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Stadtverwaltung ließ Container für Flüchtlinge aufstellen, die nie kamen

Teurer Leerstand in Rietberg

Rietberg (WB/pkb). »Uns blieb damals ja kaum etwas anderes übrig«, sagt Bürgermeister Andreas Sunder (FWG), blickt er zurück auf die zweite Hälfte des Jahres 2015 und den Anfang 2016. Seinerzeit stand die Kommune vor dem Problem, nicht genügend Unterkünfte für den großen Zustrom von zugewiesenen Flüchtlingen zu haben, mietete an, was nur irgendwo ging, baute am Bibeldorf – und kaufte teure Container.

Er entwickelt sich zu einem teuren Leerstand – für mehr als eine Million Euro war die Wohncontainer-Anlage Anfang 2016 gekauft und aufgebaut worden, samt zusätzlicher Kosten für die Areal-Gestaltung. Foto: Petra Blöß

Jetzt gestaltet sich die Sache genau anders herum. Die Wohnmöglichkeiten für bis zu 90 Hilfesuchende sind da, ihre Nutzung aber nicht. Beziehungsweise, im Fall der Wohncontaineranlage an der Sandfeldstraße 50a – ihr Kaufpreis lag bei über einer Million Euro – war sie es auch noch nie. Flüchtlinge jedenfalls haben die vier großrahmigen Bausteine noch nie von innen gesehen.

Container blieben bis Spätsommer 2017 leer

Als die Anlage vor zwei Jahren fertig war, ebbte der Zustrom an Asylsuchenden plötzlich ab. Wie seinerzeit die Stadt im Spätwinter bekannt gab, sei eine Belegung genau dieses Raumangebotes nicht vor Mai vorgesehen. Da aber war das auch schon nicht mehr notwendig. Und so standen die aufbereiteten Container leer.

Bis zum Spätsommer 2017. Es wurde wieder umgebaut, denn: Die AWO als Träger der 16. Betreuungseinrichtung für Mädchen und Jungen war mit ihrem Neubau im Stennerland nicht fertig, Kinder aber schon angemeldet worden. Für fünf Monate bezog der Nachwuchs Gebäudeeinheiten und Areal, dann wechselte er in den Neubau. Seither bleibt das Gelände schon wieder verwaist.

Nutzung als Klassenräume ist vom Tisch

Ursprünglich war seitens der Verwaltung geplant, die Contis später während der Umbauphasen im Schulzentrum als Klassenräume zu nutzen. »Prozessökonomische Gründe«, so wurde im Rathaus argumentiert, dass man einen anderen Standort und die Umwidmung vornehmen wolle, wenn der Erweiterungsbau zur Gesamtschule fertig ist.

Das dauert nun auch nicht mehr lange, die Container aber werden nicht umgesetzt. Bürgermeister Andreas Sunder erklärte zu Wochenbeginn auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES: »Diese Nutzung ist nicht mehr nötig, dadurch dass wir die Sanierung und Erweiterung des Schulzentrums mittlerweile anders und abschnittsweise geplant haben.«

Verkauf wäre wenig lukrativ

Es gibt ein Standortproblem, da die Container im Außenbereich angesiedelt sind. Sunder: »Eine anderweitige Nutzung, nicht nur eine vorübergehende, muss intensiv unter anderem mit der unteren Naturschutzbehörde des Kreises abgestimmt werden.«

Jahrelang, so Sunder, wolle die Stadt die Bauten nicht ungenutzt stehen lassen. Ein Verkauf derzeit sei wenig lukrativ, da die Nachfrage in keinster Weise mehr jener der Jahreswende 2015/2016 entspreche.

Zu den ersten Ideen für eine sinnvolle Belegung der Räume gehöre die Überlegung, hier einen Beherbergungsbetrieb entstehen zu lassen, beispielsweise als Übernachtungsmöglichkeit für Radtouristen. Eine andere Variante sei es, hier Büroräume anzulegen und zu vermieten.

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