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Rheda-Wiedenbrück

Schweinischer Protest der Bündnisgrünen

Rheda-Wiedenbrück (sbr) - Wer am Freitagnachmittag auf das Bahnhofsgebäude in Rheda zukam, konnte es nicht übersehen. Überlebensgroß baute sich ein Schwein vor der Kulisse auf. Fast schien es, als musterte das aufblasbare Exemplar des Typs Bentheimer Landschwein mit glücklicher Miene die Passanten.

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Verantwortlich für die im wahrsten Wortsinn schweinische Aktion waren die Grünen des Ortsverbands Rheda-Wiedenbrück. Nach Frohsinn war den Vertretern der Ökopartei aber nicht zumute. Der zufriedene Gesichtsausdruck des Schweins stand symbolisch für den Gegensatz zwischen grünem Wunsch und der Wirklichkeit.

Protest gegen das „Schweinesystem“

„Die Corona-Pandemie hat die massiven Probleme offengelegt. Wir wollen mit dem Riesenschwein auf das Schweinesystem aufmerksam machen. Es geht nicht um Schuld, sondern um Verantwortung. Daran muss sich auch die Firma Tönnies messen lassen“, betonte Ortsverbandssprecher Hans-Herman Heller-Jordan. In unmittelbarer Nähe zum aufblasbaren Säugetier war ein Protestbanner drapiert, dessen markige Aufschrift keinen Zweifel am Anliegen der Grünen ließ. „Schweinesystem“ und „Es reicht“ stand dort für jeden sichtbar geschrieben.

Mit ihrer Protestaktion wollte die Ökopartei gleich auf zwei Missstände aufmerksam machen: Zum einen prangert sie die Arbeits- und Wohnbedingungen der in den Schlachtbetrieben tätigen, häufig aus Osteuropa stammenden Werkvertragsarbeiter an, zum anderen fordert sie zum Wohl der Schweine ein Ende des auf Massenschlachtung ausgerichteten Systems.

Unterstützung aus dem Bundestag

Unterstützung erhielten die Kommunalpolitiker von Friedrich Ostendorff, einem Biobauern, der für die Grünen im Bundestag sitzt. Er versicherte, den Druck auf die Entscheidungsträger hochzuhalten, damit sich die gängige Praxis fundamental ändern könne. Nach seinem Dafürhalten befindet man sich, aufgeschreckt durch die coronabedingten Vorkommnisse, auf dem richtigen Weg. Das Bundestagsmitglied warb zugleich um den Dialog mit der Landwirtschaft.

Dialog mit der Landwirtschaft

Den wollen auch die kommunalen Grünen aktiv suchen. Sie befinden sich im Austausch mit Landwirt Günther Völker, der bei Veranstaltung am Freitag mit seiner Expertise für Gespräche bereitstand. Bürgermeisterkandidatin Sonja von Zons verlieh dem Bestreben der Ökopartei Ausdruck: „Ich habe großen Respekt vor jedem Bauern. Ich glaube, sowohl den Landwirten als auch uns Grünen liegt das Wohl der Schweine am Herzen. Es muss möglich sein, einen Kompromiss zu finden.“

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