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Rheda-Wiedenbrück

Tönnies-Konzern steht angeblich vor Verkauf

Rheda-Wiedenbrück (be) - Ist es mehr als nur ein fadenscheiniges Gerücht? Die renommierte US-Nachrichtenagentur Bloomberg hat am Donnerstag gemeldet, dass der Tönnies-Fleischkonzern mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück verkauft werden soll. Das Tönnies-Management weist am Freitag die Spekulationen zurück.

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Bereitet er sich auf den Verkauf des Unternehmens vor? Firmenchef Clemens Tönnies (64) will sein Unternehmen nach Informationen der US-Nachrichtenagentur Bloomberg in fremde Hände geben. Foto:

„Deutschlands Wurst-König lotet Fünf-Milliarden-Geschäft aus“ lautet übersetzt die Überschrift des englischsprachigen Berichts, der Wellen schlug. Clemens Tönnies (64), Chef von Deutschlands größtem Fleischverarbeiter, bereite den Verkauf vor – ein Jahr nachdem das Unternehmen durch einen Coronavirus-Ausbruch in die Schlagzeilen kam, heißt es weiter. Vom Unternehmen selbst gab es am Donnerstag dazu keinen Kommentar.

Laut Medienberichten weist das Tönnies-Management die Spekulationen jedoch am Freitag in einem Schreiben an die Mitarbeiter zurück. Das Gerücht sei „von interessierten Gruppen gestreut worden“, heißt es demnach in der Mitteilung. „Mit Maximilian ist die nächste Generation aktiv im Management, unser internationaler Expansionskurs geht Schritt für Schritt voran", heißt es in dem Schreiben, das unter anderem der „Neuen Westfälischen“ (Bielefeld) vorliegt.

Preis von 4 Milliarden Euro im Gespräch

Das Volumen des angestrebten Verkaufs belaufe sich Bloomberg zufolge auf 4,8 Milliarden Dollar (4 Milliarden Euro). Tönnies machte im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben einen Umsatz von 7,3 Milliarden Euro und ist damit einer der größten europäischen Fleischverarbeiter. Das Unternehmen beliefert zahllose Discounter und Lebensmittelmärkte mit Frischfleisch und Wurst. Die Produkte werden weltweit verkauft. Zu den in Deutschland bekannten Marken gehören etwa Tillmann’s, Böklunder, Gutfried und Redlefsen.

Gespräche mit potenziellen Käufern sollen Bloomberg zufolge in den kommenden Wochen beginnen. Als mögliche Kandidaten werden große Rivalen genannt – darunter der börsengelistete US-Branchenprimus Tyson Foods (Umsatz: 35 Milliarden Euro) oder JBS, der größte Fleischproduzent der Welt mit Sitz in Brasilien (Umsatz: 50 Milliarden Euro). Auf der Liste steht auch die chinesische WH Group (20 Milliarden Euro Umsatz). Von keinem der möglichen Käufer gab es gestern Stellungnahmen zu den Berichten.

Streit der Gesellschafter zieht sich über Jahre

Clemens Tönnies hält 45 Prozent an dem Unternehmen, sein Sohn Maximilian 5 Prozent, sein Neffe Robert 50 Prozent. Robert, Sohn des Unternehmensgründers Bernd, streitet sich seit Jahren mit kurzen Unterbrechungen mit seinem Onkel. Nach dem Corona-Ausbruch mit fast 1500 infizierten Mitarbeitern im vergangenen Jahr forderte der Neffe den Rücktritt seines Onkels wegen Gefährdung des Unternehmens und der Bevölkerung. Tönnies beschäftigt insgesamt 16.500 Mitarbeiter. Das Unternehmen wurde im Jahr 1971 von Bernd Tönnies, dem älteren, 1994 verstorbenen Bruder von Clemens gegründet. In den Werken des Konzerns werden jährlich 17 Millionen Schweine geschlachtet.

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