1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Rheda-Wiedenbrück
  6. >
  7. Ponyreiten ist endlich wieder möglich

  8. >

Rheda

Ponyreiten ist endlich wieder möglich

Rheda

Wiedenbrück (lalü) - Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde, sagt man. Beim Ponyreiten im Wiedenbrücker Stadtholz scheint dieses Sprichwort Wirklichkeit zu werden. Ganze Generationen von Kindern haben dort ihren ersten Kontakt mit den Huftieren gemacht.

Nach längerer Corona-Zwangspause ist das Reiten in dem Waldgebiet am Stadtrand wieder möglich. Immerhin schon zum dritten Mal seit Ende des Lockdowns konnten pferdebegeisterte Jungen und Mädchen jetzt einen kleinen Ausritt unter Aufsicht und Anleitung wagen. Elf Kinder und acht Ponys vom Reiterhof Reiling auf der Marburg waren dabei. Fast wäre das Reiterlebnis im Grünen jedoch dem Regen zum Opfer gefallen.

Vorbereitungen beginnen im Morgengrauen

Schon seit dem Morgen sind die Helfer auf den Beinen. Junge Mitglieder des Reitervereins Reckenberg-Wiedenbrück füttern und striegeln die Ponys für ihren Einsatz am Nachmittag. Danach gibt es eine längere Verdauungspause für die Tiere. Anschließend wird im Stall gesattelt. Dann beginnt für Kai Reiling sein Nebenjob als Lademeister. „Heute die kleineren Pferde zuerst“, lautet sein Auftrag an die Beteiligten.

Auf dem Hof ist er mit Pferden auf- und zwangsläufig in den Job als Fahrer des Schleppers sowie des Pferdeanhängers hineingewachsen. Diese Sonntagsbeschäftigung ist für ihn inzwischen zum Hobby geworden. Seine Mutter Claudia Reiling ist Betreiberin des Pferdehofs, Schwester Julia ist dort als Pferdewirtin angestellt.

Reicht das Heu?

Beide sind dabei, wenn es vor dem Aufbruch ins Stadtholz um die Vorbereitung der Pferde und die Überprüfung der Ausrüstung geht. Ist Wasser auf dem Wagen? Reicht der Heuvorrat aus? Sind in der kleinen Sattelkammer Besen und Schaufel vorhanden, falls die Pferdeäpfel fallen? „Alles da“, stellen die Chefinnen fest und verweisen auf die Schlafkojen im Vorderteil des Pferdetransporters einschließlich WC und Dusche. Praktikabel, nicht komfortabel – aber heute geht’s ja auch nicht auf eine mehrtägige Veranstaltung, sondern „nur“ zu einem nachmittäglichen Wiedenbrücker Traditionsangebot.

Gut eine halbe Stunde später und zeitig vor dem Eintreffen der ersten Familie ist der Zug auf dem Standstreifen im Stadtholz angelangt. Die Pferde werden zu den Anbindestangen geführt, ein Stehtisch und die Preisschilder für die sonntäglichen Ausritte werden hervorgezaubert.

Regenguss ist schnell vergessen

Und dann setzt der Platzregen ein. „Es sind doch nur 40 Prozent Regen, halb so schlimm“, sagen die Reilings mit Blick auf die Wetter-App ihrer Smartphones und lächeln. Aber die Tiere sollen trotzdem nicht nass werden. Für fünf von ihnen geht es noch einmal in den Trailer, wo auch die Helfer zum Großteil Zuflucht finden.

Stephanie Dickbertel, die Nichte von Claudia Reiling, hat in der vergangenen Woche elf Anmeldungen für jeweils halbstündige Runden entlang des Eusternbachs und durch das Stadtholz notieren können. „Hoffentlich kommen nach dem Regenguss jetzt alle“, sagt sie mit bangem Blick zum Himmel.

Doch die Sorge ist unbegründet. Die erste Reiterin ist mit ihrem Vater schon eingetroffen, weitere warten die letzten Tropfen noch im Auto ab. Dann stehen auch sie vor den Tieren, auf die sie sich so gefreut haben. Laura (3) lernt ihren braunen Muskat kennen, Lias (4) tätschelt Nemo, immer begleitet von einem Elternteil und dem Reiling-Team.

Claudia Reiling ist heute für die Einstellung der Sättel und der Steigbügel zuständig. Sie gibt Castor einen Klaps, und Anna startet mit ihrem Vater als Begleitung auf die Waldrunde. Mit ihnen und mit leerem Sattel auf den Weg macht sich Pony Ramero. Er lernt die Runde an der Hand von Lisa, einer Profireiterin, kennen. 

Seit 22 Jahren jeden Sommer im Stadtholz

Seit gut 22 Jahren ist Claudia Reiling im Sommerhalbjahr nahezu jeden Sonntag im Stadtholz. „Manchmal sind wir mit 15 Pferden hier“, seufzt sie, „aber wegen Corona im Sommer 2020 gar nicht, und dieses Jahr startet langsam.“ Die wegen der Pandemie notwendige Anmeldung durch die Eltern hat ihre Vorteile: „Wir können die Startzeiten vorab gemeinsam einteilen und haben immer genug Ponys.“ Zwei Gruppen zu fünf Gästen sind an diesem Nachmittag jeweils eine halbe Stunde unterwegs – eine Passantin möchte vielleicht spontan mit einem oder zwei Reitkindern noch ohne Anmeldung kommen. Alles möglich, denn der Regen hat schon lange aufgehört. Alle Beteiligten strahlen mit der Sonne um die Wette.

„So ein Sonntagsausflug für die Kinder ist viel Arbeit für uns, die muss man schon gerne machen“, sagt Claudia Reiling, als sich die Tür des Transporters schließt und Sohn Kai in Richtung Marburg startet. Dort haben inzwischen zwei Helferinnen frisches Stroh und Heu in die Boxen der Ausreitpferde gestreut. Nett, so heimzukommen und Kindern eine Freude gemacht zu haben.

Tochter setzt Tradition fort

Schon Claudia Reilings Vater hat einst auf Volksfesten Ponyreiten angeboten. Früher waren die Reilings in guten Jahren auf 150 Veranstaltungen pro Jahr, außerdem rund 20 Mal pro Saison sonntagnachmittags im Stadtholz. Daheim sind 60 Pferde in den Boxen, auf den Weiden und auf dem Indoor-Spielplatz zu betreuen. Gäbe es keine Pandemie, wären derzeit 20 Veranstaltungen im Umland mit Ponys anzufahren. „Uns macht das Freude“ betonen Claudia und Julia Reiling. Die Pflege der Tiere, die Organisation und die Verantwortung bedeuteten trotz des Aufwands keinen Stress für die Familie. „Das ist für uns eine Berufung“, sagen die Frauen.

Startseite