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Rheda

Rheda-Wiedenbrücker leistet Hilfe für die Seele

Rheda

Mehr als sonst haben die Notfallseelsorger im Kreis Gütersloh zu tun: Die ehrenamtlichen führen das auf die Pandemie zurück. 

Arbeiten Hand in Hand: Pfarrer Marco Beuermann von der Evangelischen Versöhnungskirchengemeinde Rheda-Wiedenbrück und Uschi Rutschkowski sind die Ansprechpartner für die Notfallseelsorge im Kreis Gütersloh.

Rheda-Wiedenbrück (wl) - Vor 23 Jahren entstand im Kreis Gütersloh die Notfallseelsorge (NFS) zur Betreuung Angehöriger nach plötzlichen Todesfällen. Der Wiedenbrücker Pfarrer Marco Beuermann sowie Uschi Rutschkowski sind die Ansprechpartner der 35 ehrenamtlichen Mitglieder der Notfallgruppe. Aktuell habe man viel zu tun, berichten sie.

Mehr als üblich zu tun

Die Zahlen sind deutlich höher als sonst. Viele Einsätze führen die Notfallseelsorger ganz klar auf Corona zurück. Bislang waren es immer unter 80 Einsätze im Jahr. 2021 zählten sie 88 Begleitungen, davon 25 Suizide, und damit deutlich mehr als in den Vorjahren. „Viele Menschen, die schon vorher Probleme hatten, sei es finanzieller oder psychischer Art, haben durch die Pandemie noch mal einen weiteren schweren Einschnitt erlebt und kommen damit oftmals nicht klar“, erklärt Beuermann. „Wir können lediglich eine Statistik aus unserer Sicht geben“, betont der evangelische Geistliche. Einen Anspruch auf vollständige Zahlen erhebe man nicht. 

Eine große Herausforderung

Zu Einsätzen wegen eines plötzlichen Todesfalls wurden die Notfallseelsorger im vergangenen Jahr 23 Mal gerufen. Die restlichen Einsätze teilten sich auf die Bereiche „Tod nach schwerer Krankheit“, Verkehrsunfälle, Unfälle anderer Art und sonstige Vorfälle auf. Etwa 80 Prozent der Begleitungen würden im häuslichen Bereich stattfinden, berichtet Beuermann. Das könne beispielsweise die Überbringung einer Todesnachricht, die Betreuung von Angehörigen nach einem Suizid, einem häuslichen Todesfall und bei plötzlichem Kindstod sein, sagt Beuermann. 

Für ihn und sein Team sei Corona eine große Herausforderung insbesondere zu Beginn der Pandemie gewesen. „Wir haben uns schon gefragt, ob wir unsere Arbeit weiterhin leisten können, ohne uns selbst zu gefährden“, betont er. Doch man sei sich schnell einig gewesen, dass man die Menschen, die Hilfe für die Seele benötigen, auch weiterhin unterstützen möchte. Vieles fand im Frühjahr draußen statt und die Seelsorger hatten stets Masken auf. 

Regelmäßiger Austausch

Für das Team ist es aber auch wichtig, sich regelmäßig auszutauschen, Ereignisse durchzusprechen und sich damit gegenseitig zu stärken. So finden neben den Gruppentreffen auch regelmäßig Fortbildungen statt. Die letzte ging 2020 in Travemünde über die Bühne, das Thema lautete „Burnout-Prophylaxe im Themenfeld Notfallseelsorge“.

Auf Spenden angewiesen

Solche mehrtägigen Veranstaltungen sowie Aus- und Weiterbildungen verursachen erhebliche Kosten, so dass die NFS im Kreis Gütersloh auf Spenden angewiesen ist, um ihre wichtige Arbeit auf qualitativ hohem Niveau zu gewährleisten. Die NFS arbeitet ausschließlich ehrenamtlich und ohne öffentliche Zuschüsse. Das Team ist daher dankbar über jegliche Unterstützung durch Sponsoren, Kollekten aus den Gemeinden aber auch Sachspenden. Erst jüngst hat der Fachhandel für Arbeitsbekleidung, Niemöller und Abel, der gesamten Mannschaft einheitliche Fleecejacken gesponsert und als Erkennungszeichen die Logos der Notfallseelsorge darauf genäht. 

Bilder verarbeiten

Seit 2018 gibt es zusätzlich zur NFS das Team PSU für die psychosoziale Unterstützung der Einsatzkräfte. Hintergrund ist folgender: Man hat bei der Notfallseelsorge festgestellt, dass es schwierig ist, sich um Angehörige und gleichzeitig um Einsatzkräfte zu kümmern. Beides ist aber extrem wichtig. Deshalb gibt es die fachkundigen Männer und Frauen, die sich um Feuerwehr, Polizei und Sanitäter sorgen, um schwere Ereignisse, die Bilder im Kopf zurücklassen, besser verarbeiten zu können, erläutert Marco Beuermann. Beide Teams haben aber immer ein gemeinsames Ziel – und das lautet: „Erste Hilfe für die Seele“.

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