1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Rheda-wiedenbrueck
  6. >
  7. Vom Wohlstand sollen alle profitieren

  8. >

Rheda-Wiedenbrück

Vom Wohlstand sollen alle profitieren

Rheda-Wiedenbrück (kvs) - Es gibt eine Reihe von persönlichen Eigenschaften, die Sonja von Zons zugeschrieben werden können. Herausragend sind sicher ihre Beharrlich- und Zielstrebigkeit. Diese führt Sun23flower - so lautet ihr Nickname - beim Geocaching zum Erfolg.

Anonymous User

Auch in der Politik lässt die Ratsfrau der Grünen selten locker. Nun strebt sie das Amt der Bürgermeisterin an.

„Ich kenne Sie von den Plakaten“

„Sie sind doch die Kandidatin der Grünen, ich kenne Sie von den Plakaten!“ Marissa Fürstin zu Bentheim-Tecklenburg steuert unweit des Schlosses zielstrebig auf Sonja von Zons zu. Diese Art der lokalen Prominenz ist der 47-Jährigen beinahe etwas unangenehm. Nach einem kurzen Plausch verabschieden sich die Frauen höflich voneinander – die Adelige wünscht viel Glück bei der Wahl am 13. September.

Das Gespräch dieser Zeitung mit der Bürgermeisterkandidatin, das eingebettet ist in einen ausgiebigen Spaziergang durch Schlosspark und Rhedaer Innenstadt, birgt etliche dieser freundlichen Begegnungen. Sonja von Zons überlässt sie aber nicht dem Zufall allein, sondern sucht gezielt den Kontakt – vor allem mit aus grüner Sicht vielleicht eher schwierigen Gesprächspartnern. Kürzlich hat sie sich mit jungen Landwirten getroffen. „Ich kann nur mitreden, wenn ich einmal die Perspektive des anderen eingenommen habe.“ Man sprach unter anderem über Tierhaltung und Fleischkonsum, jene heißen Eisen, von denen manch anderer lieber die Finger lässt, weil er befürchtet, es könne unangenehm werden. Nicht so Sonja von Zons („Gülle ist der Geruch meiner Kindheit“). „Jeder von uns muss mehr in die Tiefe denken“, merkt sie an.

Sprachrohr für alle, die keine Stimme haben

Sonja von Zons versteht sich selbst als Sprachrohr vor allem für jene, die keine oder nur eine leise Stimme haben. „Wenn ich meine, irgendwo besteht eine Ungerechtigkeit, dann möchte ich etwas ändern. Das geht nicht von heute auf morgen, aber so schnell gebe ich nicht auf“, sagt die gläubige Katholikin von sich. Als Beispiel nennt die Grüne den Bildungssektor: „Es muss nicht jeder Abi machen, aber jeder sollte zumindest die Chance dazu bekommen.“

Früher in der CDU aktiv

Zeiten ändern sich, Meinungen auch: Zunächst glaubte Bürgermeisterkandidatin Sonja von Zons, bei der CDU eine politische Heimat finden und darüber etwas bewegen zu können. Es habe einige Jahre gedauert, bis sie bemerkt habe, dass das nicht unbedingt immer ihre Werte gewesen seien, die dort vertreten worden sind, sagt sie rückblickend. Also machte sie 2011 rüber zu den Grünen, sitzt seit 2014 für die Partei im Stadtrat.

Es ist unter anderem das Bewusstsein, „dass wir die erste Generation sind, die weiß, dass wir unsere Erde zerstören, und gleichzeitig die letzte, die das zu verhindern vermag“, der Sonja von Zons zu den Grünen führte. „Ich möchte durch meine Entscheidungen Mensch und Natur vor Schaden bewahren“, sagt sie. Es gehe um Generationengerechtigkeit. „Damit unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Welt hinterlassen wird, müssen wir jetzt der Klimakrise entgegensteuern. Dazu gehört auch eine saubere Energieversorgung, die unsere Luft, unsere Böden und unser Wasser erhält sowie schont.“

Meinungsfreiheit ein hohes Gut

Zum anderen steht von Zons ebenso wie die Grünen für eine vielfältige und tolerante Gesellschaft. „Das Band, das uns eint und zusammenhält, ist unser Grundgesetz. Es ist unser Wertesystem, was wir für ein gutes Zusammenleben brauchen“, sagt sie. Sie wolle sich mich mit all ihrer Kraft „gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und für den Schutz dieser kostbaren demokratischen Werte“ einsetzen. Ein wesentliches Element sei die Meinungsfreiheit – und die wiederum mache es erforderlich, auch andere Ansichten zu akzeptieren.

Während Sonja von Zons mit dem Rücken zur Stadtkirche steht und über soziale Gerechtigkeit spricht, genießt sie die volle Aufmerksamkeit einer jungen Frau, die in Hörweite ihre Mittagspause verbringt. „Wir sind eine wohlhabende Stadt, aber bei vielen unserer Bürger kommt der Wohlstand nicht an.“ Lächelnd nimmt die einige Meter entfernt sitzende Zuhörerin Blickkontakt auf und reckt den Daumen in die Höhe.

Knackige Formulierungen

Es sind kurze, knackige und präzise Formulierungen, die Sonja von Zons verwendet. Sie sieht sich als Realpolitikerin. „Das heißt, Kompromisse zu finden, die sich umsetzen lassen.“ Fundiziele seien zweifelsohne häufig spannend, aber unzumutbar. „Demokratie ist anstrengend, bedeutet, Positionen auszuhandeln“, weiß die Grüne. Wenn am Ende dieses Prozesses eine Abstimmung stehe, sei das das schlechteste zu erzielende Ergebnis. „Im besten Fall kommt man doch auf einen gemeinsamen Nenner.“

Gegen Hass und Hetze

„Ich möchte die demokratischen Werte in der Gesellschaft stärken, damit die Masse nicht schweigt, wie sie es bisher noch zu oft tut, sondern für diese Grundsätze eintritt und sie verteidigt“, sagt Sonja von Zons. Wo immer es nötig sei, zeige sie klare Kante gegen jede Form von Rassismus, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit, gegen rechten Populismus, gegen Hass und Hetze. „Wir müssen aufstehen gegen die, die unsere Demokratie gefährden“, fordert die Bürgermeisterkandidatin.

Und dann sind da folgende Ziele: mehr Fahrrad und Öffentlicher Personennahverkehr, saubere Energien sowie eine „endliche Stadtentwicklung“ mit einer nachhaltigen Wirtschaft.

Startseite
ANZEIGE