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Wohnhäuser am Gänsemarkt in Wiedenbrück geplant

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Seit Jahren herrscht Stillstand an der Baulücke am Gänsemarkt. Das könnte sich nun ändern.

Schildkröte „Sammy“ hat es naturgemäß nicht so eilig. Schon 2018, als dieses Foto von der Rotwangen-Schmuckschildkröte am Baulückentümpel entstand, schien der Beginn eines Neubaus und damit die Umsiedlung des Tiers nah. Inzwischen gibt es einen anderen Investor.

Rheda-Wiedenbrück (eph) - Ein oft beklagter Schandfleck in der Wiedenbrücker Innenstadt ist das seit Jahren brachliegende Grundstück der ehemaligen Bäckerei Vorbohle am Gänsemarkt. Dort scheint jetzt etwas in Bewegung zu kommen. Wer am Samstagvormittag den Gänsemarkt an der betreffenden Stelle passierte, der glaubte seinen Augen nicht zu trauen: Das Grundstück war durch einen Bauzaun am Rande des Fußwegs eingefriedet worden. Ein kleiner und ein größerer Bagger waren auf dem Gelände im Einsatz, um Wildwuchs und Hinterlassenschaften des Alteigentümers zu beseitigen.

Investor gibt Einblick in seine Pläne

Ein Namensschild zwischen den Gittern eines rot-weiß-lackierten Bauzauns lieferte dabei einen Hinweis darauf, wer ans Werk gegangen war: Die drei Buchstaben „TTM“ waren dort zu lesen. Sie stehen für den Firmennamen „Tank Technik Meiwes“ des Rheda-Wiedenbrücker Unternehmers Theodor Meiwes. Dieser verdient sein Geld mit dem Bau und Betrieb von modernen Tankanlagen. Und richtig: Theodor Meiwes persönlich stand am Samstag, ausgestattet mit einem weißen Bauarbeiterhelm und einem Spaten in der Hand, am Rand des Grundstücks, um die Arbeiten zu beobachten. Auf Nachfrage erklärte der Investor, dass er beabsichtigt, die Baulücke mit drei 2,5-geschossigen Giebelwohnhäusern zu schließen. „Die Giebelform soll später einmal in etwa so aussehen wie die neue Bebauung auf dem Gelände von Pott-Hartwig an der Rhedaer Widumstraße“, erläuterte Meiwes und zeigte auf seinem Handy ein Bild von den dort neuerbauten fünf Giebelhäusern. 

Im Unterschied zu dem Objekt an der Widumstraße sollen die Immobilien am Gänsemarkt im Obergeschoss aber durch rückwärtige Glasumbauten mit Penthouse-Charakter miteinander verbunden werden. Für September rechnet der Investor mit dem Beginn der Bauarbeiten. „Dann wird als erstes die obere Erdschicht 30 Zentimeter für 30 Zentimeter abgetragen. Sollten Archäologen dabei auf Spuren der mittelalterlichen Stadtgeschichte stoßen, wird sich der Fortgang der Arbeiten für den Bau der Tiefgarage an dieser Stelle wohl verzögern“, erläuterte Meiwes.

Es ist noch nicht lange her, da machten sich Bündnis 90/Die Grünen und der Heimatverein Wiedenbrück Reckenberg unabhängig voneinander Sorgen um das Erscheinungsbild der Innenstadtbereiche von Wiedenbrück und Rheda. Was die Lokalpolitiker und die Heimatfreunde beklagten, waren leerstehende Häuser, unansehnliche Baulücken und nicht voranschreitende Sanierungsobjekte wie etwa auch Markt 13 in Wiedenbrück oder die Alte Mühle in Rheda. Dies alles, so hieß es, hinterlasse keinen guten Eindruck bei auswärtigen Besuchern.

Wird Bürgermeister „Sammy“ aus Tümpel retten?

Bevor der Startschuss für den Neubau am Gänsemarkt fällt, ist indessen noch ein anderes Hindernis zu beseitigen: Seit dem Abriss des Gebäude-Altbestands vor acht Jahren fällt der Blick auf einen offenen Keller am linken Rand des Grundstücks. Das Mauerwerk ist an mehreren Stellen von Schilfgras umsäumt. Der Keller selbst steht voll Wasser. Er hat sich zu einem kleinen Biotop entwickelt, ist aber darüber hinaus als Müllkippe zweckentfremdet worden. Davon zeugen etliche Dosen und Flaschen auf der grün schimmernden Gewässeroberfläche. Aufsehen erregte vor Jahr und Tag eine Schildkröte, die Nachbarskinder auf dem brachliegenden Gelände entdeckt und auf den Namen „Sammy“ getauft hatten. Das etwa 30 Zentimeter große Reptil soll danach noch häufiger an dieser Stelle gesichtet worden sein. Wie aus dem Umfeld der Nachbarn zu erfahren war, soll Bürgermeister Theo Mettenborg die Angelegenheit wohl zur Chefsache gemacht haben. Am kommenden Freitag, 10. Juni, will er demnach mit den Kindern von einst, von denen einige inzwischen das Teenager-Alter erreicht und dankend abgewunken haben, nach Schildkröte „Sammy“ suchen, die dann ein neues Plätzchen finden müsste.

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