1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Rheda-wiedenbrueck
  6. >
  7. Stallhasen nicht immer sanft

  8. >

Manchmal beißen sie zu – Rassekaninchenschau mit 143 Tieren

Stallhasen nicht immer sanft

Rheda-Wiedenbrück (WB). Theo Mettenborg ist mit vielen Kaninchen aufgewachsen. »Wir haben aber keine Zucht betrieben. Wir haben die Tiere nur gehalten, um sie zu verkaufen oder sie zu essen«, erinnert sich Rheda-Wiedenbrücks Bürgermeister bei der diesjährigen Ausstellung des Rassekaninchen-Zuchtvereins Wiedenbrück.

Uwe Caspar

Bürgermeister Theo Mettenborg bewundert Andre Zahns Prachtexemplar. Das Riesenkaninchen wiegt 7,5 Kilogramm. Foto: Uwe Caspar

Trotz seiner langjährigen Erfahrung mit Stallhasen hat Mettenborg dazugelernt. »Dass es bei der Bewertung unter anderem auf Ohren, Fell und Farbe ankommt, das wusste ich gar nicht«, gibt das Stadtoberhaupt bei seiner Begrüßung im Bauhof zu. Hier knabbern 143 benotete Langohren aus 13 verschiedenen Rassen in ihren mit Heu gefüllten Boxen. »Das sind 20 Prozent mehr Kaninchen als bei unserer vorjährigen Ausstellung«, freut sich der Vereinsvorsitzende Heinz-Peter Recker (53) über den Zuwachs und besonders darüber, dass fünf RZV-Jungzüchter mit 35 Hoppelhäschen vetreten sind. Das findet auch Bernd Lohöfer-Marotz prima. »Wenigstens die Wiedenbrücker trotzen dem Trend. Denn die Zahl der Zuchtkaninchen ist kreisweit rückläufig«, berichtet der Kreisvorsitzende.

Die Zucht mit Mümmelmännern verlangt viel Geduld: Nur 20 Prozent aller Paarungen bringen – laut Heinz-Peter Recker – den erhofften Erfolg. Umso glücklicher und stolzer fühlt sich Kimberly Schade (»Niemals könnte ich ein Kaninchen essen!«), die erst seit einem Jahr züchtet und bei ihrer Ausstellungs-Premiere prompt einen Pokal holt: Ihr schwarzer Zwerg-Widder wird mit 96,5 Punkten als bester Protagonist der Schau prämiert. Das motiviert die angehende Erzieherin, die sich jetzt nicht nur mit Kuschelkaninchen zufrieden gibt. Doch auch die sind nicht immer nur sanft und niedlich. »Ich wurde schon mal gebissen, ausgerechnet von meinem Lieblingskarnickel«, erzählt die 21-Jährige. Der Biss in ihre Hand führte sogar zu einer Blutvergiftung.

Auch Andre Zahn, einer der 26 Mitglieder des in Lintel beheimateten Kaninchenklubs, der vorüerbegehend schon mal auf nur noch zehn Getreue geschrumpft war, kann von einer Beißattacke berichten: Die Vorderzähne einer seiner pelzigen Vierbeiner hatten sich in seinen Arm gebohrt. »Ihre Zähne sind fast schon Hauer, nur mit Mühe konnte ich den Burschen von meinem Arm trennen«, erzählt Zahn. Er hat den größten und schwersten Stallhasen mitgebracht: 7,5 Kilo wiegt sein acht Monate alter Deutscher Widder. Wegen einer Krallenverletzung ist das Prachtexemplar außer Konkurrenz dabei und präsentiert sich stattdessen, zur Freude der Kinder, im Streichelstall.

Die meisten Pokale räumt Michel Wirer (46) ab, der zudem den Stadtehrenpreis erhält. In seine Fußstapfen ist Tochter Jana (11) getreten, die in der Jugendwertung den Titel des Vereinsmeisters errungen hat. Auch Heinz-Peter Recker geht nicht leer aus, sein schwarz-weißer Holländer wird als bester Oldie gekürt. Doch der Vereinschef bekommt auch die NB-Bratpfanne überreicht – sozusagen die goldene Ananas für ein nicht bewertetes Tier. Die Kaninchenzüchter haben auch Humor.

Startseite