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Montagsmelange tritt nach 13 Jahren von der Bühne in Rietberg

Ein Küsschen zum Abschied

Rietberg (WB/stl). Sie machen Schluss, wie das Publikum es von ihnen erwartet: ohne Pathos, ohne großes Bohei, nur mit ein paar kleinen Sentimentalitäten, die am Ende der dreistündigen Show und zum Abschluss einer 13 Jahre währenden Veranstaltungsreihe auch durchaus angebracht sind.

Das »Sole-Mio-Trio« singt, streitet und versöhnt sich. Foto: Stefan Lind

Leopold & Wadowski verabschieden sich mit der 38. Montagsmelange aus Rietberg und lassen sich in der Cultura noch einmal richtig feiern. Die beiden Gastgeber Leopold Altenburg und Thorsten Wadowski spielen mit ihrer Band, den Zartbesaiteten, noch einmal ihre Lieblingssongs: die musikalischen Betrachtungen über Frauen, die mit achtundzwanzigeinhalb genau das passende Alter haben, oder über die liebestolle Partnerin, die gerade ihren Eisprung erlebt.

Leopold plaudert von früher. Er erinnert daran, wie es 2005 im Ratssaal des Progymnasiums los- und später im Kolpinghaus weiterging: »Einmal hat die Technik komplett versagt, und ich musste 30 Minuten ohne Licht und Ton improvisieren, bis es weitergehen konnte.« 2008 folgte der Umzug in die Cultura, und einige Male gab es Open-Air-Veranstaltungen in der Volksbank-Arena.

Frust über Outlet-Ablehnung

Grund für den Abschied sei nicht etwa, dass Kulturig-Chef Volker Pappert im November in Rente gehe, lässt Leopold augenzwinkernd wissen. Nein, der Kollege Wadowski sei persönlich enttäuscht von den Rietbergern, die kurzerhand das City-Outlet abgelehnt hätten: »Da hat dieser Mann so viel Liebe in das Projekt gesteckt, und dann kommt ihm die Demokratie dazwischen.«

An guten Sprüchen mangelt es nicht an diesem Abend. Entertainer Brian O’Gott hat ein vergiftetes Kompliment fürs Publikum dabei: »Es ist so schön hier. Wenn ich die Wahl hätte zwischen Ihnen und drei Wochen Hawaii, ich würde Sie vermissen.« Besonders sympathisch: Er hat eigens einen Song für Volker Pappert eingespielt, der in dem Refrain gipfelt: »Wir werden dich vermissen hier in Rieti-Town«.

Alte Bekannte auf der Bühne

Alte Bekannte sind auch Noah Chorny, der waghalsige Klettereien an der Laterne zeigt, und Comedian Sanjay Shihora, der zwischen Lebensweisheiten aus Indien und dummen Sprüchen hin und her springt (»Hat das Blümchen einen Knick, war der Schmetterling zu dick«). Robert Choinka präsentiert sich als Macho-Automechaniker, der sich zur Freude der Damen fast komplett entblättert. Tante Luise und Herr Kurt bieten Slapstick und Turnübungen. Es ist an diesem letzten Abend eine bunte Mischung.

Leopold gönnt sich einen Gastauftritt in der eigenen Show mit dem »Sole-Mio-Trio«, das genau diesen Gassenhauer intoniert, und irgendwann ist es schon kurz vor elf, die ersten Gäste gehen, denn in der Cultura ist es mal wieder unerträglich warm. Aber wer früher aufbricht, verpasst den melancholischen Schluss mit einem kleinen Lied, in dem es wehmütig heißt: »Irgendwann muss alles mal vergehn.« Und trotzdem feiern zum Schluss alle Künstler und alle Kulturig-Leute fröhlich auf der Bühne. The show must go on - und tatsächlich gibt es schon Pläne für eine ähnliche Reihe, moderiert von Ingo Oschmann.

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