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Rheda-Wiedenbrück

Stadtholz: Aufforstung durch die Natur

Rheda-Wiedenbrück (lalü) - Auf Wanderwegen, Laufstrecken und dem Trimmpfad durch das Wiedenbrücker Stadtholz ist jetzt wieder normaler Betrieb möglich. An anderen Stellen sind jedoch noch die Spuren der Schäden durch Unwetter und den Borkenkäfer zu sehen.

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Die vor Wochen bei einem kurzen Gewittersturm gefallene Linde und die im gleichen Waldteil nahe der Ems durch den Wind derart gedrehte Eiche, dass sie in der Mitte gespalten war, sind von Spezialisten beseitigt worden.

Borkenkäfer richtet großen Schaden an

Zuletzt war im Frühjahr eine große Zahl von Bäumen dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen und musste entfernt werden. Felix Rosinski vom Regionalforstamt Ostwestfalen-Lippe ist immer noch erschrocken: „Fichten, aber auch Kiefern, Douglasien und Lärchen waren befallen.“

Nun ist der Wald rechts der Röckinghausener Straße im Zentrum teilweise licht. Die Sonne scheint auf den Boden und trocknet ihn weiter aus. Doch an eine Wiederaufforstung in Form einer Neuanpflanzung oder Schonung denken die Förster und die Stadt als Waldbesitzer nicht. Rosinski: „Zum Glück gibt es rund um die frei gewordene Fläche säende Bäume, deren Saat in diesem Sommer den Waldboden erreichte.“

Nicht genügend Ersatzpflanzen

Peter Rapp als Abteilungsleiter Grünflächen und Bäder ist Realist: „Wir könnten heute aus den Baumschulen sowieso nicht genügend Ersatzpflanzen beschaffen. Die werden für die großen Kahlschläge im Sauerland oder im Teutoburger Wald gebraucht.“

Die Lösung des Problems ist stattdessen eine natürliche Verjüngung. Sie wird im Stadtholz am Eusternbach bereits auf einer ehemaligen Nadelwaldfläche sichtbar, die 2018 vom Sturmtief „Friederike“ gefällt wurde. Dort mischen sich Brombeerbüsche und schnell wachsende Birken über weite Teile der kurzzeitigen Leerfläche. Sie spenden bereits jetzt viel Schatten und verhinderten so das weitere Austrocknen des ohnehin schon trockenen Waldbodens.

„Durch gezielte Pflege wollen wir dann aufkeimende Eichen, Buchen und anderen Bäumen, die aus der Umgebung eingeweht werden, ein Aufwachsen ermöglichen“, schildert Rapp die forstwirtschaftliche Aufgabe der kommenden Jahre: „Damit hilft sich der Mischwald gegen die Klimafolgen hoffentlich selbst.“ Auch deshalb werden herabgefallene Äste und Bäume oft nicht entfernt. Dieses Totholz ist Rückzugsraum für Tiere sowie Nahrung für Käfer und Pilze – und ist so Teil der Waldökologie.

Wüst und ungeordnet

Auch wenn es im Stadtholz also derzeit häufiger als gewohnt wüst und ungeordnet aussieht, weil gefällte Bäume noch auf den Abtransport warten, Totholz herumliegt und Büsche wild wachsen – die Verantwortlichen haben die Weiterentwicklung des Erholungsgebiets nach eigener Aussage im Blick.

Die Waldnutzer sollen wegeähnliche Schneisen, die durch den Harvester-Einsatz im Frühjahr entstanden sind, nicht begehen: „Wir wollen an keiner Stelle zu den vorhandenen neue Wege entstehen lassen“, unterstreicht Peter Rapp von der Stadt.

260 Hektar kommunaler Wald

Förster Felix Rosinski bestätigt das: „Der Wald und die Tiere brauchen abseits der Wege angesichts des Dauerstresses durch Naturphänomene wie Wind, Regenmangel und Erderwärmung ihre Ruhe, um wieder zu Kräften zu kommen.“ Das sollte jeder Waldgast verstehen.

Mit 260 Hektar Wald in städtischem Eigentum ist Rheda-Wiedenbrück übrigens die größte kommunale Beteiligte an der hiesigen Forstbetriebsgemeinschaft, in der öffentliche und private Eigentümer von Herzebrock-Clarholz bis Rietberg sowie in Langenberg rund 1300 Hektar Wald gemeinsam bewirtschaften.

Synergien bei Bewirtschaftung und Verkauf

Peter Rapp, von Haus aus Garten- und Landschaftsarchitekt, weiß als Abteilungsleiter der Stadt um die Vorteile dieser Lösung: „Große Maschinen und speziell geschultes Personal können wir dadurch wirtschaftlich für alle Beteiligten ebenso einsetzen wie wir den Verkauf des Holzes gemeinschaftlich organisieren.“

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