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Rheda-Wiedenbrück

Wer vertritt Interessen Jugendlicher?

Rheda-Wiedenbrück (kaw) - „Viele Jugendliche haben das Gefühl, dass über ihren Kopf hinweg entschieden wird“, erklärt Detlef Nacke, warum die Move-Fraktion einen Antrag zur Berufung eines Kinder- und Jugendbeauftragten gestellt hat. Im Jugendhilfeausschuss wurde darüber diskutiert.

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In Sachen Mitbestimmung fühlen sich viele Jugendliche abgehängt. Der Jugendhilfeausschuss hat darüber diskutiert, wie das künftig anders werden kann. Ein Patentrezept gibt es aber nicht. Foto:

Einstimmiges Votum der Ausschussmitglieder: Die Verwaltung soll sich mit dem Bedarf sowie der möglichen Ausgestaltung einer solchen Rolle auseinandersetzen, so dass auf dieser erarbeiteten Grundlage weiter beraten wird. Was für konkrete Aufgaben hätte ein solcher Kinder- und Jugendbeauftragter zu übernehmen? Welche Mittel müssten für seine Arbeit bereitgestellt werden? Wie könnte eine Verankerung in bereits bestehende Strukturen aussehen? Solche Aspekte gilt es, zu betrachten.

Vielfältige Formen der Beteiligung zusammenführen

In ihrer Vorlage zur Sitzung hatte die Verwaltung dargelegt, dass es bereits vielfältige Möglichkeiten gibt, um junge Menschen zu beteiligen, angefangen von politischen Themen bis hin zu Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Es werden zum Beispiel das Jugendforum „Demokratie leben“ genannt, der Jugendkulturring der Flora Westfalica, die Einbindung über Jugendhäuser sowie die Schulen (Stichwort Schülerhaushalt). Heranwachsende könnten sich bei Stadtentwicklungsprozessen einbringen (Isek Rheda und Wiedenbrück), bei der Weiterentwicklung des städtischen Kinder- und Jugendförderplans würden unterschiedlichste Akteure beteiligt. Dr. Ina Epkenhans-Behr, Leiterin des Fachbereichs Jugend, Bildung und Sport, berichtete, dass einiges im Jugendamt zusammenlaufe. Häufig ginge es dann um ganz konkrete Anliegen.

Detlef Nacke räumte ein: „Ja, es gibt Beteiligungsformen, aber die sind punktuell.“ Es gehe vielmehr um eine Zusammenführung. Michael Pfläging (CDU) stellte die Frage, warum ein Beauftragter einen besseren und schnelleren Zugang zu Jugendlichen haben sollte, als die bereits tätigen Akteure. Er sehe keinen Mehrwert. Er gab zu bedenken, dass es mit der Einrichtung einer Stelle nicht getan sei. Es müsse zur Erfüllung der Aufgaben auch ein Budget zur Verfügung gestellt werden. Dirk Kursim (SPD) betrachtete den Move-Antrag als einen Auftakt dazu, zu erörtern, welche Bedarfe es gibt.

Kursim regt Befragung an

Er brachte eine Umfrage ähnlich der Befragung zur Situation der Senioren als mögliches Instrument ins Spiel. Sämtliche Parteien hätten sich in ihren Wahlprogrammen auf die Fahnen geschrieben, sich für junge Menschen einzusetzen, deshalb gelte es nun, sich „ernsthaft gesamtstädtisch dem Thema zu nähern“. Wäre ein Kino in der Stadthalle denkbar? Das wäre beispielsweise eine Frage, die es zu klären gelte. Seiner Ansicht nach sei ein Wegzug junger Menschen aus der Stadt festzustellen, und man müsse einen Rahmen dafür bieten, dass „junge Erwachsene hier leben bleiben wollen“.

Robra: „Uns geht es mehr um Sein als Schein“

Nicht weiter verfolgt wurde die in dem Move-Antrag ins Spiel gebrachte Idee, dass der Jugendhilfeausschuss womöglich einen „Unterausschuss Kinder“ einrichten soll. Erster Beigeordneter Dr. Georg Robra unterstrich in dem Zusammenhang die Bedeutung des bereits bestehenden Jugendhilfeausschusses. Es möge zunächst einmal gut klingen, wenn sich eine Stadt einen Jugendbeauftragten gönne, merkte er an, aber er betonte zugleich: „Uns geht es mehr um Sein als Schein“. Das bedeute, „Bedarfe so aufzugreifen, dass sie in politische und partizipatorische Beschlussfassung einmünden“. Der bestehende Ausschuss sei die Runde, „in der Menschen sitzen, die tagtäglich mit Jugendlichen zu tun haben“. Er hätte gerne die Frage beantwortet, „warum Parteien hierher in den Ausschuss keine jugendlichen Vertreter schicken“. Mit dem Verzicht auf Einrichtung eines Unterausschusses konnte Detlef Nacke leben. Er zeigte sich zufrieden: „Ich denke, wir haben eine Diskussion angestoßen, die wir ernsthaft weiterführen müssen“, betonte der Move-Vertreter.

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