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Rietberg

Nonnen frischen betagtes Textil auf

Rietberg (eph)

Geweiht ist sie zwar noch nicht - die „neue“ alte Fahne der Schützengilde St. Hubertus Rietberg. Doch nach aufwendiger wochenlanger Restaurierung hat das ehrwürdige Textil wieder seinen angestammten Platz in der Vitrine des Schützenheims am Festplatz am Torfweg eingenommen.

Die neue Fahne präsentieren (v. l.) Oberst Hubert Handing, Vorsitzender Stefan Kay, Fahnenoffizier Karl-Heinz Potthoff, stellvertretender Vorsitzender Dirk Ehlers sowie das amtierende Königspaar André und Kirsten Nordmann. Foto:

Und auch bei der Nepomuk- und der Fronleichnamsprozession hatten die Schützen sie jüngst schon wieder mitgeführt. Die offizielle Fahnenweihe durch Präses Andreas Zander soll – so ist der Plan – zum Zeitpunkt des abgesagten Schützenfestes im August erfolgen. Das gute Stück hat schon einige Jahre auf dem Buckel. Der Zahn der Zeit hatte kräftig an der 1963 in der Paramentenstickerei des Benediktinerinnenklosters Varensell gefertigten Fahne genagt. 

Mit Benediktinerinnenkloster in Osnabrück schnell eine geeignete Fachwerkstatt gefunden

So kam auf einer Vorstandssitzung des Jahres 2019 die Frage nach der Zukunft auf. Nach kurzer Diskussion war man sich schnell einig: „Wir wollen die Fahne erhalten und werden sie restaurieren lassen“, hieß es, erinnert sich der stellvertretende Schriftführer und Pressewart Dieter Peitzmeier. Erste Adresse dafür wäre einmal mehr die Fachwerkstatt für Paramentenstickerei im heimischen Kloster gewesen. Doch die hat sich inzwischen auf die Herstellung und Restaurierung liturgischer Gewänder konzentriert. Mit dem Benediktinerinnenkloster in Osnabrück war jedoch schnell eine Fachwerkstatt aus demselben Orden gefunden. Die dort lebenden Nonnen zeigten sich bereit, das profane Stück zu restaurieren. Im Kloster von Osnabrück wurden die einzelnen Stickmotive sorgfältig abgetragen. 

Anschließend wurden sie auf einem neuen wetterfesten Unterstoff wieder aufgetragen. Stefan Kay, der Vorsitzende des Vereins, ist hocherfreut über die gelungene Restaurierung der Schützenfahne und deren Finanzierung. Die Schützen haben sich das einen mittleren vierstelligen Betrag kosten lassen. Dabei fußt das Finanzierungsmodell auf drei Säulen: dem erfolgreichen Aufruf zu einer Sonderspende beim letzten Schützenfest, einer Zuwendung aus Mitteln der Rietberger Bürgerstiftung und einer größeren Spende eines Gönners, der ungenannt bleiben möchte. „Wir sind allen Unterstützern sehr dankbar und froh sowie stolz, dass die alten Stickereien erhalten werden konnte. Die Fahne sieht nun wieder aus wie neu, trägt aber den historischen Wert der Stickereien immer noch in sich“, freut sich Gilde-Vorsitzender Stefan Kay.

Schützen tragen Fahne bei vielen Anlässen voller Stolz durch die Stadt

Rietbergs Schützenchef Stefan Kay und seine Gilde-Grünröcke hoffen nun, die Fahne, die übrigens nicht bei Beerdigungen zum Einsatz kommt, da es für diesen Zweck ein weiteres Exemplar gibt, bald wieder bei einem offiziellen Termin nutzen zu können. Fast 60 Jahre schon begleitet das gute Stück die Rietberger bei Veranstaltungen. In der Vergangenheit trugen es die Gildeschützen und namentlich Fahnenoffizier Karl-Heinz Potthoff bei vielen Anlässen voller Stolz durch die Stadt. Die Blicke der Rietberger auf sich gezogen hatte die Fahne in den vergangenen Jahren so zum Beispiel immer wieder bei den Nepomuk- und der Fronleichnamsprozessionen. Coronabedingt fiel diese Veranstaltung zuletzt bekanntlich aus. Ein Ereignis bleibt vielen Mitgliedern des Vereins wohl für immer unvergessen: Der Königinnentag des Bunds der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, den die Gilde im Jahr 2016 in ihrer Heimatstadt ausgerichtet hatte.  

1963 hatten die Rietberger Grünröcke die Fahne angeschafft. Sie darf bei keiner offiziellen Veranstaltung fehlen und ist daher seit Jahrzehnten allgegenwärtig im Vereinsleben der Gemeinschaft. Auf ihrer Vorderseite zeigt das Textil in farbenprächtiger Stickerei das markante Rietberger Rathaus und darunter das Stadtwappen. An den vier Seiten stehen die Werte, für die die Schützen einstehen: Glaube, Sitte, Heimat, Treue. Auf der Rückseite ist der Heilige Hubertus als Schutzpatron der Jäger und Schützen mit Pfeil und Bogen bei der Jagd in einer Vollmondnacht zu sehen. Drumherum befindet sich ein Kranz aus goldenen Eichenblättern. Den wiederum umgibt ein Kreis mit den Worten „1634 – Schützengilde – Rietberg – 1993 – St. Hubertus“. 

An einer der vier Fahnenseiten befinden sich grüne Schlaufen. Durch sie wird die Tragestange aus lackiertem Holz mit einer Spitze aus Messing hindurchgeschoben. Die drei anderen Seiten schmücken goldene Fransen. Das Datum „1634“ auf der Fahnenvorderseite ist übrigens historisch eindeutig zuzuordnen. Dabei handelt es sich um das Gründungsjahr der Gilde von St. Hubertus, die damit zu den ältesten Schützenvereine im Kreis Gütersloh zählt. „Was es mit dem Jahr 1993 auf sich hat, wissen wir – Stand heute – nicht“, sagt Vorsitzender Stefan Kay. Hinweise dazu würden aber gern entgegengenommen.

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