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Rheda-Wiedenbrück: Totenzettel erzählen Lebensgeschichten

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Das Museum Wiedenbrücker Schule und der Heimatverein Reckenberg wollen Totenzettel digitalisieren, um so die Erinnerung an Verstorbene wachzuhalten.

Es gibt sie mit religiösen Motiven, mit schlichter Rückseite und heutzutage auch mit den Porträts des Verstorbenen: Für Trauernde sind Totenzettel auch eine Art liebevoller Erinnerung an einen Menschen, den man gern gehabt hat. Für Historiker sind die kleinen Zettel vor allem aufschlussreich. Sie geben beispielsweise Hinweise auf Verwandtschaftsbeziehungen.

Rheda-Wiedenbrück (gl) - Sie sind klein und nur ein Stück Papier, aber dahinter verbergen sich Lebensgeschichten von Menschen: Totenzettel. Meist sind diese Blättchen liebevoll gestaltet, werden im Trauergottesdienst oder der Messe verteilt und sind als Erinnerung an den Verstorbenen oder die Verstorbene gedacht. In einem gemeinsamen Projekt möchten das Museum Wiedenbrücker Schule und der Heimatverein Wiedenbrück-Reckenberg diese Zeugnisse eines verblichenen Lebens bewahren und für die Familienforschung aufbereiten.

„Bitte bringen Sie die Totenzettel zu uns ins Museum“

„Bitte bringen Sie die Totenzettel zu uns ins Museum“, sagt Museumsleiterin Christiane Hoffmann. „Wir sammeln die Zettel und Mitglieder des Heimatvereins wie Heiner Grimm scannen die Blättchen ein.“ Die so gewonnenen Informationen werden in eine Datenbank eingepflegt und kostenlos Familienforschern auf der ganzen Welt über das Internet zur Verfügung gestellt. „Kostbares Wissen auch von längst verstorbenen Menschen wird so erhalten“, verrät Christiane Hoffmann, die in diesem Zusammenhang auch von einem Kulturgut spricht.

In vielen Fällen sind die kleinen Handzettel auch ein Zeichen einer längst vergangenen Zeit. Oft sind sie in den Gesangbüchern oder anderen persönlichen Orten wie Tagebüchern eingelegt worden. „Und dann findet man ganz viele davon und weiß gar nicht so richtig, was man damit tun soll“, ergänzt Christiane Hoffmann. „Diese Quellen sind für Familien- und Geschichtsforscher von unschätzbarem Wert.“ Dabei spiele es auch keine Rolle, wie alt die Totenzettel sind. Jedes Blättchen sei wertvoll, schließlich stehe es für ein ganzes Leben, sagt die Museumsleiterin: „Wir nehmen alle an, ob von 1902 oder 2022.“

Die Menschen, die diese Zeugnisse spenden wollen, können diese während der Öffnungszeiten des Museums vorbeibringen oder in den Museumsbriefkasten einwerfen. Wer die kleinen Andenken zurückbekommen möchte, steckt diese einfach in einen Umschlag, der mit der eigenen Adresse versehen ist.

Digitalisierung erfolgt in Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Stellen

„Wir sammeln die Stücke und geben sie an die ehrenamtlich arbeitenden Stellen weiter, die die Totenzettel einscannen. Dort werden die gespendeten Blättchen an das Archiv weitergegeben, die anderen kommen ins Museum zurück und werden von dort an die ausleihenden Personen zurückgegeben“, verspricht Christiane Hoffmann.

Idee stammt ursprünglich aus Belgien und den Niederlanden

Wer sich im Vorfeld informieren will, kann sich auch über das Projekt der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde in deren Datenbank ein Bild machen. Dort können Menschen, die Familienforschung betreiben, recherchieren und Wissenschaftler forschen. „So ähnlich wird es bei uns auch aussehen“, verrät Christiane Hoffmann.

Totenzettel werden traditionell bei der Beerdigung verteilt und sollen an den Verstorbenen erinnern. Darin lag einst die eigentliche Bedeutung des Totenzettels. Die Idee stammt aus dem heutigen Belgien und den Niederlanden. Dort nutzten zum Ende des 17. Jahrhunderts überwiegend in den Städten die freien Bürger, die des Lesens und Schreibens mächtig waren, die Blättchen. Eine wichtige Bedeutung kam dem Totenzettel während der Kriege 1866, 1870/71 und dem Ersten Weltkrieg 1914 bis 1918 zu. Eine Überführung der Toten von den Schlachtfeldern auf den heimatlichen Friedhof war nicht möglich. Den Angehörigen blieb oft nur der gedruckte Totenzettel als Gedenk- und Erinnerungsstück.

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