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Verstärkeramt: Eigentümer treffen sich zum Gütetermin vor dem Amtsgericht

Zahnarzt muss Garten weiter teilen

Rheda-Wiedenbrück (WB). Ein Zahnarzt als neuer Teileigentümer des Verstärkeramtes nahe St. Vit wird seinen 2000 Quadratmeter großen Garten nicht allein nutzen dürfen. Das ist jetzt im Amtsgericht Wiedenbrück bei einem Gütetermin festgestellt worden.

Carsten Borgmeier

Ein Zahnarzt aus Wiedenbrück lässt derzeit seinen Eigentumsbereich am Verstärkeramt zum Wohnen herrichten. Er hatte die Räumlichkeiten (240 Quadratmeter) plus Gartenflächen im vergangenen April von Frank und Sylvia Dust erworben. Foto: Carsten Borgmeier

Insgesamt gehört das frühere Verstärkeramt an der Eusterbrockstraße 44 fünf Personen und einem Verein, der im Keller ein Museum zur Geschichte des 1938 errichteten Gebäudekomplexes betreibt.

Im Vorfeld des Verkaufs des früheren Cafés (240 Quadratmeter) und dazugehöriger Gartenfläche (2000 Quadratmeter) durch Frank und Sylvia Dust (beide 44) hätten Sondernutzungsrechte von Wegen und Flächen laut eines Beschlusses aus einer Eigentümer-Versammlung zugunsten des Zahnarztes beschränkt werden sollen. Doch diesen Beschluss vom 17. März erklärte Amtsrichterin Dr. Jutta Mers jetzt für ungültig. Somit muss der Zahnarzt dulden, dass die übrigen Teileigentümer die durch seinen Garten verlaufenden Wege jederzeit betreten dürfen. Zum Teil handelt es sich dabei um Fluchtwege des Museums.

Am Sondernutzungsrecht ist nicht zu rütteln

Angestrebt hatten das Verfahren die Teileigentümer Sebastian Schalück, Dirk Bollmohr sowie Reinhard und Helga Kügeler vom »Verein Radio- und Telefonmuseum im Verstärkeramt«. Auch Hans Schalück (78), der die gesamte Anlage 1999 von der Telekom erworben und sie seinem Sohn Sebastian übertragen hatte, saß mit im Saal.

Als Beklagter trat Martin Lautensack in seiner Doppelrolle als Verwalter und weiterer Miteigentümer des Verstärkeramtes im Amtsgericht auf. Juristisch begleitete wurde er von Rechtsanwalt Frank Kröger. Der Zahnarzt, um dessen Garten es ging, war nicht zugegen.

Richterin Dr. Jutta Mers stellte klar, dass an den Sondernutzungsrechten aller Eigentümer auf im Grundbuch eingetragenen Wegen und Flächen nicht zu rütteln sei. Die Klägerseite um Sebastian Schalück äußerte sich in der Verhandlung erstaunt darüber, wie der für nichtig erklärte Beschluss überhaupt zustande kommen konnte. »Wir sind gar nicht gefragt worden. Man hat uns völlig über den Haufen gefahren«, meinte sein Vater Hans Schalück.

Zu Gesprächen bereit

Rechtsanwalt Kröger zeigte sich nach kurzer Besprechung mit seinem Mandanten kompromissbereit: »Uns geht es um eine vernünftige Lösung, wir sind zu Gesprächen bereit.« Demnach soll es ein angedachtes, abschließbares Tor zum Garten oder ein eingeschränktes Angebot der Parkplätze dort nicht geben.

Auch der Zahnarzt, der seine Praxis in Hövelhof (Kreis Paderborn) hat und anonym bleiben möchte, zeigte sich auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage kompromissbereit. Dem Verdacht von Klägerseite, die Eheleute Dust hätten ihn hinsichtlich der Sondernutzungsrechte getäuscht oder sie ihm gar verschwiegen, erteilte der Wiedenbrücker eine Absage. »Ich bin im Vorfeld vollumfänglich von der Situation in Kenntnis gesetzt worden. Ich kaufe doch nicht die Katze im Sack. Niemandem sind irgendwelche Vorwürfe zu machen. Wir möchten dort nur in Frieden leben und nicht in die Streitereien hineingezogenwerden.«

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