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Wieviel Windkraft ist in Rheda-Wiedenbrück machbar?

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Regenerative Energien sind im Aufwind. Doch wieviele Windkraftanlagen wären in Rheda-Wiedenbrück eigentlich an welcher Stelle möglich?

Laut Landesamt sind im Kreis Gütersloh 26,5 Prozent der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien gedeckt worden. Rheda-Wiedenbrück kommt auf 47,7 Prozent.

Rheda-Wiedenbrück (kvs) - Wenn am kommenden Sonntag die Menschen in Nordrhein-Westfalen zur Landtagswahl schreiten, wird mancher sein Votum davon abhängig machen, wie Partei und Mandatsträger sich in Sachen Windkraft positionieren. Mehr denn je überlagert die Diskussion um Versorgungssicherheit die Debatte. Insbesondere die Menschen im ländlichen Raum müssen befürchten, vor dem Hintergrund des Ausbaus der erneuerbaren Energien über Gebühr belastet zu werden. Nordrhein-Westfalen will allein die Windkraft-Leistung bis 2030 verdoppeln.

Auch auf plattem Land gibt es Grenzen

Dort, wo der meiste Strom über den Zähler läuft, nämlich in den Metropolregionen an Rhein und Ruhr, sind die Möglichkeiten bekanntlich begrenzt. Also könnten es jene ausbaden müssen, die abseits der großen Zentren leben und vielfach noch einen unverstellten Blick in die Landschaft genießen. Aber selbst auf dem platten Land sind etwaige Standorte oft nur theoretisch nutzbar. Bereits im September des vergangenen Jahres hatte die CDU-Fraktion im Stadtrat den Antrag gestellt, der Politik aufzuzeigen, in welchen 2014 beschlossenen Vorranggebieten für Windenergie nach gegenwärtiger Rechtslage überhaupt noch Windkraftanlagen errichtet werden könnten – und sofern es denn gesetzeskonform ist – wie viele. 

Außerdem war die Verwaltung gebeten worden, vorrangig mit lokalen Akteuren wie beispielsweise der Rheda-Wiedenbrücker Energiegenossenschaft (Rhewie) und dem örtlichen Stadtwerk „Gespräche über die möglichst kurzfristige Errichtung“ solcher Stromerzeuger an den infrage kommenden Standorten aufzunehmen. Inzwischen liegen die Ergebnisse vor. Die Untersuchung der Konzentrationszonen nach den Kriterien der Flächengröße und der Vermeidung von Windschatten hat laut Verwaltung ein Potenzial für bis zu neun weiteren Windkraftanlagen mit einem Rotordurchmesser von 140 Metern und 4,2 Megawatt (MW) Leistung ergeben. 

Stadt hat sich klimapolitischen Leitlinien gesetzt

Diese könnten demnach insgesamt etwa 92,7 Gigawattstunden (GWh) produzieren und nach Einschätzung der Fachleute im Rathaus „damit einen substanziellen Beitrag zur Stromversorgung aus erneuerbaren Energien leisten“. Schließlich hat sich Rheda-Wiedenbrück mit den unlängst beschlossenen klimapolitischen Leitlinien das ambitionierte Ziel gesetzt, innerhalb des Stadtgebiets mindestens so viel regenerative Elektrizität zu erzeugen, wie verbraucht wird.

Neun mögliche Standorte ermittelt

Laut Energieatlas des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) sind 2020 im Kreis Gütersloh 26,5 Prozent der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien gedeckt worden. Rheda-Wiedenbrück ist mit Blick auf diesen Wert überdurchschnittlich gut aufgestellt: Die Stadt kommt auf 47,7 Prozent bei einem Gesamtstromverbrauch von 392 Gigawattstunden im genannten Jahr. Allerdings – und das ist die weniger gute Nachricht – liegt der Ausbau von Windkraftanlagen beinahe brach beziehungsweise geht lediglich schleppend voran. Stattdessen verzeichnete Photovoltaik einen stetigen Zuwachs. Um dem Ziel des Landes zu folgen und die Hälfte des „Safts“ aus Sonne, Wind, Biomasse, Geothermie und Wasser zu beziehen, muss in Rheda-Wiedenbrück der Anteil um etwa drei Prozent steigen.

Fachleute im Rathaus raten von erneuter Zonenausweisung ab

Angesichts der Leistungsfähigkeit moderner Anlagen würde ein einziger weiterer Riesenpropeller ausreichen, um dem Anspruch Genüge zu tun. Die ausgewiesenen Konzentrationszonen umfassen der Verwaltung zufolge 186 Hektar, nicht einmal vier Prozent der planerisch verfügbaren Fläche. Dort stehen aktuell acht Windkraftanlagen, eine weitere plant die Rheda-Wiedenbrücker Energiegenossenschaft bekanntlich auf Langenberger Gemeindegebiet. Angesichts des enormen bürokratischen Aufwands, den eine neue Zonenausweisung mit sich bringen würde, raten die Fachleute im Rathaus eindringlich davon ab, dieses Fass aufzumachen. Stattdessen solle man sich auf die bestehenden Konzentrationszonen fokussieren, lautet die Empfehlung an die Kommunalpolitiker. In Summe sind es 15 Einzelflächen, die theoretisch zur Energiegewinnung aus Windkraft infrage kommen, zum Teil auch schon dazu genutzt werden. Angesichts des Umstands, dass die Effektivität einer Anlage ganz wesentlich von der Höhe und dem Durchmesser abhängt, diese aber nicht überall realisierbar ist, scheiden einige davon allerdings wieder aus. Nächster Punkt ist der Windschatten, verursacht durch andere Riesenpropeller. 

Abstand zu anderen Windkraftanlagen erforderlich

Außer 1000 Metern zur Wohnbebauung müssen die Rotorblätter also überdies einen gehörigen Abstand zu den benachbarten Stromerzeugern einhalten, wenn sie denn eine möglichst große Ausbeute bringen sollen. Unterm Strich sind es – wie erwähnt – neun mögliche Standorte. Drei davon liegen kurz vor dem Aurea-Autohof im Bereich der Marburg, ein vierter in unmittelbarer Nähe auf der anderen Seite der A 2. Ein kleiner und drei größere Propeller wären zudem links und rechts von der Bielefelder Straße unweit von Gut Schledebrück denkbar, drei mit einem Rotordurchmesser von 82 Metern und zwei noch massiveren Kalibers (140 Meter und mehr) südlich von Lintel auf Batenhorster Gemarkung.

Lokale Partner geben sich aufgeschlossen

Grau ist alle Theorie, wenn weder die Wirtschaftlichkeit – sie könnte beispielsweise an einer viel zu großen Distanz zum Netzanschluss scheitern – noch die Bereitschaft der Eigentümer gegeben ist, dass auf ihren Flächen Strom geerntet wird. Die Verwaltung hat gemäß dem Antrag der CDU-Fraktion ihre Fühler ausgestreckt und festgestellt, dass unter lokalen Projektierern durchaus der Wunsch besteht, Anlagen hochzuziehen. Im Gespräch sei Interesse am Bau von drei Anlagen im Bereich der Marburg mit einer Leistung von jeweils etwa 4,2 Megawatt geäußert worden, teilt die Verwaltung mit. Aktuell fänden Abstimmungen mit Eigentümern, Stadtwerken und Genossenschaften statt, „um zeitnah eine Umsetzung anzustreben“. 

Für Batenhorst besteht ebenfalls Interesse

Die etwaigen Partner stünden zudem einer Kooperation mit der Freiflächen-Photovoltaikanlage von Maxsolar (zum Beispiel im Rahmen eines gemeinsamen Netzanschlusses) aufgeschlossen gegenüber. Ein weiterer Akteur kann sich der Verwaltung zufolge gut vorstellen, drei Windkrafträder in Batenhorst und weitere fünf zwar im Stadtgebiet, aber außerhalb der Konzentrationszonen hochzuziehen. Angesichts dessen, dass dort wie anderswo jedoch die Einschränkungen bei der Größe problematisch sind und die etwaigen Betreiber diese gern aufgeweicht wüssten, müsse gegebenenfalls die Aufstellung eines Bebauungsplans geprüft werden, heißt es aus dem Rathaus. Die Fachleute halten fest: Drei dieser „Spargel“ ließen sich kurz-, zwei mittelfristig errichten.

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