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Rietberg

Friedemann Weise begeistert in Rietberg nicht jeden

Rietberg (gdd)

Weise wetterte gegen die sozialen Medien, besang „russische Hecker und Boris Becker“ und gestand: „Ich wär so gerne eine Frau“.

In der Cultura wetterte Friedemann Weise am Donnerstagabend unter anderem gegen die sozialen Medien und damit „gegen den ganzen Dreck, der dort geparkt wird“.

Rietberg (gdd) - „Bingo“ sang der Comedian Friedemann Weise und zählte nach, geblendet vom Scheinwerferlicht, wie viele Ecken der Rietberger Rundbau hat – er kam auf vier. Der gebürtige Gummersbacher, als Satiriker über verschiedene TV-Formate bekanntgeworden, hat am Donnerstagabend in der Cultura sein Bestes gegeben. Doch nicht jeder der rund 130 Zuschauer konnte sich daran begeistern.

Hier die Erleuchtung, dort die Erleichterung

Weise wetterte gegen die sozialen Medien und damit „gegen den ganzen Dreck, der dort geparkt wird“. Und er besang, wer dort verkehrt: „Russische Hecker und Boris Becker, sie treffen sich alle bei Twitter, dann schreien sie sich an. . . so fängt der Spaß von vorne an.“ Einig war er sich mit dem Publikum, dass er im Internet „zu Kreuze kriechen muss“, wenn er mal ein Passwort vergessen habe. Aber wie kommt er dann im Tatzusammenhang auf die Idee, darüber zu sinnieren, dass eine Kirche keine öffentliche Toilette sei, indem er feststellt, hier sei die Erleuchtung, dort die Erleichterung präsent. Man wisse ja, „wo der Sex mehrheitlich“ stattfinde. Und er singt seine Wunschvorstellungen: „Ich wär so gerne eine Frau“, oder noch besser „ein Geist, der durch die Zeit reist“. 

Doch stattdessen postet Friedemann Weise („Ich war früher ein kognitiver Typ“) täglich News, Sprüche und Bildwitze auf seiner Facebook-Seite. Vielleicht ist dies entschieden einfacher als mit Talent einen reiferen Comedian-Lifestyle authentisch zu beschwören. Sein drittes Solo-Programm heißt „Bingo“, der Name dient bekanntlich als Ausruf für ein geglücktes Erlebnis. Gemessen am Beifall des Publikums, das bei den meisten Pointen über ein Kichern nicht hinaus kam, galt es, dieses Glück anzuzweifeln. 

Scheinbar verwirrt vom eigenen Nonsens

Sein inhaltliches Angebot zog der „King of Understatement“ teilweise verwirrend in die Länge. Als lustiger Zeitgenosse mit Gitarre sprang, sang, zupfte und hangelte er sich von einem Thema zum nächsten. Scheinbar verwirrt vom eigenen Nonsens, wirkte er zwischendrin wie ein Heuschreck, der durch die „deutsche Humorlandschaft“ schwirrte, die er anfangs selbst beschworen hatte. Dazu passte einer seiner vielen Songs, Titel „Durchgeimpft auf Norderney“, und bezeichnete diesen als „Pandemie-Sommerhit“. Lob teilte der Entertainer für die Cultura aus: „Man empfängt mich hier im besten Haus der Stadt“, meinte er – zusammen mit dem dezenten Hinweis, anderswo habe er „den besoffenen Cousin des Hausmeisters am Mischpult“ erlebt. Wie sagte Friedemann Weise zwischendurch genüsslich: „Man kann aus allem Pesto machen, man muss es ja nicht essen.“ Zustimmung!

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