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Rietberg

Gecko-Paradies liegt in Mastholte

Rietberg-Mastholte (gdd) - In Rietbergs Süden versteckt sich ein tropisches Paradies: Sonne satt von 8.30 bis 19 Uhr, schattenspendender Bambus, Dschungel mit Korkterrassen, Drinks, Mangos, Bananen, und als Snack knackige Ofenfische. Tagsüber kühlen Sprühnebel, die vergessen lassen, dass 34 Grad Celsius herrschen.

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Neugierig schaut der Blaue Bambus-Taggecko in die Kameralinse. Er lebt zusammen mit zwei weiteren Exemplaren der Gattung Phelsuma klemmeri in Mastholte. Foto:

Das Mastholter Eldorado kann man genießen. Aber nur, wenn man eine Schuppenechse – genauer: ein Blauer Bambus-Taggecko – ist. Die Phelsuma klemmeri, so der wissenschaftliche Name der farblich attraktiven Tiere aus Madagaskar mit den neonblauen Seitenstreifen, leben in einem Zweifamilienhaus mit Maxim und Natalie Lengle sowie Sohn Lenard zusammen. Der Aquarianer wurde zusätzlich noch zum passionierten Terrarianer, als er vor zwei Jahren von einem Freund, der seine Interessen teilt, zwei Gecko-Weibchen übernahm.

Auf ihrer Heimatinsel werden die Echsen gejagt

Dazu sollte man wissen, dass Maxim Lengle ein überzeugter Verfechter des Tier- und Artenschutzes ist und seinen neu erworbenen Lieblingen, die bis zu zehn Jahre alt werden können, ein Domizil in einem räumlich großzügigen Terrarium geschaffen hat. Das Becken zieren tropische Pflanzen, die Rückwand aus Naturkork hat Balkone. So ähnelt der Aufenthalt hinter Glas in etwa den natürlichen Lebensverhältnissen der seltenen Schuppentiere.

Bambus-Taggeckos werden auf ihrer Heimatinsel gejagt und verkauft. Die Vertreter ihrer Gattung – besonders der etwa neun Zentimeter lange Blaue Bambus-Taggecko – müssen sich mit einem schwindenden Terrain im Inselnorden abfinden. Seit 2011 werden sie als gefährdet eingestuft. „Bei uns fühlen sie sich sichtlich wohl. Sie sind zahm und zutraulich geworden“, sagt Maxim Lengle. Zum Beweis zückt er eine Pinzette.

Daran zappelt ein Ofenfischchen, ein 13 Millimeter langes stromlinienförmiges Futterinsekt, eng verwandt mit den berüchtigten Silberfischchen. Lengle züchtet den Lebendvorrat selbst. Auch zappelnde Fruchtfliegen und Heimchen stehen auf dem täglichen Speiseplan seines Trios. Dazu reicht er in Schalen einen Mango-Bananen-Brei. Oder er lässt sie eine frische Apfelsinenscheibe ablecken. Das Pärchen schleicht aus der Bambusrohrhöhle. Sehr langsam, fast unmerklich, robben beide von zwei Seiten an den leckeren Schmaus heran. Und schneller als ein Wimpernschlag verschwindet die Beute plötzlich im weiblichen Gecko-Rachen. Der Fotograf, der auf einen „Schnapp zu“-Schuss gehofft hatte, war zu langsam und muss die nächste Fütterungsrunde abwarten...

Tierquälerei keine Chance geben

Gute Pflege danken die Blauen Bambus-Taggeckos, die zur Familie der Haftfinger zählen, mit entzückendem Nachwuchs. Maxim Lengle setzt seine Hoffnung voll auf baldigen Familienzuwachs. „Im Sommer sind alle fünf Wochen Gelege mit einem bis zwei Eiern zu finden“, berichtet er. Eine größere Anzahl befruchteter Eier bewahrt das Weibchen im Körper auf, sie dienen ihm so als Vorrat für die nächste Lege-Aktion. Mit jedem neuen Gecko, schätzt der Mastholter, könne er einen Beitrag zum Erhalt der Gattung leisten. „Das ist mein Ziel“, stellt er heraus.

Seine beiden „Mädels“, wie er sie gern nennt, hätten sich häufig gestritten: „Ich musste sie deshalb trennen.“ Die eine sitzt nun solo im ebenfalls komfortabel eingerichteten gläsernen Eigenheim. Die andere, so hofft Lengle, soll das neue Männchen erfreuen. Erst im Oktober hat er den Bambusgecko-Mann bekommen, auf ungewöhnliche Weise. „Ich wollte keinen Händler ansprechen und auch keine Heimtiermesse aufsuchen, um sicher zu sein, dass ich Tierquälerei nicht unterstützt habe.“

Maxim Lengle: „Wir sind uns sympathisch“

Im Internet entdeckte er einen Gleichgesinnten aus dem süddeutschen Raum, der sich mit dem Vorbehalt, er wolle sich erst persönlich ein Bild von der Qualität der Mastholter Terrarienanlage machen, zum Verkauf bereit zeigte. „Ich war baff, als ich einen weißen Kombi, der als Flaggschiff einer berühmten Automarke bekannt ist, vor meiner Haustür stoppen sah. Der Fahrer und seine Ehefrau hatten die 500 Kilometer weite Anreise auf sich genommen.“

Der Besitzer des Schuppenkriechtiers habe sich als hochkarätiges Vorstandsmitglied seines Konzerns ausgewiesen. „Er ist ein echter Gecko-Kenner“, stellt Lengle begeistert fest. Der Gast besah sich die Terrarienanlage im Wohnzimmer von allen Seiten. Er war von ihrer raffinierten Technik so beeindruckt, dass er dem Mastholter das kostbare Männchen spontan schenkte. „Zusätzlich hat er mir nützliche Tipps gegeben“, sagt Maxim Lengle. Der enge Kontakt werde bleiben – „wir sind uns sympathisch.“

Technik und Fürsorge garantieren optimale Bedingungen

Erst wird das Ofenfischchen in eine Schale voll weißem Pulver eingetaucht. Eingestäubt mit Calcium und Vitamin D3, reicht Maxim Lengle den Leckerbissen seinen Geckos täglich mit einer Pinzette. Drei bis vier Portionen von Insekten, auch Fruchtfliegen und Heimchen, verschlingen sie bis zur Sättigung. Ihre Schwarzaugen, in goldene Ringe eingefasst, glänzen zufrieden.

Lengle begnügt sich nicht mit einer standardisierten Ausstattung seiner Terrarien, deren Größe über dem Richtwert liegt. Vielmehr will er eine optimale Versorgung rund um die Uhr gewährleisten, seinen Schützlingen ein Dasein ohne Pannen anbieten. Die Gattung Phelsum klemmeri soll es gut haben bei ihm, meint der 28-Jährige. Die Lebensversorgung der Blauen hat der ausgebildete Elektriker im Griff, denn Stromverbrauch, Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind bei ihm automatisiert. Dazu kommen UV-Metalldampflampen und Sonnenstrahler. Die Tiere werden mit Licht und Wärme versorgt und bleiben so gesund. Die Geräte schalten sich auch ein, wenn die Temperatur einmal abfallen sollte.

Asseln und Springschwänze als Bodenpolizei

Außerdem verfügt Lengle über seine eigene private Bodenpolizei, die ständig im Einsatz ist: „Im Becken tummeln sich weiße Asseln und Springschwänze. Diese tagaktiven Insekten räumen Kot und Schimmel weg.“ Wenn er außer Haus sein Smartphone einschaltet, überblickt er die Situation in seinen Terrarien, kann sofort eingreifen, wenn es nötig ist. Beispielsweise kann er den Wetterfrosch spielen: „Wenn ich einen Sprühregen simulieren will, geht das per Klick, wo immer ich bin. Ich kann alle Abläufe in den Becken justieren, ich brauche nur den Internetempfang“, erklärt der Mastholter.

Kann ein Gecko-Leben weit ab von Madagaskar zufriedener verlaufen? Lengle: „Ich nehme den Tierschutz sehr ernst. Da die Blauen Bambus-Taggeckos gefährdet sind, bietet sich die Chance an, dass sie durch das Nachzüchten als Population überleben. Was ihnen die freie Natur bietet, kann ich nicht bieten – wohl aber ihnen das Leben so angenehm wie möglich machen.“

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