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FWG-Urgestein Werner Bohnenkamp ist im Alter von 71 Jahren verstorben

Er liebte Rietberg über alles

Rietberg (WB). »Wir weinen um Dich, lieber Werner«, übermitteln die Freunde aus Polen schon wenige Stunden nach dem Tod. Die Betroffenheit ist nicht nur in ganz Rietberg groß. Werner Bohnenkamp, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Rietberg, FWG-Urgestein, Vermittler in den internationalen Welten und vor allem Mensch ist seinem schweren Leiden letztlich doch ganz plötzlich erlegen.

Petra Blöß

Mit Pfeife und einem sympathischen Lächeln: So kannten und mochten nicht nur die Rietberger Werner Bohnenkamp. Foto: Stadt Rietberg

Zu den Karnevalsumzügen in diesem Jahr freute er sich noch, dass die Ärzte ihm eine zweijährige Frist gegeben hätten. Und noch am Donnerstag vergangener Woche war er in der Ratssitzung dabei, obwohl es ihm sichtlich sehr, sehr schlecht ging. Am Wochenende zuvor hatte er sich, wie er im WB-Gespräch sagte, selbst aus der Klinik entlassen, um beim Treffen mit den jahrzehntelangen Freunden aus Ribérac dabei sein zu können.

Bürgerentscheid war sein »Todesstoß«

Einen Tag später wohnte er in der Wahllobby im Ratssaal den Live-Ergebnissen des COC-Bürgerentscheids bei. »Das ist mein Todesstoß«, sagte er wörtlich, tief enttäuscht über das Votum der Bürger, das mehrheitlich gegen das Projekt gefallen war.

Den 71-Jährigen zu beschreiben, nein, das ist nicht leicht, keineswegs. Da gibt es natürlich die vielfältigen Daten und Fakten eines engagierten Lebens im Ehrenamt, hinter dem oftmals auch die Familie zurückstehen musste, eines Lebens im Ehrenamt aber, dass nicht dem Selbstzweck galt, sondern den Menschen in seiner geliebten Heimatstadt Rietberg. Vor allem den schwachen und den jungen.

Es wäre müßig aufzuzählen, welche Funktionen Werner Bohnenkamp von wann bis wann hatte, 26 Jahre stellvertretender Bürgermeister beispielsweise. Denn dem langjährigen verantwortlichen Mitarbeiter der Cre­dit­reform ging es nicht um solcherlei. Wenn irgendwo Hilfe gebraucht wurde, gerade da, wo junge Menschen in ihrer eigenen Familie nicht mehr klarkamen, da war Werner Bohnenkamp da, auch nachts, mit Rat und Tat und einem schier unglaublichen Elan, das Optimale für die Kinder zu erreichen.

Auch im Ausland genoss er hohes Ansehen

Auch die Neugier auf das Leben, was es noch bringen mag, die Neugier auf immer neue Begegnungen, ohne die bisher getroffenen Menschen zu vergessen, zeichneten das Rietberger Urgestein aus. Im vergangenen Jahr verlieh man ihm den bis dato einmaligen Ehrentitel der Gemeinde Gierzwald, einem kleinen polnischen Ort unweit von Naterki.

Dorthin gibt es enge und lange Verbindungen Rietberger Familien ohne offizielle Städtepartnerschaft. Wann immer es ging, war Rietbergs stellvertretender Bürgermeister bei den Begegnungen dabei, im kleinen Dorf nicht allzu weit von Allenstein, jenem Fleckchen Erde, das ein eigenes »Wembley-Stadion« hat und Seen, an denen so wunderbare Ruhe herrschte, die Bohnenkamp genoss. Ostpreußen eben.

Natürlich war Bohnenkamp auch involviert in die offiziellen Rietberger Städtepartnerschaften mit Glogowek und Riberac, von Beginn an, wurde in der deutsch-türkischen Kontaktgruppe ausgezeichnet und erhielt die Verdienstmedaille der Stadt Rietberg.

Große Anteilnahme auch im Internet

Er war im Kreistag aktiv, sein Herz gehörte der Jugendarbeit in Rietberg und dem Kuratorium der Südtorschule. Es schlug seit 1978 für die Arbeit im Rat vor allem mit menschlichen Facetten, es schlug natürlich besonders auch für seine Frau Uschi und die Familie. Jetzt hat es doch allzu früh aufgehört zu schlagen.

Die Rietberger, die polnischen, türkischen und französischen Freunde, sie alle und viele mehr werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Auf Facebook verbreitete sich die Nachricht am Dienstagabend wie ein Lauffeuer, Schmerz und Betroffenheit, international, wurden dutzendweise geäußert.

Werner Bohnenkamp wird am kommenden Samstag zu Grabe getragen.

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