1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Rheda-wiedenbrueck
  6. >
  7. Tönnies für „faire Werkverträge“

  8. >

Bundeskabinett diskutiert heute über eine vollständige Abschaffung

Tönnies für „faire Werkverträge“

Rheda-Wiedenbrück/Coesfeld (WB/in). An diesem Mittwoch wird das Corona-Kabinett der Bundesregierung über Konsequenzen aus den Coronavirus-Ausbrüchen in deutschen Schlachtbetrieben beraten. Dabei geht es vor allem um den Umgang mit Saisonarbeitskräften in der Fleischindustrie. Als konkrete Maßnahme sollen Werkverträge schärfer reglementiert werden, damit Unternehmen ihre Verantwortung für die Beschäftigten nicht auf Subunternehmen abschieben können.

Frisch geschlachtete Schweine hängen in einem Kühlhaus des Fleischunternehmens Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Das Unternehmen sagt, ohne Werkvertragspartner würden in den Schlachthöfen Mitarbeiter fehlen. Foto: dpa

Ein Sprecher des größten deutschen Schlachtunternehmens Tönnies in Rheda-Wiedenbrück wollte einen Tag vor der Kabinettssitzung keine Stellungnahme mehr abgeben. Tönnies hat aber bereits in der vergangenen Woche deutlich gemacht, dass man für einen „fairen Werkvertrag“ eintrete, in dem für die Saisonbeschäftigten aus dem Ausland deutsches Arbeits- und Sozialrecht gelten müsse. Dazu müsse die Entsendung mit dem sogenannten A1-Papier, die eigentlich nur für eine sehr kurzfristige Anstellung gedacht sei, so verschärft werden, dass ein Missbrauch ausgeschlossen sei.

Tönnies arbeitet nach eigenen Angaben konzernweit mit 20 Werkvertragsfirmen zusammen. Das betreffe außer Schlachtung und Zerlegung noch andere Bereiche. Es gebe für einige Arbeiten, die im Schlachthof verlangt werden, nicht genug heimische Arbeitskräfte. Auch seien die ausländischen Werkvertragsarbeiter oft gar nicht gewillt, in ein festes Arbeitsverhältnis einzutreten.

Das sieht man bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) anders. Gleichwohl sieht deren OWL-Branchenexperte, Armin Wiese, auch bei Tönnies eine positive Entwicklung. Es würden mehr und mehr Subunternehmen oder Beschäftigte von Subunternehmen in den Konzern übernommen. Allerdings, so Wiese, sollten dann auch die Tarifverträge und Mitbestimmungsrechte voll angewandt werden. In diesem Punkt sei der Konkurrent Westfleisch Tönnies voraus.

Gewerkschaft

In Coesfeld begann Westfleisch am Dienstag das stufenweise Wiederanfahren des Betriebes. Bei dem Testlauf unter den Augen der Behörden wurden alle Prozesse, wie geplant, ohne Tiere durchgeführt. Nach dem erfolgreichen Abschluss sollen nach Angaben von Carsten Schruck, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Westfleisch SCE, an diesem Mittwoch wieder tatsächlich Schweine geschlachtet werden, zum Start aber nur 1500. Im Normalbetrieb schlachtet Westfleisch in Coesfeld 9000 Schweine am Tag.

Das wegen Corona-Infektionen eigentlich gesperrte Fleischunternehmen Westcrown in Dissen bei Osnabrück hat derweil am Dienstag den Notbetrieb aufgenommen. Die Arbeit in dem Zerlegebetrieb war eingestellt worden, weil bei einer Reihenuntersuchung bei 92 von 278 getesteten Beschäftigten Infektionen mit dem Coronavirus festgestellt wurden. 26 dieser Arbeiter waren im Kreis Gütersloh untergebracht. 13 seien jetzt in ein Quarantänequartier im Kreis Osnabrück gebracht worden, teilte der Kreis Gütersloh mit.

Am Dienstag hat Westfleisch 350 Werkvertragsarbeiter fest eingestellt. Gleichwohl sagt Vorstandsmitglied Johannes Steinhoff, angesichts des Arbeitskräftemangels sei das „Drei-Säulen-Prinzip“ aus „eigenen Mitarbeitern, Werkvertragsarbeitern sowie Beschäftigten in Arbeitnehmerüberlassung“ nicht verzichtbar.

Startseite