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Rheda-Wiedenbrück

Wilde Müllkippe verdirbt gute Laune

Rheda-Wiedenbrück (ei) - Hans Walter Stekelenburg, dem ehemaligen Chef der Rheda-Wiedenbrücker  Polizeiwache, ist am Wochenende angesichts eines riesigen Müllhaufens am Moorweg in Rheda die gute Laune verhagelt worden.

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Am Montagmorgen müssen Vitali Schartner und Wolfgang Krause vom Verein Pro Arbeit ihre Tour zu den Glassammelcontainern unterbrechen, um zunächst den Unrat aus dem Wald zu entfernen.

„Vielen Dank ihr uns unbekannten Zeitgenossen, dass ihr es auf diesem Wege geschafft habt, uns mit eurem rücksichtslosen Verhalten den Rest des Sonntags zu verderben!“, bedankt er sich ironisch.  Stekelenburg radelt mit seiner Frau am Nachmittag durch den Rhedaer Forst, will die Frühlingssonne genießen. „Was wir und die anderen aber zu sehen bekommen haben, löst bei allen Kopfschütteln aus und treibt manchem die Zornesröte ins Gesicht“, berichtet er am Abend. Als die Eheleute nämlich in Richtung Emssiedlung an der Herzebrocker Straße fahren, sehen sie am rechten Rand neben dem Weg kurz vor der Emser Landstraße einen riesigen Müllhaufen.

Küchenmobiliar im Wald entsorgt

Offenbar war jemand seine alte Küche leid, hatte sämtliche Schränke samt Spüle und Armatur und Laminat dort abgelegt. Diverse Unter- und Oberschränke liegen in der Natur, ebenso eine Arbeitsplatte und eine Dunstabzugshaube. Und weil er noch nicht viel verlernt hat, sucht Stekelenburg in dem Mobiliar nach Hinweisen auf den ehemaligen Besitzer – findet aber nichts. Am Montagmorgen müssen Vitali Schartner und Wolfgang Krause vom Verein Pro Arbeit ihre Tour zu den Glassammelcontainern unterbrechen, um zunächst den Unrat aus dem Wald zu entfernen. Undankbare Aufgabe dort wie hier: den Dreck anderer Menschen entfernen und auf Kosten der Allgemeinheit der Entsorgung zuzuführen. Während die beiden die Möbel zerkleinern und sie in ihrem Dreieinhalbtonner verstauen, kommt aus Richtung Kreisstadt ein Müllwagen angefahren.

Auch die Gütersloher wollen den Plunder so schnell wie möglich aus der Natur entfernen, sind aber nicht böse, dass sich die Pro-Arbeit-Leute bereits darum kümmern. Der Transporter ist fast bis unter das Dach gefüllt, als Schartner und Krause die Ablagestelle aufgeräumt haben. „Da müssen sich wahrscheinlich mehrere Zeitgenossen im Schutz der Dunkelheit dieses Mülls entledigt haben“, vermutet der pensionierte Polizeihauptkommissar Hans Walter Stekelenburg. Knapp 100 dieser wilden Müllkippen musste die Arbeitslosenselbsthilfe in diesem Jahr bereits entfernen, berichtet ein Sprecher. Dazu kommt noch der Unrat, der an den Glascontainer-Standorten jede Woche auf Kosten der Allgemeinheit eingesammelt wird.

Stadt verzeichnet Zunahme an Müllmengen

Angesichts der Einschränkungen im Zuge der Pandemie nutzt mancher die Gelegenheit, im Keller und auf dem Dachboden aufzuräumen. Das spüren nicht nur Wertstoff- und Recyclinghöfe, sondern auch Stadtverwaltungen. Denn nicht immer findet der alte Plunder den Weg zu offiziellen Entsorgungspunkten. Allzu häufig wird er in der Natur verklappt. „Im Verlauf des vergangenen Jahres ist insgesamt eine Zunahme der Müllmengen zu verzeichnen“, teilt auf Anfrage dieser Zeitung der Sprecher der Stadt Rheda-Wiedenbrück, Martin Pollklas, mit. „Leider nehmen auch jene Fälle zu, in denen der Unrat unerlaubt an den Glascontainerstandorten oder an ruhigeren Stellen im Außenbereich abgelagert wird.“

Durch illegale Ablagerungen entstehen zusätzliche Kosten

Was für einige wenige der einfachste Weg zu sein scheint, zu Hause mal klar Schiff zu machen, belastet letztlich die Allgemeinheit. „Durch die illegale Müllablagerung entstehen zusätzliche Deponiekosten in Höhe von gut 10.000 Euro im Jahr“, hat Pollklas ermittelt. Davon entfielen auf die Glascontainerstandorte etwa 8500 Euro, auf die Entsorgung sonstiger wilder Abfallmengen knapp 2500 Euro. Der Rathaussprecher hält weitere Zahlen parat: So seien 2019 an den Containerstandorten im Stadtgebiet mehr als 54 Tonnen wilden Mülls entsorgt worden, zudem noch weitere 15 Tonnen an anderen Stellen. 2020 stiegen diese Mengen auf 81 beziehungsweise 23 Tonnen.

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