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Schlossstraße wirkt in Rheda wie ein Fremdkörper

Rheda

Wie soll das Quartier Schlossstraße in Zukunft aussehen? So viel steht fest: Auf die Parkdecks würden viele Bürger am liebsten verzichten.

Es gebe keine Denkverbote, hatte Baudezernent Stephan Pfeffer zu Beginn der Bürgerbeteiligung im Domhof in Rheda gesagt – was einen Altstadtbewohner zu der Frage veranlasste, ob man darüber nachdenken dürfe, die Schlossstraße „zuzumachen“.

Rheda-Wiedenbrück (gl) - Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept für das Zentrum in Rheda besteht bekanntermaßen aus einer Fülle unterschiedlicher Handlungsfeldern: Ein besonders schwerer Brocken ist der Bereich zwischen Berliner Straße und Schlossstraße. Wer dort etwas bewegen will, leistet Beziehungsarbeit in mehrfacher Hinsicht.

Betonbauten verdecken Sicht auf Baudenkmäler

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Stadtverwaltung den Förderbescheid zur Durchführung eines Realisierungswettbewerbs für das Quartier erhalten. Ziel der Weiterentwicklung ist die Herausarbeitung der Übergänge von der historischen Altstadt zum Residenzschloss und zu dessen Park mit dem Flusslauf der Ems. Darüber hinaus sollen der öffentliche Raum rund um die Denkmäler Drostenhof, Domhof und Altes Amtsgericht sowie die Neuordnung des ruhenden Verkehrs in Angriff genommen werden. Zu guter Letzt will die Verwaltung die Gestaltung der Berliner Straße berücksichtigt wissen.

Die Frage der Parkplätze ist zwischenzeitlich im Verkehrskonzept für die Rhedaer Innenstadt untersucht worden, und auch Lösungsansätze werden darin benannt. Gleichwohl brennt das Thema denen, die die Attraktivität des Stadtzentrums weiter herausarbeiten möchte, auf den Nägeln. Das wurde während einer Veranstaltung im Sinne der Bürgerbeteiligung im Domhof deutlich. Außer Anliegern nutzten etliche Kommunalpolitiker die Gelegenheit, in den Workshop ihre Ideen einzubringen, die sich im besten Fall anschließend in der Aufgabenschreibung zum Realisierungswettbewerb wiederfinden.

Besondere Aufmerksamkeit genossen die Parkpaletten, wenn auch nicht im positiven Sinne: Vor allem die Stellplatzanlage an der Schulte-Mönting-Straße „ist ein städtebauliches Verbrechen“, schimpfte der Grünen-Ratsherr und Altstadtbewohner Hans-Hermann Heller-Jordan. Er und einige andere stören sich insbesondere an dem Umstand, dass historische Gebäude für viel Geld erhalten und instandgesetzt werden, sie aber wegen architektonischer Fehltritte in nächster Nähe nur teilweise zu sehen sind.

Abriss ohne Folgekonzept würde Einzelhandel schaden

Selbstverständlich wäre es ein Leichtes, eine Betonkonstruktion wie diese oder jene am Domhof aus der Welt zu schaffen. Nur: Wer allerdings solche ultimativen Maßnahmen ergreift, ist gut beraten, Alternativen aufzuzeigen. „Der Einzelhandel hat es schon schwer genug“, warnte denn auch eine Beteiligte während des Workshops davor, den Kaufleuten weitere Schwierigkeiten zu bereite, indem man den Kunden die Abstellmöglichkeiten für den Wagen nimmt. „Wir sind hier, um die Attraktivität zu steigern“, sagte die Rhedaerin. „Solch ein Vorgehen würde ihr allerdings mehr schaden als nutzen“, sagte sie mit Blick auf die Parkdecks.

Besondere Aufmerksamkeit genossen die Parkpaletten, wenn auch nicht im positiven Sinne – hier das an der Schulte-Mönting-Straße.Es gebe keine Denkverbote, hatte Baudezernent Stephan Pfeffer eingangs gesagt – was einen Altstadtbewohner zu der Frage veranlasste, ob man darüber nachdenken dürfe, die Schlossstraße „zuzumachen“. Zwar ist das ein Vorschlag, der so manch andere Baustelle obsolet machen würde, es wird allerdings wohl ein Traum bleiben. Michael Duhme, Fachbereichsleiter Tiefbau im Rathaus, und Pfeffer skizzierten die verkehrliche Bedeutung der Strecke, die sich in Händen des Kreises befinde, stellten zudem fest, dass die Stadt diesbezüglich nichts zu melden hat. Man sei lediglich für die Nebenanlagen wie Gehwege zuständig, sagte Duhme.

„Die Welt wäre in Rheda ohne Parkdecks eine bessere“

Um es mit Stephan Pfeffer zu sagen: Die Welt wäre zumindest in Rheda eine bessere ohne Parkdecks. Und ohne Schlossstraße. Und – das sagt Elisabeth Frenser, Ratsfrau und Motor der Initiative zur Verkehrswende – ohne Autos. Der Wettbewerb berücksichtige eine Form der Mobilität, wie sie in den 1970er-Jahren üblich gewesen sei, monierte die Sozialdemokratin. „Wir sollten Geld nicht in die Aufwertung der Parkdecks stecken, sondern in den Öffentlichen Personennahverkehr“, machte sie ihrem Ärger Luft, wies auf andere Kommunen hin, wo mit alternativen Modellen Erfolge gefeiert werden. „Es gibt beispielsweise nicht einen einzigen Stadtbus. Den Menschen in Rheda-Wiedenbrück bleibt fast nichts anderes übrig, als mit dem Auto herumzugurken.“

Wer während der Veranstaltung verhindert war, dennoch seine Anregungen und Meinung beachtet wissen will, kann sich mittels Fragebogen zum Herunterladen beteiligen.

Prozess nimmt viele Jahre in Anspruch

Sonja Pack-Hast, Stadtplanerin und Geschäftsführerin des Büros Wolters und Partner mit Sitz in Coesfeld, das mit der Organisation des Gestaltungswettbewerbs betraut worden ist, machte deutlich, dass die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung in die Aufgabenstellung einfließen und der Wettbewerb unmittelbar im Anschluss gestartet werden soll. Sofern das Preisgericht im Sommer tagt, sei es denkbar, den Siegerentwurf im September zu präsentieren. Die Umsetzung der Maßnahmen, beispielsweise zur Verbesserung der Sichtbeziehungen zum Schloss oder zur Zukunft der Parkdecks, erfolge jedoch nur häppchenweise. „Im besten Fall sind Sie damit nach zehn Jahren durch“, zeigte die Ingenieurin auf, dass es für einen Prozess wie diesen Geduld braucht. Außerdem sind erhebliche finanzielle Mittel und Förderzusagen vonnöten.

Für Fragen zum Verfahren und zur Bürgerbeteiligung steht Ina Hoischen von der Stadtverwaltung unter 05242/963437 sowie per E-Mail zur Verfügung.

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