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Rietberg

Segensgruß wartet vor der Haustür

Rietberg-Mastholte (dali) - In normalen Zeiten wären die Sternsinger singend von Haus zu Haus gegangen, hätten den Segen gespendet und Geld gesammelt. Der Lockdown hat dem Vorhaben ein jähes Ende bereitet. Stattdessen organisierte der Pastorale Raum Rietberg eine kontaktlose Sammelaktion.

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Aufkleber mit dem Segensgruß der Sternsinger liegen vor der Haustür des Ehepaars Ahrens in Mastholte bereit. Wer mag, kann Spenden für die internationale Hilfsaktion in den Briefkasten werfen. Die Umschläge werden direkt an die Messdiener weitergegeben. Foto:

Doch wie können ältere Menschen, die sich während der Pandemie nur selten aus dem Haus wagen und mit dem Internetbanking nicht umgehen können, trotzdem den Segen für das neue Jahr bekommen? Ulla und Hajo Ahrens aus Mastholte hatten für ihre Nachbarschaft eine Idee.

„Die echten Sternsinger kommen ja nicht“

„Es sind erstaunlich viele zusammen gekommen“, sagt Ulla Ahrens und blättert durch den Stapel Briefumschläge in der Hand. Zusammen mit ihrem Mann Hajo sitzt sie im Wohnzimmer und zieht eine erste Bilanz ihrer Aktion. 18 Umschläge wurden in den vergangenen Tagen in den Briefkasten des Ehepaars eingeworfen. „Das war eine spontane Idee.“ Am 6. Januar, dem Dreikönigstag, bekam sie von einer Nachbarin ein Video mit dem offiziellen Lied der Sternsinger. Die Freude über die kurze Handybotschaft wich aber schnell der Enttäuschung: „Die echten Sternsinger kommen ja leider nicht.“

Um den Menschen in den Ortsteilen dennoch den Haussegen zukommen zu lassen, hatten die Gemeinden im Pastoralen Raum zwar eine Lösung gefunden. Auf einem eigens eingerichteten Konto der Messdiener sollte gleichzeitig das Geld für die Sternsingeraktion gesammelt werden, deren Erlös für Kinder in der Ukraine bestimmt ist. „Die Kontonummer hilft aber nicht so sehr“, bedauert Ulla Ahrens. Viele Anwohner in der Mastholter Schützenplatz-Siedlung, in der auch das Ehepaar zuhause ist, sind mittlerweile jenseits der 70. „Dieser Personenkreis macht selten Internetbanking“, erklärt Hajo Ahrens.

Gemeinsam etwas Gutes tun

Kurzerhand tüftelte das Paar eine Idee aus: Inspiriert von der Aktion einer weiteren Nachbarin, die im Dezember das Friedenslicht aus der Kirche an die älteren Menschen in ihrer Straße verteilte, schrieb Ulla Ahrens in einer Nachbarschaftsgruppe auf Whats-App eine Nachricht: Wer einen Segen für sein Heim abholen und auch spenden möchte, könne das Geld in den Briefkasten der Familie werfen. Für die Aufkleber hat das Ehepaar eigens einen Tisch vor die Haustür gestellt.

Die Aktion kam gut an bei den Nachbarn: „Wir können uns zur Zeit nicht sehen und nichts gemeinsam unternehmen“, gibt Ulla Ahrens zu bedenken. „Jetzt kann man sich gegenseitig helfen und auch noch etwas Gutes tun.“

Brauch reicht bis ins Mittelalter zurück

Bis ins Mittelalter reicht der Brauch des Sternsingens zurück. In ganz Deutschland ziehen um den 6. Januar, dem Dreikönigstag, rund 300.000 Sternsinger von Tür zu Tür, segnen Häuser und Wohnungen. Gleichzeitig sammeln Caspar, Melchior und Balthasar Spenden für notleidende Kinder in der ganzen Welt. Nur so könne ihnen Bildung, Gesundheit und vieles mehr auch in dieser Corona-Pandemie ermöglicht werden, heißt es in dem kurzen Begleitschreiben der Kirche. Als Beispielaktion ist dieses Mal das Hilfsprojekt für Kinder in der Ukraine ausgewählt worden.

In Mastholte haben die Messdiener die Organisation übernommen. In der Bäckerei Böwingloh, im Elli-Markt und auch in der Pfarrkirche liegen die gesegneten Aufkleber zum Mitnehmen bereit. Wer einen Betrag überweisen möchte, kann dies auf folgendes Bankkonto tun: Katholische Kirchengemeinde, IBAN: DE20478624470000251601. Als Verwendungszweck sollte „Sternsinger“ und der jeweilige Ortsteil angegeben werden.

Hajo und Ulla Ahrens werden noch bis Sonntag, 17. Januar, Briefumschläge mit Spenden annehmen, die dann ebenfalls an die Messdiener weitergeleitet werden. „Die Briefe werden wir natürlich nicht öffnen“, betont Ahrens. Das Paar wohnt an folgender Adresse: Am Schützenplatz 30, Mastholte.

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