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Rheda

Skulptur in Rheda als Mahnmal gegen Gewalt an Frauen

Rheda

Anlässlich des Internationalen Frauentags ist eine Skulptur des Künstlers Hans Kordes auf dem Rathausplatz in Rheda aufgestellt worden.

Besucherinnen des Aktionstags pflanzten aus Stiefmütterchen das Frauen-Symbol in ein Beet auf dem Pflaster des Rathausplatzes.

Rheda-Wiedenbrück (eph) - Eine 2,60 Meter hohe weibliche Gestalt aus zwei Zentimeter dickem und rostigem Stahl ziert seit Anfang der Woche den Platanengarten auf dem Rhedaer Rathausplatz. Das Werk des Verler Künstlers Hans Kordes ist Teil des Aktionsprogramms, das die städtische Gleichstellungsbeauftragte Susanne Fischer zum Weltfrauentag auf die Beine gestellt hatte. Noch bis zum „Rheda erblüht“-Fest Ende des Monats soll das Objekt mit dem lateinischen Namen „Non Grates“ (Deutsch: „Nein, danke“) sowie einer halben Tonne Gewicht an seinem Standort verbleiben und auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen.

Idee zum Motiv kam in der Nacht

„So schwer wie diese Plastik ist auch das damit angesprochene Thema“, sagte Hans Kordes bei der Vorstellung seines Werks vor knapp 20 zumeist politisch aktiven Frauen und zwei Herren der Schöpfung. Die Arbeit des Künstlers geht zurück auf einen Auftrag des Paderborner Zonta-(Frauen-)Clubs. Dieser hatte sich zu den internationalen „Orange Days“ gegen Frauengewalt von Kordes ein Mahnmal für den öffentlichen Raum gewünscht. Das Thema treibe ihn um, bekannte er bei der Vorstellung seines Werks. Grund dafür seien Gewalterfahrungen aus seinem persönlichen Umfeld. Nachts um 4 Uhr, verriet der Künstler, sei ihm dann die Idee zum Motiv der Plastik gekommen.

Es zeigt eine moderne junge und attraktive Gestalt, die auf ihrer rechten Hand das um 180 Grad gedrehte Frauen-Symbol balanciert und deren ausgestreckte linke Hand einem Gegenüber ein „Nein“ signalisiert. Ihr linker Fuß steht dabei auf einem Koffer mit der Aufschrift „Non“. Die dynamische Skulptur soll diese Botschaft vermitteln: „Ich bleibe, wie ich bin. Ich mag mich, wie ich bin. Ich will nicht laut, nicht körperlich stark werden müssen. Denn mein Recht auf Selbstbestimmung und Unversehrtheit gehört mir bedingungslos und muss nicht von mir erkämpft oder eingefordert werden.“ In der Stadt Paderborn hatte die Plastik in einer Größe von 3,20 Meter vorübergehend einen festen Platz inmitten der City gefunden. 

Es gibt noch keinen endgültigen Standort

Ein endgültiger Standort steht dort indessen noch nicht fest. In diesem Zusammenhang äußerte Kordes die Hoffnung, dass sich möglichst viele Städte zu einer Aufstellung des Mahnmals entscheiden könnten. Sollte sich die Stadt Rheda-Wiedenbrück dazu durchringen, wäre sie mit 8000 Euro dabei. Für die Gleichstellungsbeauftragte Susanne Fischer hätte die Plastik wohl allemal ihre Berechtigung. „Vielen Frauen und Mädchen wird von Männern Gewalt angetan. Auch deswegen ist der seit 1911 begangene Weltfrauentag heute so wichtig“, meinte sie in ihre Begrüßungsansprache.

Weit entfernt von Chancengleichheit

Susanne Fischers Worte wurden noch verstärkt durch ein Statement von Nesrim Pür. Als Mitglied des städtischen Integrationsrats zog die Sozialarbeiterin ein ernüchterndes Fazit zur Gleichstellung von Mann und Frau in Deutschland. „In fast allen Bereichen – vom Arbeitsmarkt über gesellschaftliche Dimensionen bis hin zur Familie – kann keine Rede von Chancengleichheit sein.“ Zudem werde jede dritte Frau in Deutschland einmal in ihrem Leben Opfer von körperlicher oder seelischer Gewalt, jede Zweite habe persönliche Erfahrung mit sexueller Belästigung. Dem Thema Gewalt am Beispiel der 200 von der Islamistengruppe Boko Haram in Nigeria entführten Schulmädchen hat sich auch die Clarholzer Künstlerin und Kunsterzieherin Barbara Davis gewidmet. 

Besucherinnen pflanzen Frauen-Symbol in Beet 

Aus Anlass des Weltfrauentags zeigt sie derzeit in der Rhedaer Stadtbibliothek einen Zyklus aus sieben Arbeiten zu diesem Thema. Davis war darüber hinaus zusammen mit anderen Besucherinnen des Aktionstags daran beteiligt, aus Stiefmütterchen das Frauen-Symbol in ein Beet auf dem Pflaster des Rathausplatzes zu setzen. Den Abschluss des Aktionstags bildete ein Vortrag der Biologin Lisa Fischer. Im Familientreff „Wir“ referierte sie über stereotype Männer- und Frauenbilder.

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