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Landgericht: Kellnerin soll auf ihren Mann eingestochen haben

Verletzte Gefühle

Rheda-Wiedenbrück (WB). Jeder hat ihn wohl schon erlebt und durchlitten: den Trennungsschmerz. Er hat Anke S. wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen. Verzweiflung, Trauer, Wut und Alkohol sind scheinbar die Auslöser dafür, dass sie ihren Ehemann fast umgebracht hat.

Wolfgang Wotke

Landgericht Bielefeld: Die Angeklagte Anke S. wird in Handschellen von zwei Justizangestellten in den Gerichtssaal geführt. Die 56-jährige Kellnerin soll versucht haben, ihren Ehemann umzubringen, weil er sich von ihr trennen wollte. Foto: Wolfgang Wotke

Die 56-jährige Kellnerin aus Rheda-Wiedenbrück steht seit Montag wegen des Verdachts des versuchten Mordes vor der I. Strafkammer des Landgerichts Bielefeld. Sie wirkt angespannt neben ihrem Verteidiger Dr. Carsten Ernst. Immer wieder bricht sie in Tränen aus. »Ich kann mich an das alles kaum noch erinnern«, schluchzt sie und wischt sich die Augen trocken. Irgendwie scheint sie nicht zu begreifen, dass sich ihr Leben durch diese Tat gänzlich geändert hat.

Alkohol spielt bei der Tat wohl zentrale Rolle

Es ist Sonntagmorgen, der 17. Dezember 2017 , als Anke S. wach wird. Ihr Ehemann (58), Tranchierer bei einem Fleischunternehmen, schläft noch im Bett des gemeinsamen Schlafzimmers. Plötzlich schlägt die Angeklagte mit einer Wasserflasche auf seinen Kopf, danach sticht sie mit einem Fleischermesser mehrmals in seinen Oberkörper. Nicht allzu tief, aber die Wunden bluten.

Angeklagte seit November in U-Haft

Das Opfer scheint den Angriff einigermaßen überstanden zu haben, denn man raucht gemeinsam noch eine Zigarette im Wohnzimmer, ehe ihm »schummrig« wird und er ins Krankenhaus kommt. Die Ärzte verständigen schließlich die Polizei. Anke S. wird festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Warum sie zugeschlagen und zugestochen hat, weiß sie nicht. »Eine Kurzschlusshandlung?«, fragt der Richter. Sie zuckt nur mit den Schultern.

»Ich wollte diese Scheidung nicht«

Ihr Alkoholkonsum könnte in dieser elfjährigen Ehe zu einem Problem geworden sein. Die Beschuldigte gesteht: »Zweimal im Jahr habe ich exzessiv getrunken. Im Herbst hat mir mein Mann erklärt, dass er die Scheidung will.« Dann habe sie durch einen seiner Arbeitskollegen erfahren, dass noch eine andere Frau im Spiel sei. Ihr Partner äußerte, dass er mit seiner neuen Liebe unglaublich glücklich sei. »Du bist mir egal«, soll er daraufhin zu ihr gesagt haben. »Das hat meine Seele unglaublich verletzt. Ich wollte diese Scheidung nicht. Ich war am Boden zerstört.« Um mit dieser Situation fertig zu werden, begibt sich die Angeklagte in psychiatrischer Behandlung, danach entscheidet sie sich zu einer Kur.

Tatverdächtige in psychiatrischer Behandlung

Über ihren Ehemann verliert Anke S. im Gericht kein böses Wort. Er sei niemals nach Streitereien aggressiv gewesen, habe ihre Alkoholrückfälle sogar akzeptiert und sie mit Bier versorgt. »Der wollte, dass ich zuhause bleibe und keinen Blödsinn mache.« Mit ihr gesprochen habe er selten. Der Prozess wird am Freitag, 29. Juni, fortgesetzt.

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