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Paderborn-Trainer Steffen Baumgart überzeugt in „Pistors Fußballschule“

Erfreulich bodenständig

Rietberg (WB). Wie wohltuend! Glanz und Glamour in der Bundesliga, der Rubel rollt, „Performance-Manager“ machen ihre Jobs. Und dann kommt der Trainer des SC Paderborn in „Pistors Fußballschule“ und wirkt in der Cultura volksnah, ehrlich und reflektiert.

Andreas Berenbrinker

In der Cultura: WDR2-Moderator Sven Pistor (rechts) hat Paderborn-Trainer Steffen Baumgart in seine Fußballschule geholt. Foto: Andreas Berenbrinker

Eins vorweg: Ohne den Besuch von Steffen Baumgart (48) wäre die bereits vierte Show des WDR2-Moderators Sven Pistor (47) in der Cultura recht arm an Höhepunkten gewesen. „Pistors Fußballschule“ – diesmal mit dem Untertitel „Vollpfosten reloaded“ – lebt in erster Linie vom stets gut aufgelegtem Moderator und ganz vielen mehr oder weniger lustigen Videoclips und Fotos rund um das Thema Fußball. Da darf „Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien“ von Andreas Möller – obwohl zigfach gehört – genauso wenig fehlen wie ein Spruch des Fußball-Prolls und RTL-Dschungel-Experten Thorsten Legat. „Manchmal ist wenig immer viel“, sagte der ehemalige Profi, der sich seine Hose bei einem Mannschaftsfoto des FC Schalke einst bis zu den Achseln hochzog und sich dafür eine saftige Geldstrafe durch den damaligen S04-Manager Rudi Assauer einhandelte.

Viele Gags sind nicht neu

Das ist alles nett, oft auch lustig und zum Kopfschütteln, aber nicht gerade neu. Doch Sven Pistor holt sich auch stets prominente Gäste in seine Show und mit Steffen Baumgart hat er einen Volltreffer gelandet. Der Trainer des Bundesliga-Schlusslichts SC Paderborn gibt sich äußerst bodenständig. Angesprochen auf die sportliche Lage des SCP betont er, dass das Glas immer halb voll sei. Pessimismus oder gar Aufgeben sind für ihn keine Option. Es ist diese sympathisch-bescheidene Art und Weise, die beim Publikum ankommt. Der ehemalige Profi des FC Hansa Rostock empfindet den Auftritt in Rietberg nicht als lästige Pflicht, er versteckt sich nicht hinter der Bühne, sitzt im Publikum und präsentiert sich sehr authentisch. Auf seine Spieler lässt er nichts kommen. „Wir können gerne verlieren, aber dann bitte immer mit Vollgas“, sagt Baumgart.

Und er versteckt sich nicht hinter Floskeln oder Allgemeinplätzen. Er positioniert sich klar gegen die zu Saisonbeginn eingeführte Gelbe Karte für Trainer: „Das ist doch mehr als Banane.“ Auch zum Thema Videoschiedsrichter hat er eine klare Meinung. „Das macht eigentlich schon Sinn, aber vieles wird übertrieben.“ Und dann ist da noch das Thema RB Leipzig. Rasenballsport, aber eigentlich Red Bull. Wer glaubte, Baumgart würde hier als Bundesligakonkurrent mit seiner Meinung hinterm Berg halten, sah sich getäuscht. „RB Leipzig macht sportlich einen tollen Job und ist Favorit auf die Meisterschaft“, sagte Baumgart zwar. Aber mit dem Osten habe der Verein nichts zu tun. Es gebe keinerlei Tradition, und dem Klub seien die Fans oder Zuschauer mehr oder weniger egal.

Pistors Ausflug in die Geschichte des FC Bayern München war ein weiterer Höhepunkt. 1900 gegründet, hätten die Bayern in späteren Jahren finanziell nur überlebt, weil sie 1972 vor 80.000 Zuschauern im für die Olympischen Spiele gebauten Stadion spielen durften. Aber Pistor vergaß keineswegs, dass der Rekordmeister aus guten Gründen zum mit Abstand erfolgreichsten Verein Deutschlands geworden ist.

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