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Mitgesellschafter verlängert auslaufenden Vertrag nicht

Tönnies: Geschäftsführer Ruff muss gehen

Rheda-Wiedenbrück

Der Co-Chef des Rheda-Wiedenbrücker Fleischkonzerns Tönnies fällt dem Streit in der Inhaberfamilie zum Opfer: Der Vertrag von Andres Ruff (59) läuft nach drei Jahren zum 31. Oktober aus – und wurde von 50-Prozent-Gesellschafter Robert Tönnies nicht verlängert. Ruff muss gehen.

Oliver Horst

Tönnies-Geschäftsführer Andres Ruff muss nach drei Jahren gehen. Foto: Oliver Schwabe Foto:

Der Neffe von Konzernchef Clemens Tönnies darf – wie sein Onkel – jeweils zwei Geschäftsführer der Konzernmutter bestimmen. Robert Tönnies wollte Ruff schon vor einiger Zeit abberufen, weil er diesem zu viel Nähe zu Clemens Tönnies vorwarf. Der Beirat und Clemens Tönnies hatten eine vorzeitige Trennung aber verhindert. Nun ließ Robert Tönnies den Vertrag des Managers auslaufen. Zwischenzeitliche Überlegungen von Clemens Tönnies, Ruff auf anderem Wege weiter im Konzern zu beschäftigen, ließen sich letztlich offensichtlich nicht realisieren.

Auch der zweite von Robert Tönnies bestellte Geschäftsführer ist bereits seit längerem nicht mehr aktiv: Der für den Finanzbereich zuständige Dr. Stefan Gros wurde nach wenigen Monaten von seinen Aufgabe entbunden. Schon im Herbst 2018 war es zur vorzeitigen Trennung von Gros‘ Vorgänger Reinhard Quante gekommen. Ihm war von der Seite von Clemens Tönnies ein Vertrauensbruch vorgeworfen worden. Quante habe vertrauliche Unterlagen weitergeleitet, hieß es zur Begründung. Der geschasste Geschäftsführer klagte am Landgericht Bielefeld. Das bestätigte zwar die Abberufung, verurteilte den Konzern aber den Manager bis zum Auslaufen des Vertrags im November 2020 weiterzubezahlen .

Neffe und Onkel streiten seit Jahren um die Macht im Fleischkonzern – aktuell läuft eine Schiedsklage. Beide hatten zwar 2017 nach einem jahrelang erbittert geführten Rechtsstreit einen Friedensvertrag geschlossen. Doch der hielt nicht lange. Robert Tönnies reichte im Sommer 2019 eine Schiedsklage ein – mit dem Ziel der Trennung vom Onkel und dessen Sohn Maximilian Tönnies, die zusammen die anderen 50 Prozent am Fleischkonzern halten. Das Verfahren läuft vor – zum Sachstand ist derzeit nichts zu hören.

Derweil belasten den Konzern die Auswirkungen der Corona-Krise und der Afrikanischen Schweinepest. Im Juni musste die Produktion am Stammsitz für vier Wochen ruhen, nachdem es zu massenhaften Coronafällen in der Belegschaft gekommen war. Der Betrieb konnte erst nach aufwändigen zusätzlichen Schutzmaßnahmen wieder aufgenommen werden. Der Aufwand und Schaden soll sich auf eine mittlere zweistellige Millionensumme belaufen. Wegen der Afrikanischen Schweinepest besteht zudem ein Exportverbot von deutschen Standorten in den wichtigen Auslandsmarkt China. Angesichts dieser Belastungen scheint es möglich, dass der Konzern in diesem Jahr in die Verlustzone rutscht. Ein Konzernsprecher sagte jüngst, dass das Schlussquartal abzuwarten sei.

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