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Stundenlanger Großeinsatz: Giftfässer illegal in Rheda-Wiedenbrück entsorgt

Rheda

Aufmerksame Passanten haben entsorgte Fässer und Kanister im Bereich eines leerstehenden Gehöftes entdeckt. In diesen wurden zuvor giftige Chemikalien gelagert.

Rheda-Wiedenbrück (ei) - Auf einem unbewohnten Grundstück an der Straße Im Mersch in unmittelbarer Nähe zur Autobahn A2 haben Personen am Dienstagnachmittag mehr als 30 Fässer und Behälter abgeladen, in den zuvor gefährliche Chemikalien lagerten. Die Behälter seien – bis auf drei – weitestgehend leer gewesen. Chemikalien seien vermutlich nicht ins Erdreich gelangt, teilte die Feuerwehr mit.

Mehrstündigen Großeinsatz der Feuerwehr

Am Nachmittag hatten Passanten die Fässer entdeckt und die Polizei informiert, die ihrerseits zunächst den Außendienst des Ordnungsamtes zu der Adresse schickte. Wie Stadtbrandinspektor Christian Kottmann weiter mitteilte, hatte vor etwa zwei Wochen eine Begehung dort stattgefunden. Zu diesem Zeitpunkt hätten die Fässer noch nicht dort gelegen.

Die beiden Ordnungsamt-Mitarbeiter entdeckten in unmittelbarer Nähe zur Absperrung des einsam gelegenen und nach einem Brand einsturzgefährdeten Hauses die Fässer und riefen die Feuerwehr zur Hilfe. Die rückte zu einem mehrstündigen Großeinsatz aus. Unter Vollschutzanzügen wurden die Fässer zunächst geborgen und später auf einen Lkw verladen.

In drei Fässern befanden sich Restmengen

Lediglich in drei Fässern (2 x 200 Liter) sowie einem kleineren Behälter befanden sich noch Restmengen, allerdings wohl auch von bislang noch nicht identifizierten Stoffen. Bei den Gefahrenstoffen, die nach Angaben der Feuerwehr früher in den Fässern gelagert wurden, handelte es sich nach Informationen dieser Zeitung zum einen um Dichlormethan mit der UN-Nr.: 1593 und zum anderen um Methylamin mit der UN-Nr.: 1235.

Dichlormethan ist giftig bei Verschlucken oder Einatmen und gefährlich für Augen und Atemwege. Der Stoff ist weniger toxisch als andere einfache Organochlorverbindungen, durch seine hohe Flüchtigkeit ist es jedoch ein gefährliches Atemgift. Gasförmiges Monomethylamin wird hauptsächlich über den Atemtrakt aufgenommen. Bei Inhalation kann es zu starken Reizungen der Schleimhäute, insbesondere im Atemtrakt und den Augen, kommen. Diese können schnell zu Verätzungen führen. Außerdem bildet Methylamin mit Luft explosive Gemische.

Feuerwehrleute mit Vollschutzanzügen

An den Behältnissen konnten nach Polizeiangaben keine ersichtlichen Beschädigungen festgestellt werden, so dass vorerst nicht von einer akuten Umweltgefährdung ausgegangen wird. Ein Strafverfahren wegen illegaler Abfallentsorgung ist eingeleitet worden. Die Behälter wurden für weitere Untersuchungen sichergestellt.

Unter Leitung des stellvertretenden Stadtbrandinspektor Matthias Goerke wurde auch der Löschzug Batenhorst alarmiert, der die Dekontamination der Einsatzkräfte des Löschzuges Wiedenbrück durchführte. Die sechs Feuerwehrleute in den Vollschutzanzügen wurden mit Bürsten zunächst grob und in einem kleinen Duschzelt noch einmal intensiver gesäubert. Anschließend konnten sie ihre Schutzkleidung ablegen, sie wird nun beim Hersteller wieder aufgearbeitet.

Vor Ort machte sich auch eine Mitarbeiter der Unteren Wasserbehörde des Kreises Gütersloh ein Bild des Geschehens und koordinierte die notwendigen Arbeiten.

Haus brennt Anfang September

Anfang September kam es nachts in dem eigentlich leer stehenden Haus direkt an der Autobahn 2 zu einem Brand im Erdgeschoss - mutmaßlich durch Brandstiftung. Das Gebäude war damals beim Eintreffen der Feuerwehr bereits komplett verqualmt. Seitdem ist das Haus mit einem Schutzzaun gesichert, weil nach Expertenmeinung die Einsturzgefahr sehr hoch ist.

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