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Konzernchef fürchtet durch Pläne der Regierung Wettbewerbsnachteile

Tönnies warnt und legt Konzept vor

Rheda-Wiedenbrück (WB). Deutschlands größter Fleischkonzern Tönnies mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück gibt sich Neuregelungen für die Branche gegenüber aufgeschlossen – fürchtet durch die Pläne der Regierung aber Wettbewerbsnachteile.

Oliver Horst

Clemens Tönnies fordert branchenübergreifende Werkvertragsregelungen. Foto: Oliver Horst

Einerseits drohten die Fleischbetriebe im Kampf um Mitarbeiter ins Hintertreffen zu geraten gegenüber konkurrierenden Branchen mit Werkvertragslösungen wie der Logistik oder dem Baugewerbe. Zum anderen könnten höhere Kostenstrukturen infolge der Verschärfungen die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber ausländischen Unternehmen verschlechtern.

„Durch ein einseitiges deutsches Verbot besteht die Gefahr, dass Tierhaltung, Schlachtung und Veredelung hier nicht mehr wettbewerbsfähig sind und durch Produzenten in europäischen Nachbarländer wie Polen, Rumänien oder Spanien ersetzt werden“, sagt Konzernchef Clemens Tönnies. Das gefährde auch die hiesige Agrarwirtschaft.

„Wir sind angewiesen auf fleißige Menschen, die unsere heimische Produktion hier erst ermöglichen“, erklärt Tönnies. Viele der ausländischen Werkvertragsarbeiter, die bei Tönnies allesamt nach deutschem Recht beschäftigt würden, lehnten bislang eine Direktanstellung ab, weil sie flexibel bleiben wollten, sagt Konzernsprecher André Vielstädte. In der Regel würden sie im Wechsel für einige Monate bei Tönnies arbeiten und für mehrere Wochen in ihrer Heimat leben.

Konzern schklägt Fünf-Punkte-Plan vor

Statt einer Sonderregelung nur für die Fleischbranche fordert Tönnies „in der gesamten deutschen Wirtschaft einen fairen Werkvertrag mit klaren Strukturen und Verantwortlichkeiten“. Konkret schlägt der Konzern, der sich im Austausch mit den zuständigen Bundes- und Landesministerien befindet, einen Fünf-Punkte-Plan vor.

Erstens die Abschaffung von Werkverträgen nach ausländischem Recht. Zweitens ein Verbot von unterverzweigtem Subunternehmertum. Drittens die Erweiterung der Durchgriffshaftung des Auftraggebers, der für eine menschenwürdige und wirtschaftlich faire Unterbringung aller Beschäftigten sorgen müsse. Viertens eine Überwachung der Arbeits- und Wohnverhältnisse durch eine unabhängige Stelle. Und fünftens einen Branchen-Mindeststundenlohn von 12 Euro.

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