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Weiterbildungsakademie gibt die Seminarstätte am Schloss Rheda auf

ZAB nimmt Abschied vom adligen Nachbarn

Rheda-Wiedenbrück (WB/jmg). Es gibt weniger eindrucksvolle Orte, um sich weiterzubilden. Trotzdem zieht die Zentrale Akademie für Berufe im Gesundheitswesen (ZAB) jetzt aus dem Bibliotheksturm des Schloss Rheda aus. Doch das Bildungsunternehmen war nicht der erste »familienfremde« Nutzer, wie Maximilian Fürst zu Bentheim-Tecklenburg zu berichten weiß.

Für diese schicken Räume wird ein Nachmieter gesucht (von links): Andreas Westerfellhaus (ZAB), Pascal Wosnitza, Martin Seidel (beide Von Poll), Maximilian Fürst zu Bentheim-Tecklenburg, Heike Briese und Birgit Küker (beide Fürstliche Kanzlei). Foto: Jan Gruhn

Die Wehrmacht riss sich den Jahrhunderte alten Wohnturm unter den Nagel. Das Kartenarchiv sei dort untergebracht gewesen. »Auch die Feldzüge wurden von hier aus geplant«, erklärt der Fürst. Sogar der sogenannte Afrikafeldzug unter Erwin Rommel sei hier erdacht worden. Stolz könne man darauf allerdings nicht sein, betont er.

Nach dem Müttergenesungswerk kam Bertelsmann

Etwa zehn Jahre lang hat die ZAB die Räume als Seminarstätte genutzt. »Ich komme gebürtig aus Rheda, deshalb war es für mich eine besondere Ehre«, sagt ZAB-Geschäftsführer Andreas Westerfellhaus. Doch künftig soll die Weiterbildungsarbeit nur noch an der Hermann-Simon-Straße 7 in Gütersloh stattfinden. Auf dem Gelände des LWL-Klinikums hat die GmbH weitläufige Schulungsmöglichkeiten. »Der Abschied ist natürlich mit Wehmut verbunden«, so Westerfellhaus.

Nach der Wehrmacht war zunächst ein Müttergenesungswerk eingezogen. Später kam Bertelsmann: Der Medien-Riese schulte seine Mitarbeit hier laut Maximilian zu Bentheim-Tecklenburg zum Beispiel, als der Computer in die Büros Einzug erhielt. Jetzt wird ein neuer Nachmieter gesucht.

Mieter wohnen Tür an Tür mit der Fürstenfamilie

Die bis zu 17 Räume könnten wieder als Tagungszentrum, aber auch als Bürofläche genutzt werden. Auch eine Büro-Gemeinschaft verschiedener Mieter sei denkbar, so Pascal Wosnitza vom zuständigen Immobilien-Büro Von Poll in Gütersloh. Was der Spaß kostet, wollen weder Fürstenhaus noch Edel-Makler verraten. »Die ortsübliche Miete«, heißt es nur. Nur dürfte die für »etwa die Hälfte des Schlosses« (zu Bentheim-Tecklenburg) nicht gerade günstig sein.

Die neuen Mieter würden übrigens Tür an Tür mit der Fürstenfamilie wohnen. Es gibt zwar einen separaten Eingang, laut Fürstenhaus das größte Bauprojekt am Schloss seit Langem. Aber die Mieter können auch durch die Flure des barocken Flügels wandeln – immer unter den Augen der adligen Ahnen. Die hängen nämlich als Porträts links und rechts des Mittelganges. Aus den Bürofenster sind der Schlosspark mit Ems auf der einen Seite, grüne Felder auf der anderen Seite zu sehen.

Auch im Schloss gibt’s Highspeed-Internet

Das Schloss selbst wurde 1747 fertiggestellt. Der Turm, in dem sich die Räume befinden, stammt in Teilen sogar aus dem 12. Jahrhundert. Trotzdem sei die technische Ausstattung, bedingt durch die Bertelsmann-Periode, zeitgemäß. Selbst Internet in Höchstgeschwindigkeit sei kein Problem, sagt der Fürst.

Interessenten dürften also schnell gefunden sein. Auch für ein anderes adliges Objekt soll es laut Immobilien-Büro und Fürstenhaus bald einen neuen Nutzer geben: das Haus Bosfeld. Dort stünde man kurz vor dem Abschluss, heißt es.

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