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Rietberg

Rietberger beweisen Geschlossenheit für den Frieden

Rietberg (eph)

30 Organisationen sowie zahlreiche Bürger beteiligen sich an der Kundgebung als Zeichen der Solidarität mit der Ukraine.

Starke Präsenz zeigten die Rietberger am Sonntag bei einer Kundgebung gegen den Krieg in der Ukraine. Der Abschluss der Veranstaltung, die an der Sparkasse an der Bahnhofstraße begann, fand auf dem Schützenplatz der Rietberger Gilde statt. Fotos: Stephan

Rietberg (eph) - Nadine Lindemann versteht sich aufs Organisieren. Privat stellt die 47-jährige Rietbergerin bei der Grafschaftler Karnevalsgesellschaft schon einmal eine komplette Frauensitzung auf die Beine, und auch beruflich fällt die Durchführung von Veranstaltungen in ihr Aufgabengebiet. Keinerlei Erfahrungen hatte die gelernte Betriebswirtin dagegen bislang mit dem Organisieren einer politischen Demonstration. „Doch irgendwann ist immer das erste Mal“, sagt Lindemann gegenüber dieser Zeitung, nachdem sie mit Einsatzleiter Polizeihauptkommissar Dirk Bartsch über den Ablauf der Anti-Kriegs-Kundgebung am Sonntag in Rietberg gesprochen hat. Wenig später setzt sich der Zug von der Sparkasse an der Bahnhofstraße aus in Richtung Innenstadt in Bewegung.

„Stoppt den Krieg! Jetzt!“

Angeführt wird er von MdB Ralph Brinkhaus (CDU), Bürgermeister Andreas Sunder sowie den Vorsitzenden der Grafschaftler, der St.-Hubertus-Schützengilde und des TuS Viktoria, die zusammen mit der Kolpingsfamilie und den fünf im Rat vertretenen Parteien zu der Demonstration für Frieden und gegen den Krieg in der Ukraine aufgerufen haben. Gefolgt sind ihm weitere Rietberger Vereine und Institutionen – von den beiden großen christlichen Kirchengemeinden, den Maltesern, dem VdK, dem Radsportclub und der Jugend-Musical-Bühne bis zum Verein „Achtung für Tiere“ und dem Fanclub des FC Schalke 04. Auch zahlreiche Bürger, darunter eine größere Zahl von Schülern, haben sich angeschlossen. In ihren Händen halten sie zum Beispiel selbst gemalte Plakate mit der Aufschrift „Stoppt den Krieg! Jetzt!“ oder schlicht „Frieden“. Die Rieti-Boules des TuS Viktoria fordern zudem auf einem Banner mit Friedenstaube, Nationalflagge und Anti-Atom-Zeichen ganz originell „Boule- statt Kanonen-Kugeln“. 

Viele tragen neben Zeichen ihrer (Vereins-)Zugehörigkeit wie Trikots und Schals blau-gelbe Fähnchen als Ausdruck ihrer Solidarität mit dem vom Angriffskrieg Putins überrollten osteuropäischen Staat. Auch Stadtoberhaupt Sunder bekennt klar Flagge mit einer ans Revers gehefteten Schleife in den ukrainischen Nationalfarben. Als der mehrere Hundert Meter lange Demonstrationszug mit rund 750 Teilnehmern in die Rathausstraße einbiegt, beginnen die Glocken der katholischen Kirche St. Johannes Baptist und des evangelischen Gotteshauses mit einem Gedenkgeläut. Grafschaftler-Präsident Holger Hanhardt wird sich später auf der Abschlusskundgebung ausdrücklich für diesen Beitrag bedanken.

Aufruf zur Toleranz

Vom Torfweg biegt der Zug auf den Schützenplatz ein. Dort ist am östlichen Ende eine Empore mit drei Mikrofonen aufgebaut. Während die Demonstrationsteilnehmer auf das Gelände strömen und sich vor dem Podest versammeln, ertönt aus den Lautsprechern John Lennons Anti-Kriegs-Hymne „Give Peace A Chance“. Erster Redner ist der Grafschaftler Holger Hanhardt. Er ist begeistert von der Beteiligung von 30 Organisationen und sagt: „Wir sind zwar in unseren Vereinsfarben getrennt, doch heute vereint in unserem Wunsch für den Frieden.“ Danach ergreifen die drei Gesamtschüler Hendrik Hölken, Philipp Dünnewald und Mara Brockschnieder das Wort. In Anlehnung an das Weiszäcker-Zitat „Es ist normal, verschieden zu sein“, starten sie einen Aufruf zur Toleranz. „Gewalt ist keine Lösung – nicht im Kleinen und nicht im Großen“, lautet anschließend eine der Kernbotschaften der drei Nepomucenum-Schüler Marie Dreisewerd, Marleen Büser und Batuhan Sezginer. Auch die Jugend ist am Sonntag zahlreich dabei. Diese beiden Schüler tun mit selbst gestalteten Schildern ihre Meinung kund.

Starke und einfühlsame Worte findet auch Bürgermeister Andreas Sunder. Er sagt: „Die Zustände in der Ukraine erschüttern uns in unseren Grundfesten. Aber wir können den Krieg nicht beenden. Das ist grauenhaft.“ Wohl aber könnten die Bürger ein Zeichen der Solidarität setzen, Mitgefühl äußern, mit Sach- und Geldspenden helfen und ein klares Statement für den Frieden setzen. „Diese Schützenhilfe wirkt wie ein großes schützendes Pflaster auf die klaffende Kriegswunde“, sagt der Rathauschef. 

Für den Frieden kämpfen

Letzter Redner ist Gilde-Vorsitzender Stefan Kay. Er beendet seinen Wortbeitrag mit drei Appellen: „Zeigen wir unsere Solidarität auch mit der Mehrheit der russischen Bevölkerung, die Frieden will. Behalten wir unsere Welle der Solidarität auch dann, wenn Menschen aus der Ukraine in großer Zahl nach Rietberg kommen und wir deswegen mit Einschränkungen leben müssen. Machen wir uns, wenn das Vereinsleben nach der Pandemie wieder in normalen Bahnen verläuft, bewusst, dass Frieden nicht selbstverständlich ist und wir uns darum bemühen und dafür kämpfen müssen.“

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