krankenhauses ausgaben und suggerierten, dass ein Familienangehöriger stationär aufgenommen worden sei und nun eine hohe Geldsumme für Medikamente gezahlt werden müsse. In diesen Fällen war jedoch nicht das St.-Vinzenz-Hospital in Wiedenbrück betroffen, sondern das gleichnamige Haus in Paderborn. Dessen Warnung indes hat generell Gültigkeit: „Bitte gebt dieser Forderung auf keinen Fall nach“, heißt es in einer umgehenden Veröffentlichung bei Facebook, die auch in einer Rheda-Wiedenbrücker Gruppe geteilt wurde. „Wir würden euch niemals am Telefon zu Zahlungen für die Behandlung von euch oder euren Angehörigen auffordern. Seid vorsichtig, auch dann, wenn im Display scheinbar die Telefonnummer des Krankenhauses angezeigt wird. Solltet ihr Opfer eines solchen Anrufs geworden sein, nehmt bitte sofort Kontakt zu der Polizei auf. Bitte teilt den Beitrag und warnt eure Familie, Freunde und Bekannten.“ 

Noch keine Auffälligkeiten

Bei der Katholischen Hospitalvereinigung Ostwestfalen (KHO) mit Sitz in Bielefeld, zu der auch das Hospital in Wiedenbrück zählt, hat man indes noch keine Kenntnis darüber, dass der Name des heimischen St. Vinzenz in irgendeiner weise als Vorwand missbraucht wurde, um besorgten Angehörigen das Ersparte aus der Tasche zu ziehen. Gleichwohl ist man auch dort inzwischen alarmiert.

Mitarbeiterin der Pflegekasse?

Möglicherweise ebenfalls übers Ohr gehauen werden sollte ein Paar aus Rheda-Wiedenbrück, das in den vergangenen Tagen zwei merkwürdige Telefonate entgegennahm. Zunächst meldete sich Ende der vergangenen Woche eine Frau, die sich in sehr schlechtem Deutsch als Mitarbeiterin der Pflegekasse ausgab und darauf aufmerksam machte, dass jährlich 750 Euro für die pflegebedürftige Mutter der Angerufenen abgerufen werden könnten. Da die 80-jährige Mutter tatsächlich eine Pflegestufe hat und sich derzeit im Krankenhaus aufhält, klang die vorgetragene Geschichte zunächst plausibel. Außerdem ging es um nicht mehr als um ein Beratungsgespräch. 

Auf Datenlöschung gedrängt

Anfang diese Woche rappelte das Telefon erneut. Eine Anruferin knüpfte an das Gespräch vom Freitag an, wobei sie angab, nicht für die Pflegekasse zu arbeiten, sondern für die BSS-Pflegeallianz. Gegenstand des Unternehmens ist der Handel und der Vertrieb von medizinischen Hilfs- und Pflegemitteln. Die Frage, wie sie an die Informationen gelangt sei, beantwortete die Frau ausweichend. Sie seien ihr zugespielt worden. Ob die beiden Anrufe überhaupt in einem Zusammenhang zueinander stehen, vermag das Paar nicht zu sagen. Dennoch bat man beim zweiten Gespräch eindringlich darum, von weiteren Anrufen abzusehen und sämtliche Daten zu löschen. 

Warnungen vor Betrug

Schließlich hatte eine nur kurze Recherche im Internet zuvor ergeben, dass zumindest hinter den Anrufen von vermeintlichen Mitarbeitern der Pflegekasse Betrüger stecken könnten. So warnt beispielsweise die Barmer: Die Kriminellen versuchten unter anderem auch, über eine App an die Unterschriften von Versicherten zu gelangen. Ein Grund mehr, dass die Angerufenen am Telefon keine Auskünfte zu ihren finanziellen Verhältnissen, Pflegegraden oder Pflegegeldansprüchen geben oder Leistungen per App bestätigen sollten. 

Für einen echten Leistungsanspruch ergeht in der Regel immer eine entsprechende schriftliche Mitteilung per Post an die Versicherten. Auch fordern seriöse Unternehmen keine Unterschriften für derlei Anträge über das private Handy der Versicherten ein.

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